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Sonntag, 28. Februar, 6.35 Uhr

Ich habe oft erlebt, wie meine Weggefährten zu Schmieröllieferanten jenes Rades wurden, dem sie einst in die Speichen greifen wollten.

Wäre ein schöner Satz für “Ungetwittert”, ist aber leider nicht von mir, sondern steht in meiner momentanen Lektüre: “Am Hang” von Markus Werner. Habe ich schon vor Jahren einmal zu lesen begonnen, aber aus irgendwelchen Gründen nicht beendet. Lese-Neustart, weil ich in einer Programmzeitschrift gesehen habe, dass das Buch verfilmt wurde und gesendet wird (wurde?). Aus Neugier wieder danach gegriffen und festgelesen. Kommt bei mir öfter vor: Ein Buch, einst vorschnell weggelegt, gefällt mir beim zweiten Versuch richtig gut. Warum? Keine Ahnung. Was aber auch oft vorkommt: Beim zweiten Versuch gebe ich nicht nach den ersten Seiten, sondern später auf.

Der Satz oben kommt auf Seite 30 vor (so weit bin ich immerhin schon wieder). Im Kontext:

Hat das Virus – welches auch immer – erst einmal alle befallen, darf man es nicht mehr Virus nennen. Am Anfang ja, am Anfang hat man jede Menge von Verbündeten. Je mehr der Strom aber anschwillt (…), um so mehr fallen um und hinein, und ich stehe belämmert am Ufer (…), und unsereins steht als verkalkter Sack  am Ufer (…), ich habe früh und oft erlebt, wie meine Weggefährten zu Schmieröllieferanten jenes Rades wurden, dem sie einst in die Speichen greifen wollten, und dabei war der damals herrschende Geist, den wir in unserer Frühlingszeit zu Recht als menschenverachtend empfanden, noch eine Spur humaner als der, dem sie sich später nicht nur anbequemten, sondern auf allerlei Posten zum Durchbruch verhalfen.

Sagt Herr Loos zu Herrn Clarin, das sind die beiden Protagonisten, die miteinander ins Gespräch kommen. Bin gespannt, wie es weitergeht.

Mit den “Montagsthemen” bin ich noch nicht ins Gespräch gekommen, auch das Warmschreiben im Blog inspiriert mich noch nicht, auch die Meldungen der Nacht nicht. “Protest im Puff” (wg. Prostituierten-Schutzgesetz), “Rekord bei Robbennachwuchs auf Helgoland” oder “Wie feiert man am 29. Februar Geburtstag?” – das alles bringt mich nicht weiter. Zumal ich nicht einmal weiß, obwohl schon x-mal nachgelesen und wieder vergessen, was genau es mit dem Schalttag auf sich hat. Gregorianischer Kalender usw., sicher, aber exakt erklären könnte ich es nicht.

Ein Thema hätte ich, aber das könnte ausufern: Im neuen “Spiegel” über Belinda Bencic gelesen und sofort an Jan Kristian Silva gedacht, der seit Jahren in der untersten Abteilung des Zettelkastens liegt. Manches muss eben reifen. Bencic wäre ein guter Anlass, darauf zurückzukommen. Aber nur, wenn ich es schaffe, die Sache in der Kolumne so zu komprimieren, dass sie nur ein Montagsthema von mehreren ist. Ansonsten demnächst als eigener “Anstoß”.

 

Baumhausbeichte - Novelle