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Ohne weitere Worte (vom 23. Februar)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Schmidt hätte auf die Tribüne gehen können, doch er verhielt sich lieber wie ein bockiges Kind und weigerte sich. Es waren Szenen, für die sich heute selbst Dreijährige im Kindergarten zu blöd sind. Felix Zwayer musste in dieser Situation so handeln, wie er es tat (…), auch um für all seine Berufskollegen ein Zeichen zu setzen, dass man vieles ertragen kann, aber eben nicht alles ertragen muss. (Benjamin Kuhlhoff im Fußball-Magazin 11Freunde)
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Heutzutage ist das Umschaltspiel das am meisten genannte Wort im Fernsehfußball. (…) Es ist der Dreh- und Angelpunkt im Wortschatz der Kommentatoren, die sich dem Publikum als zeitgemäße Taktikversteher präsentieren möchten. (Philipp Selldorf in der Südd. Zeitung)
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Ist Mitleid das Schlimmste, das man als Sportler bekommen kann? – »Definitiv. Ich will mit dem Wort nichts zu tun haben. Das ist mein Leben, das ist mein Job, das ist das Risiko, das dazugehört, und das bin ich eingegangen.« (Holger Badstuber im SZ-Interview über seine neuerliche schwere Verletzung)
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Gab es Angebote?– »Ja. (…), aus dem Ausland, und zwar nicht Italien, Spanien, England.« – Eher so Zypern …? – »Das letzte Angebot sogar noch südlicher.« (Fußball-Weltmeister Klaus Augenthaler, neuer Trainer des Siebtligisten SV Donaustauf, im Bild-Interview)
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Stefan Effenberg (muss)  nach einer Fahrt mit 1,4 Promille zum Idiotentest. »Dort muss geklärt werden«, so der Anwalt Christian Finke in Bild, »ob Herr Effenberg zukünftig in der Lage ist, ohne Alkoholeinfluss Auto zu fahren«. Heißt: Bislang war ihm das überhaupt nur unter Alkoholeinfluss möglich? (Jörg Thomann in den »Herzblatt-Geschichten« der FAS)
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Warum wird der Schweiß (…) plötzlich cool? Die Generation Dauerlauf hat sich ja wenigstens noch geduscht. Regalmeter Duftgels beim Drogisten erzählen die Geschichte vom unaufhörlichen teuren Kampf gegen den Schweiß und seine Gerüche. Endlich haben Frauen und Kosmetikkonzerne auch die Männer so weit, dass sie duften wie Moschusochsen untenrum – statt wie Männer untenrum. Da schlägt das Pendel zurück. (Burkhard Strassmann in der Zeit über den neuen Trend zum Schwitzen)
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Vor ein paar Tagen, zwischen dem Tod von David Bowie und dem von Roger Willemsen, ist mein Kater gestorben. (…) Wir begruben ihn in Brandenburg, dem Bundesland, aus dem er kam. The Circle of Life. (…) Auf der Rückfahrt (…) las mir meine Frau die letzten Punkte im Finale der Australian Open aus einem Liveticker vor. Und obwohl ich Angelique Kerber wirklich mag (…), wollte ich jetzt, dass sie verliert. Weil es besser zu meinen Gefühlen gepasst hätte. (Alexander Osang im Spiegel)
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Man darf sogar annehmen, dass sie ein bisschen was auf dem Kasten hat, denn die Bezeichnung »Studentin« bezieht sich in diesem Fall nicht etwa auf Kommunikationsmanagement an einer privaten Hochschule oder Schmuckdesign in Idar-Oberstein (gibt es wirklich), sondern auf Medizin. Sogar ihr Hobby ist sympathisch: Sie war mal Jugendmeisterin im Snowboarden. (Heike Faller  im Zeit-Magazin über die Freundin von Elyas M’Barek)
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»Als Kind litt ich unglaublich unter meinen roten Haaren und wurde laufend gehänselt. Ich glaube schon, dass mich das charaktermäßig geprägt hat. Beim Sport habe ich gedacht: Jetzt zeig’ ich es euch!« (Rallye-Legende Walter Röhrl im SZ-Interview)
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»Die größte Zäsur war, dass ich mit 16 von einem Tag auf den anderen mit Fußball und intensivster Leichtathletik aufgehört habe. Fortan gab das Lesen den Ausschlag, von Ulysses bis Karl May, und zwar in dieser Reihenfolge.« (Suhrkamp-Cheflektor Raimund Fellinger im SZ-Magazin)
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»Wir durften uns etwas im Gegenwert von bis zu 800 Mark kaufen. Als Beweis mussten wir die Rechnung vorlegen. Dann gab es das Geld zurück. Ich kaufte mir einen Schrank, hätte aber lieber das Geld genommen.« (Arnulf Meffle im Sport-Bild-Interview über die WM-Prämie 1978)
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»Ich will nicht zum Star und Medienexperten werden. Ich will mich nicht präsentieren. Und ich schwängere auch nicht Jenny Elvers, um noch einmal eine Schlagzeile zu bekommen« (Nils Schumann, 800-m-Olympiasieger 2000 in Sydney, zitiert in der taz) (gw)
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(www.anstoss-gw.de gw@anstoss-gw.de)

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