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Detlev Oberhell: Dicke Kinder leben oft in einem Teufelskreis – mit “Treibt Sport” alleine ist es leider nicht getan

Ich erlaube mir, als regelmäßiger Leser des Anstoßes, heute einmal selbigen am letzten Absatz Ihrer Kolumne vom 01.02.2016 zu nehmen.

Dass es immer mehr dicke Kinder gibt, liegt sicher auch an der mangelnden Bewegung. Bei der einfachen Aussage „Treibt Sport“ würde ich es aber nicht gerne bewenden lassen.

Einen Teil der Schuld müssen wir sicher bei den Eltern suchen, die, oft aus reiner Liebe, ihren Kindern rein ernährungstechnisch nicht immer eine wirkliche Hilfe sind. Ich denke, wir können mittlerweile davon ausgehen, dass Bewegung zwar wichtig ist, die Ernährung aber wesentlich ausschlaggebender für die Figur. Die Lebensmittelindustrie trägt ihren Anteil ebenso bei. Auch das ist, m.E. unbestritten.

Ein psychologischer Grund allerdings wird bei weitem unterschätzt oder gar nicht beachtet. Dicke Kinder leben oft in einem Teufelskreis. Denn sie werden von Freunden (wenn man die dann noch so nennen kann) und Klassenkameraden nur allzu gerne gehänselt und ausgelacht. Beim Wählen einer Mannschaft ist man oft der Letzte, der genommen wird. Und last but not least, im Schwimmbad lässt man sich am besten überhaupt nicht mehr sehen. Ich schätze diesen Effekt sehr hoch ein. Das Ergebnis: Dicke Kinder machen weniger Sport und werden dadurch immer dicker. Dieses Phänomen gibt es auch bei Erwachsenen. Es gehört schon sehr viel Mut dazu, gegen überflüssige Pfunde anzukämpfen, indem man sich in der Öffentlichkeit regelmäßig bewegt.

Ich denke, all diese Dinge spielen eine große Rolle. Und daher ist es mit „Treibt Sport“ alleine leider nicht getan. (Detlev Oberhell/Bad Nauheim)

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