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Ohne weitere Worte (vom 2. Februar)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Eine Kerber-Mania aber gibt es hierzulande nicht. Es ist eher so wie mit der Handball-EM: Ein Team kommt überraschend weit. Das nimmt man gern zur Kenntnis. (…) Die meisten Deutschen allerdings werden von den Dingen in Melbourne oder Krakau ein paar Zeilen auf ihrem Telefon lesen. Die große, gar nationale Aufregung findet nicht statt. (SZ-Chefredakteur Kurt Kister vor den beiden Endspielen)
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Der EM-Titelgewinn begeistert die Menschen. (Erster SZ-Satz online nach dem Handball-Finalsieg)
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»Da geht unser gewöhnlicher Bundesligasieg zurecht auch ein bisschen unter. Das ist natürlich grandios für alle deutschen Sportfans.« (Thomas Müller nach dem gleichzeitigen Bayern-Sieg über Hoffenheim)
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Und doch hat nun auch der deutsche Fußball-Rekordmeister ein Maulwurfproblem. Mit so was hatte zuletzt nur RTL zu kämpfen, weil jemand vorzeitig verraten hatte, dass Pleitesänger Gunter Gabriel das Dschungelcamp verlässt. (Julien Wolff in der Welt zum Bayern-»Maulwurf«)
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Alexander Meier (…) nahm fast 66 Minuten lang kaum am Spiel teil, nur 13 Ballkontakte hatte er bis zu diesem Zeitpunkt. (…) Selbst Wolfsburgs Manager Klaus Allofs erklärte ehrfürchtig: »Mit dieser Ballkontaktquote hätte Meier bei uns heute sieben Tore gemacht.« (Tobias Schächter in der Süddeutschen Zeitung)
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Das Erdmännchen Suri (…) wird sämtliche Ergebnisse der WM 2018 vorhersagen. Vorbild ist die berühmte Krake Paul. Neben Suri hatten sich beim Moskauer WM-Organisationskomitee weitere hochqualifizierte Bewerber (…) gemeldet, darunter die finanzstarke balkanesische sowie die asiatische Wettmafia, die auf eine ähnlich treffliche Vorhersage-Bilanz wie Krake Paul verweisen konnten. (Michael Eder in der Kolumne »Schluss für heute« der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Bei der Hatton Garden Security Company deponierten nicht nur die vielen in der Straße ansässigen Juweliere ihre Kostbarkeiten, sondern (…) auch Profifußballer und andere zwielichtige Gestalten. (aus der Süddeutschen Zeitung, gefunden im »Hohlspiegel« des Spiegel)
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»Ich habe keine Freunde. Wenn ich irgendwelche Sorgen hätte, habe ich niemanden, den ich anrufen würde.« (Niki Lauda im SZ-Interview)
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Der Film »Rush« erzählt von Ihrem Zweikampf mit (…) James Hunt. – »(…) Da bin ich rausgegangen mit dem Gedanken: Bah, ich war schon ein Riesenarschloch. (…) Ich habe mich selbst richtig unsympathisch gefunden.« – Warum? – »Ich bin so. Und ich war so.« (Lauda/SZ)
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Im Boxsport gibt es eine alte Weisheit: »You can get the boxer out of the ghetto, but not the ghetto out of the boxer.« Jahrelang trainiert er brav, bringt seinem Manager viel Geld ein, sagt nur die Sprüche, die ihm aufgeschrieben werden, und plötzlich, BAMM!, beißt er seinem Gegner ein Ohr ab, verprügelt den Ringrichter und fährt danach mit seinem Lamborghini im Central Park ein Rudel Dalmatiner-Welpen tot. (das Autoren-Duo Matthias Krupa und Bernd Ullrich in der Zeit)
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Andere EU-Länder haben den Zuzug eingeschränkt. Indem wir die Grenzen öffnen, glauben wir, dass wir besser sind als sie. Darin liegt eine moralische Arroganz. (Christoph Lütge, Professor für Wirtschaftsethik, in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Rundschau)
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So was gilt neuerdings auch in der Politik: »Du kriegst die Frau aus dem Pfarrhaus, aber du kriegst das Pfarrhaus nicht aus der Frau.« Jahrelang betreibt sie empathielose Realpolitik (…), und plötzlich, BAMM!, fängt sie unvermittelt an zu lächeln, macht Selfies mit Syrern und holt Millionen Flüchtlinge ins Land. (Krupa/Ullrich/Zeit)
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»Jetzt haben wir das Paradox: Alle reden über die Herkunft der Täter und haben zugleich den Eindruck, dass man nicht über die Herkunft der Täter reden darf.« (Navid Kermani, deutsch-iranischer Schriftsteller, im Spiegel-Interview)
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Fernsehen ist eine Wintersportart. (Tobias Rüther in seiner FAS-Kolumne »Teletext«) (gw)
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(www.anstoss-gw.de  gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle