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Montag, 1. Februar, 18.10 Uhr

Kleine Berg-Tal-Berg-Tal-Berg-Runde mit dem alten Treckingrad. Wind hat mich fast vom Rad gepustet. Auch an den Containern für die Flüchtlinge vorbeigekommen. Scheint alles bezugsfertig. Im Gemeindeblättchen vom Freitag hat der Bürgermeister alles das geschrieben, was schon eine Woche vorher hätte geschrieben werden können und dann erst gar nicht alle die Aufgeregtheiten im Dorf  hätte aufkommen lassen. So aber hat die Dumpfbacken-Fraktion sicher wieder ein paar mehr Unterstützer gefunden.

Warum will “meine” Gesellschafts- und Arbeitsschicht  nicht verstehen, dass es nicht um die “Lügenpresse” geht, die es sowieso nicht gibt, sondern um überhebliche, vielleicht auch nur gedankenlose Vernachlässigung berechtigter und unberechtigter Ängste? In der Selbstgewissheit, im Recht zu sein und mehr von der Welt zu verstehen als andere, nimmt man diese anderen intellektuell nicht ernst und bevormundet sie. Auch Verachtung spielt eine Rolle.

Mein Dorf-Beispiel: Der Bürgermeister wusste am vorletzten Donnerstag, was los ist. Er hätte sofort die Brisanz erkennen und die örtliche Presse (zu der er guten Kontakt hat) informieren müssen. Diese wiederum hätte ebenfalls die Brisanz erkennen und einen Informationsartikel für Freitag ins Blatt bringen müssen. Niemand kann mir weismachen, das sei aus Zeitgründen nicht möglich gewesen. Wenn ich etwas weiß, dann dass die prompte aktuelle Berichterstattung überhaupt kein Problem gewesen wäre. Man muss es nur wollen und wichtig genug finden. Ich habe Tausende von Nächten in der Redaktion verbracht und dabei auch viel unwichtigere Aktualitäten ins Blatt gerückt, bis hin zu den Ergebnissen und Torschützen von B-Klasse-Fußballspielen. Die Flüchtlings-Container waren offenbar weniger wichtig. Die richtige, ausführliche und (mich) überzeugende Information gab es erst eine Woche später. Das Schlimme daran ist: Die Informierer finden das überhaupt nicht schlimm und wundern sich (wie gesagt, herablassend bis verachtend) über die Aufgeregtheiten der niederen Stände.

Apropos Stand: Die Mail von Michael Beltz in der “Mailbox” muss Nicht-Lesern der Gießener Allgemeinen (also Nur-Online- oder Wetterauer-Zeitung-Lesern) kurz erklärt werden: Im  heutigen GAZ-Artikel über einen gegen den Stand einer gewissen Partei (Sie wissen doch, den mir zu albern klingenden Namen schreibe ich nie) gerichteten  Buttersäure-Stinkbomben-Anschlag  in der Gießener Innenstadt wurde die Gießener Kommunisten-Größe Michael Beltz namentlich mit ihrem jüngeren Bruder, der deutschen Kabarett-Größe Matthias Beltz verwechselt, “unserem” Matthias Beltz, wie langjährige Leser wissen. Michael Beltz gilt übrigens nicht nur als strammer und seit Jahrzehnten unbeirrbarer DKP-Funktionär, sondern auch als landauf, landab bei Nichtkommunisten angesehenster und angenehmster Kommunist. Liegt wohl auch am Beltz-Humor. Siehe “Mailbox”.

 

 

 

 

Baumhausbeichte - Novelle