Archiv für Februar 2016

Sonntag, 28. Februar, 6.35 Uhr

Ich habe oft erlebt, wie meine Weggefährten zu Schmieröllieferanten jenes Rades wurden, dem sie einst in die Speichen greifen wollten.

Wäre ein schöner Satz für „Ungetwittert“, ist aber leider nicht von mir, sondern steht in meiner momentanen Lektüre: „Am Hang“ von Markus Werner. Habe ich schon vor Jahren einmal zu lesen begonnen, aber aus irgendwelchen Gründen nicht beendet. Lese-Neustart, weil ich in einer Programmzeitschrift gesehen habe, dass das Buch verfilmt wurde und gesendet wird (wurde?). Aus Neugier wieder danach gegriffen und festgelesen. Kommt bei mir öfter vor: Ein Buch, einst vorschnell weggelegt, gefällt mir beim zweiten Versuch richtig gut. Warum? Keine Ahnung. Was aber auch oft vorkommt: Beim zweiten Versuch gebe ich nicht nach den ersten Seiten, sondern später auf.

Der Satz oben kommt auf Seite 30 vor (so weit bin ich immerhin schon wieder). Im Kontext:

Hat das Virus – welches auch immer – erst einmal alle befallen, darf man es nicht mehr Virus nennen. Am Anfang ja, am Anfang hat man jede Menge von Verbündeten. Je mehr der Strom aber anschwillt (…), um so mehr fallen um und hinein, und ich stehe belämmert am Ufer (…), und unsereins steht als verkalkter Sack  am Ufer (…), ich habe früh und oft erlebt, wie meine Weggefährten zu Schmieröllieferanten jenes Rades wurden, dem sie einst in die Speichen greifen wollten, und dabei war der damals herrschende Geist, den wir in unserer Frühlingszeit zu Recht als menschenverachtend empfanden, noch eine Spur humaner als der, dem sie sich später nicht nur anbequemten, sondern auf allerlei Posten zum Durchbruch verhalfen.

Sagt Herr Loos zu Herrn Clarin, das sind die beiden Protagonisten, die miteinander ins Gespräch kommen. Bin gespannt, wie es weitergeht.

Mit den „Montagsthemen“ bin ich noch nicht ins Gespräch gekommen, auch das Warmschreiben im Blog inspiriert mich noch nicht, auch die Meldungen der Nacht nicht. „Protest im Puff“ (wg. Prostituierten-Schutzgesetz), „Rekord bei Robbennachwuchs auf Helgoland“ oder „Wie feiert man am 29. Februar Geburtstag?“ – das alles bringt mich nicht weiter. Zumal ich nicht einmal weiß, obwohl schon x-mal nachgelesen und wieder vergessen, was genau es mit dem Schalttag auf sich hat. Gregorianischer Kalender usw., sicher, aber exakt erklären könnte ich es nicht.

Ein Thema hätte ich, aber das könnte ausufern: Im neuen „Spiegel“ über Belinda Bencic gelesen und sofort an Jan Kristian Silva gedacht, der seit Jahren in der untersten Abteilung des Zettelkastens liegt. Manches muss eben reifen. Bencic wäre ein guter Anlass, darauf zurückzukommen. Aber nur, wenn ich es schaffe, die Sache in der Kolumne so zu komprimieren, dass sie nur ein Montagsthema von mehreren ist. Ansonsten demnächst als eigener „Anstoß“.

 

Veröffentlicht von gw am 28. Februar 2016 .
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Mittwoch, 24. Februar, 11 Uhr

Ich muss mich mal selbst loben: Der Zwischen-Anstoß, den ich gerade geschrieben und online gestellt habe („Trotz-Demos“), entspricht meiner Idealvorstellung. Leider erreiche ich sie fast nie. Diesmal aber perfekt. Hat nichts mit dem Inhalt zu tun, den können andere sowieso besser beurteilen. Aber die Länge! Beziehungsweise die Kürze! Ideal für das Layout und nicht solch ein „Riemen“, der die Zeitungsseite erschlägt und den Jungs in der Redaktion die Faust in der Tasche ballen lässt. Vermute ich jedenfalls. Mir ginge es so. Mir sagen sie es nicht. Wahrscheinlich aus „Ehrfurcht vor schlohweißen Haaren“ (war mal ein schlimmer Schleimhit von Camillo Felgen, dem Vorgänger von Frank Elstner bei Radio Luxemburg; da musste man nur ein klitzekleines Stück weiter auf der Mittelwelle drehen und war beim Piratensender Radio Veronika).  – Nur-Online-Leser jucken Kürze, Länge und Layout natürlich nicht. Wenn ich manche Zeitungen sehe, scheint dort das auch Blattmacher nicht mehr zu interessieren. Natürlich nicht bei uns. Ist doch klar.

Veröffentlicht von gw am 24. Februar 2016 .
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Sonntag, 21. Februar, 7.20 Uhr

Verschlafen. Aber wen juckt’s? Nur mich Gewohnheitsmackentier. Meldungen der Nacht aus den USA: Ein Sniper erschießt mindestens sechs Menschen, ist auf der Flucht, von der Polizei gejagt. Clinton und Trump bei Vorwahlen vorn.

In den USA und über 20 weiteren Ländern erscheint demnächst der Baum-Bestseller des deutschen Försters. Der deutsche Wald stirbt nicht, er erobert die Welt! Ich habe das Buch noch nicht gelesen, dafür aber „Die Intelligenz der Pflanzen“ von Stefano Mancuso. Habe ich das Buch schon mal erwähnt, in Blog oder Kolumne? Sehr interessant. Ich wusste aber schon vorher, warum ich so ungern geköpfte Blumenleichen verschenke. Zum Leidwesen einer gewissen KKKK-Dame.

Apropos: Eine Woche Holland. Insel Texel. Anfangs sehr schön. Verpflegung im Supermarkt gekauft.  Die letzten Tage schwerer Magen-Darm-Anfall. Nicht bei mir, leider. Ich hätte ihr  die Leiden gerne abgenommen. Unsere holländischen Freunde Anne en Hans, die später ebenfalls nach Texel  kamen, schickten uns die brandaktuelle Meldung hinterher:

Supermarktketen Jumbo roept klanten op om alle gerookte zalmproducten
terug te brengen. Bij een uitgebreide steekproef bij de leverancier is
de darmbacterie listeria aangetroffen.

Unser Supermarkt! Rückruf wegen Darmbakterien.

Hans liest den Blog in Holland, wundert sich, dass ich zuletzt meine Abwesenheit angekündigt hatte. Dass dies eine Einladung ist, war mir gar nicht klar. Auch deutsche Leser (wie Walther Roeber) warnten nachträglich. Ist zwar gutgegangen, wird aber nicht wieder vorkommen.

So, langsam muss ich ran an die „Montagsthemen“. Fühle mich aber noch wie ein verkantetes Schaf. Verkantet, nicht verkannt (das auch manchmal). Wie die auf Texel, wo eine spezielle Rasse gezüchtet wird, mit besonders schwerer Kopf- und Nackenpartie, wodurch sie sich manchmal „verkanten“ und nicht mehr auf die Beine kommen. Sieht man solch ein verkantetes Texel-Schaf, soll man ihm auf die selben helfen.

Auch mir wird jetzt geholfen. KKKK, auf dem Wege der Besserung und zu mir.

 

 

 

 

 

 

1991 mit der Eiskunstläuferin Kati Witt, die Dehm damals managte

Veröffentlicht von gw am 21. Februar 2016 .
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Donnerstag, 11. Februar, 12.10 Uhr

Der „Sport-Stammtisch“ für Samstag ist bereits geschrieben. Mit einem Hauptthema, dem Handball-Pamphlet in der „Zeit“. Hoffentlich geschieht bis dahin nichts, was Teilen meines Textes widerspricht oder sie überflüssig macht. Na ja, überflüssig sind sie sowieso, werden Spötter sagen.

Ich habe die Kolumne schon in die Redaktion geschickt, stelle sie aber erst heute Abend online in die Links rechts (gw-Beiträge Anstoß), damit sie wenigstens in etwa „zeitnah“ (aus der Rubrik „ausgeleierte Modewörter, die man vermeiden sollte“) mit der Zeitung bleibt.

Grund: Morgen früh bin ich für eine Woche weg. Texel. Ich sag’s nur vorbeugend, denn bei gw-Pausen (sind beim Rentner seltener als früher, komisch) gibt es immer besorgte Nachfragen. Freut mich ja. Besser, als dass Pausen gar nicht wahrgenommen werden. Ich hätte also stumm auf die Insel fahren sollen, jetzt gibt es leider keine besorgten Nachfragen. Zu spät.

Nächster Schreibtermin: Sonntag in einer Woche, Frühmorgenblog und „Montagsthemen“. Bis dann.

 

Veröffentlicht von gw am 11. Februar 2016 .
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Sonntag, 7. Februar, 6.15 Uhr

So früh? Ja, dank der Vorzüge seniler Bettflucht. Ich bin sogar schon länger „hier bei der Arbeit“ (früher Holger Geschwindners ständige Begrüßung am Telefon), denn vor dem Schlafen und vor dem Blog habe ich bereits die Rohfassung der „Montagsthemen“ geschrieben. Weil: Nachher geht’s  nach langer Zeit wieder einmal ins bergige Bergische Land, nach Halver, in den Wald. Hundetraining mit Schussfest-Schusstest. Mit mir als Chauffeur und Begleitschutz.

Das frühe Aufstehen macht mir nichts mehr aus. Das war früher ganz anders. Ich erinnere mich an Schüler- und Jugendwettkämpfe mit dem TV Wetzlar, Treffpunkt Sonntag früh um vier am Stadion, um mit dem Bus nach, zum Beispiel, zu den hessischen Schüler-Mannschaftsmeisterschaften in Obersuhl zu fahren. Direkt an der Zonengrenze. Wettkampfbeginn acht Uhr. Alle wie Zombies, schlaftrunken. Erst auf der Rückfahrt ging’s rund. Witze-Marathon. Dem Hauptwitzeerzähler ging bald der Stoff aus, er holte sich Anregungen von Nichtwitzeerzählern wie ich es war und bin, und dabei lernte ich früh, dass man bei guten Witzen nicht übertreiben darf. Ich flüsterte ihm meinen pubertären Lieblingswitz ins Ohr, er ging zum Mikrofon und legte noch einen drauf, aber Masse macht keine Klasse. Mein geflüsterter Witz, der in einem „Konsum“ spielt (für Spätgeborene: ein Lebensmittelgeschäft, in dem man Mitglied sein konnte und „Märkchen“ sammelte): Kommt ein junges hübsches Mädchen in den Konsum und sagt zum ebenso jungen Verkäufer: „Ich hätte gerne zwei Eier.“ Er fragt pflichtgemäß: „Mitglied?“ Sie, errötend: „Nein, ohne.“ – Die witztötende Übertreibung des Witzbolds am Mikrofon: Er machte aus den zwei Eiern gleich zehn. Dennoch lachte sich der Bus schlapp. In dem Alter reichten schon  die beiden Wörter „Mädchen“ und „Eier“.

Auch in etwas reiferen Zeiten meines unreifen Daseins blieb ich Spätaufsteher, ich erinnere mich an ähnliche Zombiegefühle bei sehr frühen unserer frühen Griechenlandflüge, Ende 80er, Anfang 90er Jahre. Premiere 1986, München – Rhodos (zum  Inselhopping über Karpathos, Kos und zurück). Um vier Uhr aufgestanden und halb im Schlaf mit dem Zug nach München gefahren zu sein, war das größte Abenteuer. Und jetzt (Vorsicht, noch so’n früher Lieblingswitz, aber ohne Pubertäres): Frühlingserwachen ist nicht mehr das Gegenteil von spät rechts einschlafen, sondern beides heute der Normalfall. Gestern bis in die Nacht an der Kolumne geschrieben, heute vor dem Blog fertig gebosselt, hellwach und munter.

Was ich heute versäumen werde: Gegen Mittag zieht der dörfliche Karnevalszug um die Häuser, um sich danach dem großen Zug der Großgemeinde anzuschließen. Als vor ein paar Tagen die Faschingszeitung an den Haustüren verkauft wurde, für zwei Euro, und ich fünf Euro gab („Rest ist Spende“), drohte mir der Verkäufer an, sich fröhlich mit „Helau“ verabschiedend: „Dafür werfe mir Ihne auch besonners viele Bongbongs vor die Dür!“

So, gleich noch leichtes Feilen an der Kolumne. Wenn Sie den Schlusssatz lesen und denken, der lügt ja, der war doch eine Sportkanone, dann sollten Sie wissen, dass ich mich in unserem Viertel der „Bande“ mit den Älteren angeschlossen hatte (Gleichaltrige waren nicht nur kleiner, sondern für mich auch noch Kinder), und dass in diesem Alter (ich war sieben, die anderen neun, zehn, elf) jedes Jahr in der Entwicklung dreifach zählt. So kam es also in all meiner armseligen Wahrheit zu der Erfahrung im Schlusssatz (demnächst online in den Links rechts, Stichwort „gw-Beiträge Anstoß“):

Es sind nicht nur Dicke, die beim Wählen zuletzt genommen werden. Ich war schlank und wurde manchmal gar nicht genommen. Seitdem hasse ich ungerade Zahlen.

Schlaftrunkene Leser könnten rätseln: Was hat das mit ungeraden Zahlen zu tun? Werden Sie wach, dann macht es Klick!

 

Veröffentlicht von gw am 7. Februar 2016 .
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