Archiv für Februar 2016

Ohne weitere Worte (vom 1. März)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
*****
Leicester City spielte lange keine Rolle im englischen Fußball. Dann wurden die Gebeine von Richard III. unter einem Parkplatz entdeckt (Anrisstext in der Süddeutschen Zeitung zu einem Seite-3-Text von Christian Zaschke)
*
2010 wurde der Klub von einem thailändischen Geschäftsmann mit dem im Englischen nicht ganz leicht auszusprechenden Namen Vichai Srivaddhanaprabha gekauft. (…) Mit dem neuen (…) Boss kamen auch buddhistische Mönche nach Leicester. Sie segneten die Tribünen und (…) auch den Rasen. Im ganzen Stadion hängen heute buddhistische Fahnen – außer über dem Gästeblock. Auch in der Heimkabine haben die Mönche Zeichen hinterlassen, die die Spieler mit Energie und Gelassenheit erfüllen sollen. (Zaschke in der SZ über weitere Erfolgsgeheimnisse des Sensations-Tabellenführers)
*
Beide (Tore von Thomas Müller gegen Darmstadt) folgten demselben Grundmuster, der schnellstmöglichen Verwertung einer in nicht idealer Höhe ankommenden Flanke unter extremer Raum- und Zeitknappheit. (…) Besonders das zweite, bei dem Müller den Ball in Schräglage annahm und dann im Rückwärtsfallen mit hochgeworfenem Storchenbein in den Torwinkel lenkte, wäre einen Eintrag ins persönliche Poesiealbum jedes Fußballers wert. (Christian Eichler in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
*
Eine Unio mystica aus Grazie und Eckigkeit, Zauberei und Zufall. (Kay Sokolowsky in der der taz zum Müller-Tor)
*
Gegen Darmstadt 98 hat Thomas Müller den Rückplumpszieher erfunden. In einem seiner spontanen Karl-Valentin-Anfälle hat er sich Vidals Vorlage mit der Brust selbst vorgelegt, und dann hat er sich nach hinten fallen lassen und den Ball, selbstverständlich ohne korrekte Scherenbewegung, aufs Tor gemüllert. (Christof Kneer in der SZ)
*
Mario Mandzukic (…) brettert über die linke Flanke, als wolle er den FCB allein in Grund und Boden stampfen. (…) Der 29-Jährige weckte Juve mit Punkrock aus dem Wachkoma. (O. Birkner im Kicker)
*
Der finstere Ganovenblick aus halb geschlossenen Augen verlieh ihm den Ausdruck einer gewissen Humorlosigkeit – und so spielte er auch Fußball. Der bulgarische Nationalspieler war in den Neunzigerjahren der Inbegriff des eisenharten Verteidigers. Es war eine Zeit, in der die Spieler noch nicht dauernd ihren Körperfettanteil messen mussten und ein kleines Fitnessdefizit kein Grund war, mit dem Rauchen aufzuhören. (aus einem Spiegel-Nachruf auf Trifon Iwanow)
*
»Sat.1 hat (…) in den ersten zwei Runden die Anzahl der (…) Treffer noch eingeblendet. Doch nachdem die Wertungen jedes Mal zugunsten des Russen ausfielen, haben sie das eingestellt. Da sagte wohl die Programmdirektion, wir können nicht immer zeigen, dass der Russe mehr trifft.« (Ex-Boxkommentator Werner Schneyder im Welt-Interview zum peinlichen Punktsieg von Felix Sturm trotz 184:297 Treffern)
*
Die Strapazen des Hochleistungssports scheinen unserem Tennis-Ass Andrea Petkovic (28) auf den Magen zu schlagen. Zuletzt musste sie sich übergeben – vor ihrem Laptop sitzend. Dann versuchte sie, ihren Computer zu reinigen. Unter der Dusche. Der ist jetzt kaputt. (aus der Bild-Rubrik »Verlierer«)
*
Er ist halb Clown, halb Politiker und scheint über jede Regel des Anstands erhaben. Er zeugt uneheliche Kinder (…), er braucht ständig Geld, er hilft kriminellen Freunden, er bezeichnet Beachvolleyballerinnen als »glitzernde, nasse Otter«, Terroristen als »Wichser, heftige Onanisten, die es nicht mit Mädchen schaffen«, brüllt Taxifahrern schon mal nachts vom Fahrrad aus zu, sie sollten »sich verpissen und sterben«. (Eva Ladipo in der Welt über Londons Bürgermeister Boris Johnson)
*
Sie treten oft vor Managern auf. Verstehen die Humor? – Da gibt es große Unterschiede. (…) Am lustigsten ist es allerdings im Mittelstand. In den familiengeführten Betrieben gibt es so viele Freaks und durchgeknallte Typen, die Weltmarktführer für Betonpumpen oder Hundeleinen sind, das ist faszinierend!« (der Komiker Vince Ebert im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
*
Gibt es Schönheit ohne Intelligenz? – »Ja, aber nur von 14 bis 19. Dann zerbrechen Dummheit und Unverständnis die Schönheit.« (die Fotografin Elfie Semotan im SZ-Magazin)
(gw)
*
(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 29. Februar 2016 .
Abgelegt unter: gw-Beiträge Anstoß | Kommentare deaktiviert

Dr. Sylvia Börgens: Schalttag

Geben Sie zu, dass Sie damit kokettieren, über den Schalttag nicht Bescheid zu wissen ;-) Die Länge unseres Erdjahres ist ungefähr 365,25 Tage, deshalb muss alle vier Jahre der dann aufgelaufene ganze Tag eingeschoben werden.

Weil in Wahrheit das Erdjahr etwas weniger lang ist, lässt man gelegentlich/selten Schalttage ausfallen. Mehr muss man nicht wissen. Die exakten Regeln stehen z.B. hier: http://www.nationalgeographic.de/aktuelles/wissenswert-woher-weiss-man-dass-das-jahr-365-tage-hat

Schönen Sonntag und schönen Schalttag. (Dr. Sylvia Börgens/Wölfersheim)

Veröffentlicht von gw am 28. Februar 2016 .
Abgelegt unter: Mailbox | Kommentare deaktiviert

Montagsthemen (vom 29. Februar)

Topthema der letzten Tage, vor Syrien und den Flüchtlingen, im Fernsehen sogar noch vor Rodeln: der neu gekrönte Infant der Fifa und was nun alles besser wird. Ist die Vermutung gestattet, dass alles bleibt, wie es war? Jedenfalls alles, was am Sport wesentlich ist, also unter- bzw. außerhalb seiner Nomenklatura?
*
Montagsthematisch bleibt nur die Randnotiz, dass Blatter mit seinem von ihm favorisierten Nachfolger erst kürzlich beim Glühwein zusammen saß und dass Infantino die Wahl auch mit dem sportlich absurden, aber stimmlich stimmigen Plan gewonnen hat, die WM auf 40 Teilnehmer aufzublähen.
*
Sie saßen beim Glühwein zusammen? Blatter behauptet es. Auch das glaube ich ihm nicht. Zusammen »gesessen«? Mit Glühwein? Na ja, in der Schweiz scheint mittlerweile alles möglich. Auch sprachlich. »Ausschaffungsinitiative«, welch ein apartes Schwyzerdütsch. Sollte Blatter nicht in die USA »ausgeschafft« werden?
*
Kleiner Scherz. Entschuldigung. Kein Scherz, dass der samstägliche Bundesliga-Spiel»tag« diesmal mehrheitlich davor und vor allem danach stattfand. Zur Strafe bleibt diese Kolumne heute fußballspielfrei. – Entschuldigung? Auch so ein sprachliches (Un-)Ding. Als Aussage anmaßend, da man um Entschuldigung nur bitten und sie nicht behauptend vorweg nehmen kann. Ich bitte daher auch um Entschuldigung, dass ich geflunkert habe. Fußball bleibt nicht zur Strafe außen vor, sondern weil »meine« beiden Topspiele (Eintracht und Klopp-Finale) erst abgepfiffen wurden, als diese Kolumne schon längst geschrieben sein musste.
*
Jetzt aber zu dem, was am Sport unter- bzw. außerhalb seiner Nomenklatura wesentlich ist. Welche Freude, Julian Reus und vor allem Tatjana Pinto sprinten zu sehen! Überhaupt machte es Spaß, diesen in die Nische Eurosport abgeschobenen Sport wieder einmal in voller Länge zu genießen (mit den öffentlich-rechtlichen Rodeljunkies müsste man in diesem Zusammenhang einmal richtig Schlitten fahren!). Als Tatjana Pinto fassungslos weinte, steckte auch dem Zuschauer ein Kloß in der Kehle. Welch eine Geschichte! Mutter tot, Vater unter Mordverdacht, Sport als Therapiehilfe für das Unverkraftbare, und jetzt diese sensationelle Zeit.
*
Apropos Zeit: Pinto und Reus sind saubere Athleten einer neuen Generation. Den latenten Zweifel an allen außergewöhnlichen Leistungen sollten wir einmal vergessen, denn er ist ein Sargnagel des Sports. Vergessen sollte man aber auch die ständigen Forderungen, die Rekorde früherer Jahre zu annullieren. Reus brach einen alten DDR-Rekord, Pinto kam sogar Marita Koch nahe, der Personifizierung des Problems. Womöglich wackelt demnächst der Drechsler-Rekord im Weitsprung oder durch David Storl sogar der Kugelstoß-Weltrekord – eine Annullierung früherer Rekorde brächte logischerweise auch neue in Verdacht.
*
Unterhalb der Rekord-Aufmerksamkeit gab es bei den Hallenmeisterschaften erfreulich viele persönliche Bestleistungen junger Athleten. Diese sind unterhalb der öffentlichen Wahrnehmung der Kern der Leichtathletik, in der es viel weniger um den Kampf Mann gegen Mann geht als um den Kampf man gegen sich selbst. Wo sonst als in der Leichtathletik sieht man enttäuschte Sieger und jubelnde »Verlierer«?
*
Jedenfalls nie im Boxen oder beim Tennis, da geht es nur um »Mann gegen Mann«, auch bei den Frauen. Ein anderer Unterschied hat sich erst in den letzten Jahren entwickelt. In der Leichtathletik mischen die jungen Talente immer früher in der Spitzenklasse mit, was im Boxen trotz PR-Kampagne (Feigenbutz!) nicht funktioniert und im Tennis die Ausnahme bleibt.
*
Und da kommt dann doch wieder der Fußball ins Spiel, in dem die Profis immer jünger werden, viel auffälliger noch als in der Leichtathletik. Bald herrschen in der Bundesliga Verhältnisse wie im Kunstturnen der »Frauen«, auch was die Verweildauer im Sport betrifft. Im Tennis dagegen gilt Alexander Zwerev mit seinen 18 Jahren als große Ausnahme, wenn er jetzt im Daviscup debütiert. Warum ist das hier so und dort anders? Na ja, das muss man die ganz Schlauen fragen, nicht mich. Wie alt war eigentlich der siebzehnjährigste Leimener, als er in Wimbledon gewann? (gw)
*
(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 28. Februar 2016 .
Abgelegt unter: gw-Beiträge Anstoß | Kommentare deaktiviert

Sonntag, 28. Februar, 6.35 Uhr

Ich habe oft erlebt, wie meine Weggefährten zu Schmieröllieferanten jenes Rades wurden, dem sie einst in die Speichen greifen wollten.

Wäre ein schöner Satz für “Ungetwittert”, ist aber leider nicht von mir, sondern steht in meiner momentanen Lektüre: “Am Hang” von Markus Werner. Habe ich schon vor Jahren einmal zu lesen begonnen, aber aus irgendwelchen Gründen nicht beendet. Lese-Neustart, weil ich in einer Programmzeitschrift gesehen habe, dass das Buch verfilmt wurde und gesendet wird (wurde?). Aus Neugier wieder danach gegriffen und festgelesen. Kommt bei mir öfter vor: Ein Buch, einst vorschnell weggelegt, gefällt mir beim zweiten Versuch richtig gut. Warum? Keine Ahnung. Was aber auch oft vorkommt: Beim zweiten Versuch gebe ich nicht nach den ersten Seiten, sondern später auf.

Der Satz oben kommt auf Seite 30 vor (so weit bin ich immerhin schon wieder). Im Kontext:

Hat das Virus – welches auch immer – erst einmal alle befallen, darf man es nicht mehr Virus nennen. Am Anfang ja, am Anfang hat man jede Menge von Verbündeten. Je mehr der Strom aber anschwillt (…), um so mehr fallen um und hinein, und ich stehe belämmert am Ufer (…), und unsereins steht als verkalkter Sack  am Ufer (…), ich habe früh und oft erlebt, wie meine Weggefährten zu Schmieröllieferanten jenes Rades wurden, dem sie einst in die Speichen greifen wollten, und dabei war der damals herrschende Geist, den wir in unserer Frühlingszeit zu Recht als menschenverachtend empfanden, noch eine Spur humaner als der, dem sie sich später nicht nur anbequemten, sondern auf allerlei Posten zum Durchbruch verhalfen.

Sagt Herr Loos zu Herrn Clarin, das sind die beiden Protagonisten, die miteinander ins Gespräch kommen. Bin gespannt, wie es weitergeht.

Mit den “Montagsthemen” bin ich noch nicht ins Gespräch gekommen, auch das Warmschreiben im Blog inspiriert mich noch nicht, auch die Meldungen der Nacht nicht. “Protest im Puff” (wg. Prostituierten-Schutzgesetz), “Rekord bei Robbennachwuchs auf Helgoland” oder “Wie feiert man am 29. Februar Geburtstag?” – das alles bringt mich nicht weiter. Zumal ich nicht einmal weiß, obwohl schon x-mal nachgelesen und wieder vergessen, was genau es mit dem Schalttag auf sich hat. Gregorianischer Kalender usw., sicher, aber exakt erklären könnte ich es nicht.

Ein Thema hätte ich, aber das könnte ausufern: Im neuen “Spiegel” über Belinda Bencic gelesen und sofort an Jan Kristian Silva gedacht, der seit Jahren in der untersten Abteilung des Zettelkastens liegt. Manches muss eben reifen. Bencic wäre ein guter Anlass, darauf zurückzukommen. Aber nur, wenn ich es schaffe, die Sache in der Kolumne so zu komprimieren, dass sie nur ein Montagsthema von mehreren ist. Ansonsten demnächst als eigener “Anstoß”.

 

Veröffentlicht von gw am 28. Februar 2016 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert

Sport-Stammtisch (vom 27. Februar)

Als ich las, »Sexwale will sich für die Fifa-Präsidentschaft bewerben«, dachte ich: Liebe Kollegen, muss das nicht »wollen« heißen? Gestern traten aber nicht sechs Wale an, sondern nur fünf große Fische, und man muss sich die Namen auf der Zunge zergehen lassen: Jerome Champagne, Prinz Ali bin Al Hussein, Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa, Tokyo Sexwale und Gianni Infantino. Eine Gemeinsamkeit verbindet sie mit anderen Weltverbandsgrößen zwischen IAAF und IOC: Wer so weit kommt, kann kein Infantilo sein.
*
Schon gar nicht in Fifa und Uefa. Was Baum und Borke alias Blatter und Platini gelang, davon können andere Sportarten nur träumen: Im Fußball gab es noch keinen Doping-SuperGAU, obwohl die kritische Masse weit überschritten war. Fuentes, Real, Barca – was war da? Als der Fußball Unangenehmes noch elegant unter den Teppich kehren konnte, hatten Leichtathleten und Radsportler schon keine Besen mehr. Teppiche sowieso nicht, die wurden ihnen unter den Füßen weggezogen.
*
In dieser Woche gewann Diana Sujew im längsten 1500-Meter-Lauf der Geschichte eine EM-Bronzemedaille. Gestartet wurde 2012 bei den Europameisterschaften in Helsinki. Nach rund vier Minuten lag Sujew an sechster Stelle. Wie üblich gab es eine voreilige Siegerehrung, verbunden mit Ruhm, Medaillen und – in dieser Disziplin bescheidenem – Wohlstand. Im weiteren Rennverlauf schieden die beiden Führenden im vergangenen Jahr aus, an diesem Donnerstag folgte die Dritte, ebenfalls nachträglich dopingdisqualifiziert, so dass Diana Sujew nun Bronze bekommt, was leider nicht mehr mit den genannten angenehmen Begleitumständen verbunden ist. Aber noch ist das Rennen nicht zu Ende, vielleicht winkt ihr in einigen Jahren ja noch Gold.
*
Da im Zeitalter des Doping-Designs nur die Dummen erwischt werden, also die Unterprivilegierten ohne die notwendigen Verbindungen, und da die am lauthalsesten auf die Erwischten Schimpfenden oft genug zu den privilegierten Cleveren gehören, wirken »Erfolge« im Kampf gegen Doping wie Augenwischerei für das naive Publikum. Man stelle sich bloß vor, der Fußball-Europameister 2016 würde erst vier Jahre nach dem Finale bekannt, und das womöglich auch nur vorläufig – nein, unvorstellbar. Auch dank guter, besenreiner Arbeit im Hintergrund.
*
Anderes unschönes Thema: Eintracht Frankfurt und Armin Veh. Egal, wie die Sache enden mag: Beide sind aneinander gescheitert, sogar mit (meiner) Ansage. Heribert Bruchhagen dementiert zwar, die Trennung nach dieser Saison sei bereits beschlossen, doch klingt die übliche Sprachblase (»reine Spekulation«) eher wie eine verkappte Bestätigung. Vielleicht bezieht sich Bruchhagens Dementi aber auch nur auf die Zeitangabe »nach dieser Saison«.
*
Meine frühe Ansage war: Dass Veh nach diesem vergifteten Abschied zurückkehrt, ist ein großes Handicap, hinzu kommt, dass Veh lieber und besser im Sonnenschein als im Schlamassel arbeitet. Und Schlamassel ist in Frankfurt garantiert.
*
Aber für diese penetrante Besserwisserei bestrafe ich mich selbst, indem ich eine andere Ansage in Erinnerung bringe: »Nun hat Schalke einen kleinen Klopp. Breitenreiter und Schalke, das passt. Schalke wird jener Klub der Saison, der zuletzt Gladbach und davor der BVB war. Bei Gelegenheit werde ich als Prophet wieder auftauchen oder zur Belustigung freigegeben.« Geschrieben im Juni 2015. Hiermit zur Belustigung freigegeben.
*
Auch bei den Fifa-Namen, die man sich auf der Zunge zergehen lassen soll, hätte ich mir besser auf dieselbe gebissen. Anderswo lässt man sich Namen wie Blatter, Niersbach, Zwanziger und andere Schmidts und Müllers auf der Zunge zergehen. Da bin ich wohl in die eigene Rassismus-Falle getappt.
*
Immerhin nur getappt, nicht mit beiden Beinen gesprungen wie jener Anwalt, der im ersten Prozess rund um die Kölner Silvesternacht einen Zeugen überschwänglich lobte: »Ich finde es sehr schön, dass ausgerechnet Sie als Afghane geholfen haben«
*
»Ausgerechnet Sie als Afghane« – da bleibt nur die Wodka-Martini-Frage von James Bond: geschüttelt oder gerührt? Entweder es schüttelt (mich), oder man ist gerührt. Denn das, was eine dunkelhäutige deutsche Hochspringerin einmal als »positiven Rassismus« kritisiert hat, diese demonstrative Überfreundlichkeit, ist schließlich auch nur . . . Rassismus. Nach Gutsherrenart.
*
Geschüttelt oder gerührt? Die Antwort trennt nicht nur Wodka-Martini-Freunde, sondern eine ganze Nation. Aber das ist ein ganz anderes Thema . (gw)
*
(www.anstoss-gw.de  gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 26. Februar 2016 .
Abgelegt unter: gw-Beiträge Anstoß | Kommentare deaktiviert

Baumhausbeichte - Novelle