Archiv für Januar 2016

Sonntag, 17. Januar, 6.30 Uhr

Plötzlich weiß. Gestern vergeblich auf die Schneewalze mit sibirischen Temperaturen gewartet (wenn schon, denn schon), aber jetzt ist er da, der Schnee. Ein feiner weißer Teppich, vielleicht drei bis fünf Zentimeter. Noch jungfräulich. Der Streuwagen hat es noch nicht bis auf den Berg geschafft, der Mercedes (! – oder habe ich mich getäuscht, als ich ihn zuletzt im Morgengrauen sah?)  des FAS-Boten auch nicht. Sieht schön winterlich aus, man sieht nicht, wo der Bürgersteig ist, wo die Straße, wo der Parkplatz, wo das Feld, alles eingeebnet vom Schnee. Nur eine kleine, fast schon wieder eingeschneite Spur führt vom Burghang zur Katzenklappe. Da ist jemand rechtzeitig von der Jagd zurückgekehrt.

Problem: Soll ich schon rausgehen und Schnee schippen? Kurz nach halb sieben am Sonntag, das freut die Nachbarn. Oder bis nach KKKK warten? Oder erst vor den „Montagsthemen“? Noch ein Problem: Die FAS kommt meistens schon vor meinem ersten Augenaufschlag, hat also schon eine Stunde Verspätung. Ob sie rechtzeitig zu KKKK kommt? Ohne FAS wär’s nur die halbe Sonntagsfreude.

Den Meldungen der Nacht entnehme ich, dass morgen der Welttag des Schneemanns ist. Wirklich. Was es alles gibt. Außerdem, passend zum Wintereinbruch: Das Bürgerbündnis „Freie Friesen für freie Ftrände“ kämpft vor Gericht gegen die kostenpflichtige Strandbenutzung. Oben in Schillig. Dort, in Schillighörn, war ich als Kind zum ersten Mal auf großer Ferien-Zeltlagerfahrt. Unvergessen: Vor der Abfahrt Zählappell am Gießener Bahnhof. „Gerda Steines!?“ Rot im Gesicht wie in den Haaren hebt der kleine Gerhard das Händchen. Ein Brüller. Über unfreiwillige Komik lacht man nun mal mehr als über krampfhafte Stabrein-Gags. Oder haben Sie über die „Ftrände“ gelacht? Heißt natürlich „Freie Friesen für freie Strände“. Noch so eine Meldung, die zum Gag einladen tut (oder sollte ich die korrekte Form von einladen versuchen, obwohl ich im Moment schwanke, ob ich ein „t“ an das „läd“ hängen soll?): In Bremen hat ein Gutachten ergeben, dass der Geruch im Männerklo des Bremer Landtags nicht von einem defekten Klo kommt, sondern … ein Männerproblem sein muss. Volkes laute Stimme brüllt: Dass es in der Politik stinkt, wissen wir schon lange!

Tätä! Ich bevorzuge die leisere Form: Das Gutachten wurde 2012 in Auftrag gegeben und wird 2016 veröffentlicht.

Hurra! 6.54 Uhr, rotgelbe Lichtblitze nahen, der Streuwagen fährt vorbei. Dann gehe ich jetzt auch raus und schippe. Bis dann.

Ach ja, Fazit der Meldungen der Nacht:  Kein Selbstmordattentat, keine Geiselnahme. Immerhin.

Veröffentlicht von gw am 17. Januar 2016 .
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Donnerstag, 14. Januar, 9.35 Uhr

Danke für einige bemerkenswerte Zuschriften in der „Mailbox“. Mit dem (heute im Blatt) „Alphorn-Dilemma“ wollte ich vom alles beherrschenden Thema zum Sport zurück kommen. Als ich zum letzten Mal über eine gewisse Scheinheiligkeit unserer lupenreinen „Amateure“ schrieb, die sportliche und finanzielle Nachteile gegenüber den „Staatsamateuren“ des Ostens beklagten, wurde ich bei einer Athletentagung als „Nestbeschmutzer“ beschimpft, der „uns das Finanzamt auf den Hals jagt“. Denn damals kassierten die Spitzenathleten schon Gelder von Verein, Sporthilfe, Sportschuhfirmen (andere Sponsor-Firmen gab es allerdings noch kaum) sowie Meeting-Veranstaltern. Die Besten kamen monatlich auf stolze Summen im höheren einstelligen Tausenderbereich – unversteuert natürlich, da „Amateure“. Damals, das heißt: Ende 70er, Anfang 80er. Heute? Da fehlt mir der Einblick, und Vermutungen lasse ich lieber.

Das „andere“ Thema lässt niemanden los. Die Ansicht von Pfarrer Lenz (siehe „Mailbox“), mein letzter Blog-Eintrag klinge nach … (ich verweigere das Wort immer noch)  und nicht nach mir, trifft mich natürlich. Aus seiner Sicht verstehe ich ihn. Wer fest im christlichen Glauben verwurzelt ist und ihn lebt, kann wohl nicht anders. Wer so denkt und gleichzeitig – wichtiger (und seltener) noch – seinem Denken und Glauben gemäß handelt, hat meinen höchsten Respekt. Ich kann da leider nicht mithalten.

Ich denke an die vielen Millionen in aller Welt, die die Bilder vom beseelten Empfang am Münchner Hauptbahnhof gesehen und als Einladung aufgefasst haben (und das haben sie!). Wie viele von ihnen haben sich schon auf die Reise gemacht? Wie viele bereiten sie noch vor? Wie viele werden jämmerlich sterben, unbeachtet von der Weltöffentlichkeit und unseren offenen Herzen und Armen, weil sie schon längst gescheitert sind, bevor sie in die Boote steigen? Und zu Hause wartet die Großfamilie, die Tausende Euro gesammelt hat, vergeblich auf die Wundergaben aus dem fernen Schlaraffenland. Ein Jammer für Land und Leute dort, ein Elend für die meisten, die es schaffen, und ein erbärmlicher Tod für die, die es nicht schaffen. Hinter dem kleinen toten Jungen am Strand, der uns aufgewühlt hat, liegen außerhalb der Kameras Tausende, vielleicht Hunderttausende, vielleicht noch mehr  von ihnen, unbeachtet, unbekannt, unbetrauert.

Mephisto ist „ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“. Gibt es auch eine Kraft, die stets das Gute will und damit oft das Böse schafft?

 

Veröffentlicht von gw am 14. Januar 2016 .
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Ungetwittert

Soeben verbreiten die Nachrichtenagenturen eine aktuelle Meldung. Welche?

„Gutmensch ist das Unwort des Jahres“

oder:

„Gutmensch ist der Unmensch des Jahres“

????

Veröffentlicht von gw am 12. Januar 2016 .
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Dienstag, 12. Januar, 10.00 Uhr

Ich hatte vor, eine Kolumne für Donnerstag heute schon zu beginnen, da sie etwas kompliziert zu werden droht. Es geht um die Sportlerin des Jahres, ihren Anspruch an die Gesellschaft und um eine meiner ältesten „Anstoß“-Kolumnen überhaupt („Angebot und Nachfrage im Spitzensport“/1976!). Doch dann kamen mir aktuellere Gedanken dazwischen, gegen die jene für die Donnerstag-Kolumne die unkompliziertesten überhaupt sind. In der letzten Stunde habe ich versucht, sie zusammenzufassen und mit älteren Blog- und Blatt-Texten zu verbinden. Hier sind sie:

 

 

Die Flüchtlingsfrage (= Völkerwanderung) ist ein globales Problem, das in Deutschland provinziell diskutiert wird. Da ist die Polizei schuld oder der jeweilige politische Gegner, aber nie man selbst. Dass aber wir in Deutschland dieses globale Problem noch befeuert haben, will erst recht niemand erkennen.
Wir haben die Sache schlimmer gemacht, als sie schon ist, und versuchen nun,  da sie dadurch noch unbeherrschbarer wurde, unsere Nachbarn mit hinein zu ziehen. Kein Wunder, dass sie denken: Die spinnen, die Deutschen.
Es begann mit der kritiklosen, realitätsfremden, verblendeten Begeisterung über die »Arabellion«. Dazu die bereits in einem »Anstoß« im Jahr 2011  geäußerte Vermutung, dass »das Volk Mubarak weg haben will, aber noch nicht weiß, was es stattdessen will, aber sicher nicht das, was wir wollen, dass die Ägypter es wollen sollen«.
Das Elend nahm in und von Nordafrika aus seinen Verlauf, und »Elend« ist wörtlich zu nehmen. Das Wort kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet ursprünglich die bzw. das Fremde.
Aus Ländern wurden Pulverfässer, und viel von dem Pulver wurde zu uns geweht beziehungsweise von uns angesaugt. Wir importieren die Probleme anderer.
Noch so ein alter »Anstoß«-Satz: »Wir leben in zwei Zeitaltern, einem der Dekadenz und einem der Völkerwanderung; das eine wird das andere beenden.«
In der Dekadenz, die an sich nichts Schlimmes ist (so wie ich sie verstehe, als Über-Reife einer Kultur; Sparta zum Beispiel war nicht dekadent, sondern archaisch brutal – da lebe ich lieber in der Dekadenz), blüht doch noch etwas, nämlich die Gesinnungsethik. Die lässt uns alle Mühseligen und Beladenen und überhaupt alle, die nicht unseren Lebensstandard haben und zu uns kommen wollen, um unsere in Jahrzehnten erarbeiteten und in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen erkämpften sozialen Wohltaten mitzugenießen, in illusionärer christlicher Barmherzigkeit nicht nur willkommen heißen, sondern sogar auffordern, zu uns zu kommen – wir schaffen das! Die Verantwortungsethik verlangt aber eher australische Verhältnisse und ist, wenn man vom Ende her denkt, wie angeblich die Kanzlerin, barmherziger als der – wieder einmal – deutsche Sonderweg.
Dass jetzt das Pendel zurück schwingt und alle Flüchtlinge in einen Sack gesteckt werden, gehört ebenfalls zu den deutschen Spezialitäten, die die Welt nicht braucht: Entweder gehen wir beseelt in die Knie oder im furor teutonicus an die Kehle.
Australische Verhältnisse? Australien ist in seiner Historie nie durch Unmenschlichkeit auch nur annähernd so auffällig geworden wie wir. Es wäre ratsam, sich an dem Land ein Beispiel zu nehmen und nicht wieder die Welt an unserem Wesen genesen lassen zu wollen, einem Unwesen, das alle krank macht.
Die Australier haben mit ihrer konsequenten Weigerung, Bootsflüchtlinge an (ihr) Land zu lassen, verantwortungsethisch mehr Menschenleben gerettet als geopfert. Wir opfern gesinnungsethisch langfristig mehr Menschenleben, als wir im Mittelmeer kurzfristig retten.
Wir stehen in der   Pflicht, die Menschen, die schon bei uns sind, die Schlimmes erlebt haben und die sich hier nichts zu schulden kommen lassen, anständig zu behandeln und ihnen alle Chancen zu geben, sich in unserer Gesellschaft zu integrieren. Eine große Aufgabe. Sie kann, wenn überhaupt, nur gelingen, wenn wir weiteren Zuzug stoppen sowie jene fremde Un-Kultur, die sich gesellschaftsfeindlich und gesetzwidrig breit machen will, rechtsstaatlich korrekt behandeln und danach in ihr eigenes Elend zurückschicken.

 

Und was mache ich nun mit diesem Text? Als Solitär im Blog stehen lassen? Als Stein(es)bruch für Kolumnen nutzen? Versuchen, ihn komplett irgendwo außerhalb meines Einflussbereichs unterzubringen? Nein, ich glaube, das wäre vermessen. Ist schließlich auch nur eine Meinung von vielen. An meinem Wesen soll die Welt nicht genesen.

Veröffentlicht von gw am 12. Januar 2016 .
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Sonntag, 10. Januar, 6.35 Uhr

Ekelhaftes Schmuddelwetter. Nieselregen. Wenigstens kein Glatteis wie gestern Nacht, als der Hund in die Klinik musste. Magendrehung? Entwarnung. Diagnose: nur überfressen. Kotzspritze. Eine Stunde lang gewürgt. Am Schluss knapp zwei Kilo Kotzware im Eimer. Das arme Kerlchen. Wenn es nur wüsste, woran sein schreckliches Leiden lag, sie würde es nie mehr tun.  Das Hündchen ist nämlich eine Sie. Hat sich, wie bei der Spurensuche später festgestellt,  wie der mexikanische Drogenboss einen Tunnel gegraben, eine Röhre in einen dicken Futtersack.

Mein Kampf. Für, glaube ich, 58 Euro zu kaufen. Große Diskussion. Aber sicher nur unter denen, die den Schinken nicht zu lesen versucht haben. Im kargen Bücherregal meines Vaters stand neben einem Blitzkrieg-Panzerbuch (Titel vergessen, aber spannend) und „In Stahlgewittern“ (spannend, aber grässlich, gruselig) auch „Mein Kampf“. Unerträglich langweiliges Geseiere. Später, als mir bewusst wurde, was das Buch bedeutete, habe ich noch mehrmals versucht, darin zu lesen. Immer wieder gescheitert. Unlesbar. Wortwüste. Ich konnte mich, als junger Linker, nicht mal aufregen über diese verkrampfte, armselige Rumschwadroniererei eines offensichtlich Irrsinnigen. Man sollte, wie damals jedem Ehepaar (wie meinen Eltern), heute jedem Neonazi ein Exemplar schenken und ihn dazu verdonnern, das Zeugs von vorne bis hinten zu lesen, wer straffällig geworden ist, müsste zehn Seiten auswendig lernen. Es gäbe keine Neonazis mehr.

Manche wären froh, es gäbe keine Flüchtlinge mehr. Ich nicht. Nach der seltsamen Begrüßungsorgie schlägt das Pendel jetzt in die andere Richtung aus. So viele wie möglich so schnell wie möglich abschieben! Ungerechtigkeit Unschuldigen gegenüber, nachdem man zuvor unkontrolliert viele hereingelassen, ja hereingebeten hat, wobei von vornherein klar war, dass sich eine Un-Kultur von kleinkrimineller Unterschicht, Bandenunwesen und Terroristen die Einladung nicht zweimal sagen lassen würde. Leidtragende sind Migranten, die schon lange hier sind, sich zu integrieren versuchen oder es bereits sind, und die jetzt unter dem Wahnsinn leiden, den die Politik angerichtet hat.

Erst auch die Un-Kultur einladen, dann überrascht sein, dass sie ist, wie sie ist, und nun am liebsten alles abschieben, was sich abschieben lässt. Das werden oft genug die Falschen sein bzw. die Richtigen, die unser Land brauchen könnte.

Der Mob der Un-Kultur ist clever und  flexibel genug, um Abschiebung weniger fürchten zu müssen als zum Beispiel eine integrationswillige Familie mit Schulkindern.

Am schlimmsten wird es für Kinder, die hier zur Schule gehen, gut integriert sind, das Land lieben und deutscher sind als mancher deutsche Hartzvierer, jetzt aber mehr denn je von Abschiebung bedroht sind.

Die Sache ist von Grund auf schiefgelaufen.

Wir schaffen das nicht.

Um mich von düsteren Gedanken abzulenken, blättere ich online meine abonnierte Griechenland-Zeitung durch (65 Euro im Jahr, sehr zu empfehlen). Aber da plumpse ich sofort in die Fallgrube einer zweiten Baustelle, die fast in Vergessenheit geraten ist.  Zwei Meldungen, die verblüffen: Die griechischen Bürger schulden dem Fiskus 85,5 Milliarden Euro, das ist mehr als ein Viertel der gesamten Staatsverschuldung. Würden alle ihre Steuern zahlen bzw. nachzahlen, wäre die Staatsverschuldung fast vorbildlich niedrig. 85,5 Milliarden – das ist ja mehr, als wir bisher rübergeschoben haben, oder? Aber statt einzutreiben, hat die neue Regierung im Oktober beschlossen, dass Steuerschulden bis 100 000 Euro nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden.

Noch mehr aber verblüfft die zweite Meldung: Ein städtischer Beamter in Ioannina hat aus dem Stadtsäckel 1,3 Millionen Euro für sich abgezweigt. Er ist verurteilt worden. Raten Sie mal: Ein Tag Arrest? Ein Jahr mit Bewährung? Zwei ohne? Sie werden es nicht glauben: LEBENSLÄNGLICH!

Werde mal einer schlau aus den Griechen.

Schluss mit Blog, Montagsthemen anpacken. Leider wohl ohne Geblogtes, passt nicht in die Sportkolumne. Oder? Schaun mehr mal.

 

Veröffentlicht von gw am 10. Januar 2016 .
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