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Norbert Fisch: Net stumbe!

Die Geschichte mit dem T-Shirt (Sport-Stammtisch vom 30.01.) darf noch ein wenig vertieft werden, und auch die Assoziation mit dem Englischen ist nicht ganz so weit her geholt und auch nicht ganz so neu. »net stumbe« war nämlich Titel einer LP der hessischen Gruppe Flatsch! und mit diesem T-Shirt wurde sie wohl beworben. Flatsch! war eine dieser erfreulichen Nachgeburten der Neuen Deutsche Welle bei der man auch im Hessenland auf regionale, deutsch gesungenen Texte aufmerksam wurde. Neben Flatsch! gab es da noch so illustre Gruppen wie Hob Goblin, die Straßenjungs (am Bass der nicht ganz unbekannte Jörg Bombach), Crackers oder die Rodgau Monotones, die sich als einzige so richtig durchsetzen konnten und die auch heute noch für Lärm sorgen, obwohl einige Mitglieder schon in einem Alter sind, in dem so mancher gern an den (Vor-)ruhestand denkt.

Der musikalische Kern von Flatsch! bestand aus dem Allroundmusiker Olaf Mill und dem mittlerweile eher unter 50% von Badesalz bekannten Gerd Knebel, dessen wahres Geburtsjahr auch bei gründlicher Internetrecherche geheimnisumwoben ist, der aber in diesen 80ern schon die Frisur von heute trug. Flatsch! darf gerne als urhessisch bezeichnet werden, mit »Was mer hat des hat mer« haben sie doch ein wesentliches Prinzip unseres Volksstammes vertont und auf ihrer dritten Scheibe (eben jene, die auch unter »net stumbe« bekannt ist) hatten sie so Klassiker wie »Badekapp«, »Der Wunderheiler Sacro-Taan«, das umweltpolitische Menetekel von der Tannenbaum-Peepshow und die »Bilder aus Hessen«.

Und was »net stumbe« jetzt mit dem englischen zu tun hat? Es dürfte auch in einer Ihrer Kolumnen gewesen sein (oder lese ich noch andere? – jedenfalls hab ich’s aus der WZ), da wurde von einer englischsprachigen Band berichtet (meines Erachtens war das eine von diesen »Gnadenbrot-Combos«, bei denen nur noch der Name und ein ehemaliges Mitglied, das sich die Rechte daran gesichert hat, an die ursprüngliche Band erinnert), die es auch mal in den Großraum Butzbach verschlagen hat und die auf einem Dorfjubiläum oder einem Feuerwehrfest für Stimmung sorgten. Da der Name der Band nicht ganz unbekannt war, aber mir derzeit entfallen, gab es auch ein Interview mit der WZ und da hat sich eines der Mitglieder gefreut, dass in unserer Region so viel Englisch gesprochen wird und ebenso gewundert, dass vor allem Ältere Mitbürger dieser Sprache mächtig sind – bis sich herausgestellt hat, dass dies kein Englisch war, sondern der regionale Dialekt, der in einigen Regionen unserer Heimat durchaus auch mit dem Gälischen verwechselt werden kann.

Und so kann Leser Haaser beruhigt sein, dass »net stumbe« und die Verbindung zur englischen Sprache nicht so weit hergeholt ist. Immerhin sind es ja auch dem Hessen Ludwig von Battenberg, seines Zeichen Großvater von Prinz Philip, auf Umwegen gelungen, das englische Königshaus zu infiltrieren.

So ist das nunmal mit all diesem unnützen Wissen, es sammelt sich im Lauf der Jahre an und man muss dem Herrn danken (in diesem Fall Herrn Haaser), wenn man es endlich mal rauslassen kann. Vielleicht möchten sie dies ja an ihn weiterleiten.

Apropos »Herrn« – die Rückkehr des Messias hätte in der WZ ruhig etwas mehr Platz verdient gehabt. Ist bei Ihnen auch untergegangen? Am 30.01. auf Seite 33, kleiner Artikel unter dem Bericht übers Hessenquiz. «»Tierquäler« entpuppt sich als Erlöser«. Hätt ich von ihm nicht gedacht, aber wenn’s in der Zeitung steht, stimmt’s doch, oder? (Norbert Fisch)

Baumhausbeichte - Novelle