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Montagsthemen (vom 1. Februar)

»@AngeliqueKerber Jaaaa! I werd narrisch! Du bist der Wahnsinn!!! Glückwunsch!!! Ganz@sportDland ist stolz auf dich!!!«
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Welch ein Wochenende. Den Satz kann ich  leider nur mit einem schnöden Punkt beenden, denn die Sport-Prominenz von Felix Loch (siehe oben)  bis Dirk Nowitzki hat schon alle verfügbaren Ausrufezeichen vertwittert.
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Angelique Kerber scheint über den aktuellen sportlichen Erfolg hinaus das gewisse Etwas zu haben, dessen Strahlkraft über den stolzen Tag hinaus reicht. Nicht vergessen sollte man aber auch die beiden Verliererinnen, die diesen historischen Triumph erst mitermöglicht haben: die scheinbar unbezwingbare Serena Williams, die auch in der Niederlage Größe bewies, und Misaki Doi, die in Runde eins einen Matchball gegen Kerber vergab. Nirgendwo wird der schmale Grat zwischen Blamage und Triumph deutlicher als im Sport. Das lehrt Demut.
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Während der Handball-EM gab es eine kleine Irritation, als bekannt wurde, dass unsere großartigen Jungs starke Schlaftabletten bekamen, um nach einem aufregenden Match einschlafen zu können. Die Unsicherheit erinnert an die Handball-Europameister von 2004, die zwischen ihren Spielen »stundenlang am Tropf hingen, so kaputt waren wir«, wie Christian Schwarzer seinerzeit im Sport-Studio einem Rudi Cerne verriet, der alarmiert zusammenzuckte, die ihm sehr verdächtig scheinende Angelegenheit aber lieber überschwieg. Allen Verunsicherten sei daher die simple, aber einzig richtige Defininition versichert: Doping ist das, was auf der Dopingliste steht. Entwarnung also.
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Entwarnung auch bei einer anderen Europameisterschaft, von der ein »Skandal« gemeldet wurde, ein riesiger »Eklat«, der seinesgleichen sucht. Letzteres stimmt sogar, denn obwohl ich seit vielen Jahren die schlimmsten Schoten aus dem Funktionärs-Absurdistan sammele, habe ich noch nie solch eine aberwitzige gefunden wie … O-Ton dpa: »Weil Weinzierl nicht zu einer späten Mannschaftssitzung erschien, nahm die Deutsche Eislauf-Union ihr die Teamkleidung weg. Es soll nicht der erste Vorfall um die Studentin gewesen sein. Weinzierl erschien am Mittwoch in ihrer Trainingsjacke von Sotschi.«
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Ist es die Möglichkeit? Die Läuferin hatte sich, weil sie schon früh an den Start musste, beim Trainerstab, aber nicht bei der Mannschaftsleitung abgemeldet. Und die »nahm ihr die Teamkleidung weg« (wenn ich noch Ausrufezeichen hätte, würde ich sie jetzt verschwenderisch einstreuen). Und es war »nicht der erste Vorfall«. Und sie musste »ihre Trainingsjacke von Sotschi« anziehen. Ist das nicht unglaublich (Fragezeichen habe ich noch genug:) ????
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Kaum glaublich auch, dass eine der Favoritinnen bei der Cross-WM wegen Betrugs disqualifiziert wurde – sie fuhr mit verstecktem Akku-Antrieb. Was bei einem Zeitfahr-Ass einmal rufschädigend nur gemunkelt wurde, gibt es also tatsächlich. Ob ich mal bei einem Seniorenrennen mit meinem Pedelec starten sollte?
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Nee. Da bin ich doch zu sehr Sportler im Geiste von Timo Boll. Er spricht im »FAS«-Interview von einem Gegner, der unbemerkt vom Schiedsrichter »nur unkorrekte Aufschläge machte, indem er den Ball mit dem Körper verdeckte«. Da er am nächsten Wochenende wieder auf ihn treffen würde, studierte Boll »einen Aufschlag ein, der noch viel falscher und gemeiner als seine waren«. Und was machte er im Match? »Ich habe den Aufschlag nicht eingesetzt, ich konnte einfach nicht.« – Ganz groß zu sein, das geht auch mit dem kleinen Schläger.
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Wenn Fußball-Profis nicht nur per Twitter Sportler wie Timo Boll oder aktuell unsere tollen Handballer und Angelique Kerber feierten, sondern sich auch ein Beispiel an ihnen nähmen, käme es nicht zu verräterischen Aussagen wie von Ingolstadts Matip und Dortmunds Hummels. Dass das (Abseits-)Tor von Aubameyang auf der Videoleinwand gezeigt wurde, »so viel Dummheit muss eigentlich bestraft werden« (Matip), was für Hummels »absolut nachvollziehbar« ist, denn wenn »die Heimmannschaft den Fehler macht, es auf der Videoleinwand einzublenden, dann ist das doppelt und dreifach ärgerlich«. Ich bin gespannt, ob heute irgendein Medium auf diese Unsportlichkeit eingeht. Ich bezweifle es, denn sie passt zu genau in das allseits akzeptierte Unfairness-Repertoire des Zeitschindens, Verletzungsmimens, Schwalbenbetrügens und Nieetwaszugebens, kurz gefasst im Fußballer-Motto: Wem das Tor nicht die Mittel heiligt, ist selbst ein Tor.
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Und da wäre dann noch der Alarm der Weltgesundheitsorganisation: »41 Millionen kleine Kinder sind zu dick.« Oder sind die dicken Kinder nur zu klein? Aber nicht der Kalauer ist die Lösung des Problems, sondern  diese Losung, für die ich das letzte verbliebene Ausrufezeichen aufgespart habe: Treibt Sport! (gw)
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(www.anstoss-gw.de  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle