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Sonntag, 17. Januar, 12.00 Uhr

High Noon. Straßen sind frei, Sonne scheint, ich bin fertig.

Das Antanzen hat sich doch noch in die Montagsthemen geschlichen, ich hoffe auf Narrenfreiheit des Wiederholungstäters.

Im Arbeitszimmer eingesperrt (vor der Tür wird geputzt), vertreibe ich mir die Zeit mit einer Jacko-Gill-Suche. In Neuseeland beginnt die Freiluftsaison. Das Wunderkind, das mit 16 knapp die 5-kg-Kugel vierundzwanzigeinhalb Meter weit stieß (unfassbar, unfassbar!) und wahnwitzige Trainingsvideos ins Netz stellte, startet als Twen – wie alt ist er? 21? 22? - mit fast sogar für mich alltäglichen 19,86 in die Saison. Was ist da bloß schief gelaufen? Selbst in der neuseeländischen Online-Zeitung nur eine Randnotiz.

Antanzen. Ich sollte versuchen, mein Gefühl so sachlich wie möglich zu untersuchen und dann nüchtern zu definieren und auszudrücken, dass die Schweinereien von Köln (und Hamburg, und und)  nicht das Grundproblem  sind, sondern aktuelle Nebenerscheinungen. Und dass das Kernproblem wenig mit bürokratischen Schubladen wie Ausländer, Migrant, Flüchtling, Asylant, Geduldeter, Abgelehnter usw. zu tun hat, auch nicht ursächlich mit einer anderen Kultur und einem anderen Frauenbild, sondern schlicht und einfach mit dem Horror der Zahl, mit der uns überrollenden Quantität. Wäre diese überschaubar, gesteuert und auf machbarem Niveau gehalten, könnte unsere Gesellschaft  mit den Problemen menschenmöglichst fertig werden. Auch durch eine Polizei, die nicht von PC enteiert wäre und konsequent für das sorgen könnte, wozu sie da ist: Recht und Odnung, vor allem auch für die Schwächeren. So wie jetzt aber geht es nicht. Unmöglich. Übrigens nicht erst seit Sommer 2015, sondern schon vorher, als klar war, was kommen würde und schon in unserer Gesellschaft  festzustellen war, unabhängig von Herkunft (Stichwort: unbehauste, abgekoppelte, abgestumpfte Unterschicht, sei sie migrantisch oder “deutsch”; auch viele der toitschen Dumpfbacken gehören dazu). Vor einigen Jahren habe ich in einer Kolumne über die “innere Verwahrlosung” geschrieben. Muss ich mir noch mal anschauen. – Aber kann ich das unüberlegt und unkorrigiert aus dem Bauch heraus Geschriebene gedanklich und schreiberisch über das Niveau einer bloßen Blog-Suada heben? Ich fürchte, nein.

 

Baumhausbeichte - Novelle