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Montagsthemen (vom 18. Januar)

Sonntag, sechs Uhr. Alles weiß. Endlich Winter. Noch zu früh für den Streuwagen, aber nicht für den Boten mit der Sonntagszeitung, die schon im Briefkasten liegt. Bravo! Mit dieser Arbeitseinstellung kann Deutschland nicht untergehen. So früh angetanzt! Vielleicht hat der Bote sogar nordafrikanische Wurzeln.
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Entschuldigung. Keine Scherze mit der Flüchtlingsfrage! So kontrovers wird nur noch die Reif-Frage diskutiert: Ist Marcel R. intelligent, sachverständig, umfassend gebildet, sprachlich auf höchstem Niveau und einfach der Beste? Oder selbstgefällig, überheblich, abgehoben, einfach ein arroganter Pinsel? Gegenfrage: Wieso oder? Ich beantworte beide Fragen mit einem Ja.
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Reif verlässt Sky. Um endlich mal ein WM-Endspiel kommentieren zu können? Einst saß ich im Waldstadion neben Dieter Kürten und seinem Begleiter. Welches Spiel? Weiß nicht mehr. Jedenfalls gegen die Bayern. Matthäus schoss ein Tor volley aus mindestens hundert Metern. Mein Bub war noch klein, kannte aber schon Kürten. Ließ sich ein Autogramm geben. Ich riet ihm: Geh noch zu dem anderen, der wird mal der Beste. Seitdem hat er auch ein Autogramm von Reif.
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Der ist vielleicht reif für die Öffentlich-Rechtlichen, aber gewiss nie für den Dschungel. No-Go-Area für Feinfühlige, denn dort regieren die Legats. Auch bei diesem Namen darf die Eintracht nicht fehlen. Legat spielte früher Fußball, wie er heute spricht. Nie sollte man vergessen, dass Jupp Heynckes einst in Frankfurt den Legat-Fußball blinder Berserkerei zum Nonplusultra erhob. Na ja, verjährt. Heynckes ist längst resozialisiert.
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Fällt eigentlich nur mir auf, dass Marcel Reif physiognomisch von Jahr zu Jahr mehr wie ein Klon von Joschka Fischer wirkt? Und dass selbst ein sprachempfindsamer Plattheitenvermeider wie er immer öfter nichtssagende Statistiken aufsagt? Kreativitäts- und gedankenhemmender Überdruss eines in die langweiligen Jahre der Routine Gekommenen?
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Dennoch, auch wenn ihm Niki Laudas Überdruss am Im-Kreis-Herumfahren anzumerken ist, bleibt er unerreicht. Zuletzt glich ein dicker Pluspunkt einige kleine Minuspunkte aus, als er genüsslich den Tweet eines Hassers zitierte: »Noch unnötiger als Marcel Reif ist nur der Pimmel vom Papst.«
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Reifs Kollegin Katrin Müller-Hohenstein wird im SZ-Interview gefragt, ob sie »gerne mal ein Endspiel bei einer EM oder WM live kommentieren« möchte. »Auf keinen Fall«, wehrt sie ab, »das ist die ganz große Kunst. Sie müssen ein Spiel lesen, analysieren, kommentieren, alles zur gleichen Zeit, nicht zu viel und nicht zu wenig sagen.« Eben wie ein Reif in Bestform.
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KMH gehört auch geschlechtsunabhängig zu den Besseren des Moderatoren-Metiers. In der ewigen Frauen-Rangliste steht sie ebenfalls weit oben, hinter der unerreicht führenden Monica Lierhaus. Überhaupt fallen im Fußball immer häufiger Frauen positiv auf, ob am Mikro (Jessica Kastrop) oder an der Pfeife (Bibiana Steinhaus).
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Um nicht in den peinlichen Verdacht des genderbeflissenen Einschleimens zu geraten: Vor allem bei Sky, das die Frauen quotenfördert, dringen auch immer öfter messerscharfe weibliche Stimmen ins Ohr. Was nicht sexistisch, sondern sägistisch ist, denn sie sägen sich nervtötend penetrant in den Gehörgang, im immer gleichen Tonfall, wie sprachprogrammierte Roboter. Als ob sie besonders männlich-forsch wirken möchten. Das habt ihr doch gar nicht nötig!
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Mann vs. Frau, das ewige Gesellschaftsspiel. Nigel Short, englischer Schach-Großmeister, behauptet forsch, Männer seien die besseren Schachspieler, weil die Gehirne von Männern und Frauen unterschiedlich funktionierten. Zum Beweis trat er jetzt simultan gegen 20 Frauen an und gewann alle Partien. Würde ich auch. Ich müsste nur 20 Frauen finden, die noch schlechter spielen als ich. Das allerdings könnte schwierig werden.
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Andersrum hat Gunter Gabriel keine Probleme. Legats Dschungel-Bruder im Geiste, der »Tausende Affären gehabt« hat, bekennt: »Meine Freundinnen müssen immer schlauer sein als ich. Ich ertrage keine doofen Frauen« (Quelle: »Bunte«, zitiert in der »FAS«).
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Erstaunlich ist nicht, dass seine Freundinnen schlauer sein müssen als er, denn das erleichtert die Suche ungemein. Aber dass er überhaupt eine findet! Sogar Tausende! Oder ist das nur die tausendfache Übertreibung der Kerben-am-Colt-Männlein?
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Schließlich noch: Ich lese, das Dschungelfernsehen sei »medialer Terror«. Kein guter Vergleich in unseren Zeiten. Denn diesem Terror kann sich jeder entziehen. Zapp, weg ist er. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle