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Donnerstag, 14. Januar, 9.35 Uhr

Danke für einige bemerkenswerte Zuschriften in der “Mailbox”. Mit dem (heute im Blatt) “Alphorn-Dilemma” wollte ich vom alles beherrschenden Thema zum Sport zurück kommen. Als ich zum letzten Mal über eine gewisse Scheinheiligkeit unserer lupenreinen “Amateure” schrieb, die sportliche und finanzielle Nachteile gegenüber den “Staatsamateuren” des Ostens beklagten, wurde ich bei einer Athletentagung als “Nestbeschmutzer” beschimpft, der “uns das Finanzamt auf den Hals jagt”. Denn damals kassierten die Spitzenathleten schon Gelder von Verein, Sporthilfe, Sportschuhfirmen (andere Sponsor-Firmen gab es allerdings noch kaum) sowie Meeting-Veranstaltern. Die Besten kamen monatlich auf stolze Summen im höheren einstelligen Tausenderbereich – unversteuert natürlich, da “Amateure”. Damals, das heißt: Ende 70er, Anfang 80er. Heute? Da fehlt mir der Einblick, und Vermutungen lasse ich lieber.

Das “andere” Thema lässt niemanden los. Die Ansicht von Pfarrer Lenz (siehe “Mailbox”), mein letzter Blog-Eintrag klinge nach … (ich verweigere das Wort immer noch)  und nicht nach mir, trifft mich natürlich. Aus seiner Sicht verstehe ich ihn. Wer fest im christlichen Glauben verwurzelt ist und ihn lebt, kann wohl nicht anders. Wer so denkt und gleichzeitig – wichtiger (und seltener) noch – seinem Denken und Glauben gemäß handelt, hat meinen höchsten Respekt. Ich kann da leider nicht mithalten.

Ich denke an die vielen Millionen in aller Welt, die die Bilder vom beseelten Empfang am Münchner Hauptbahnhof gesehen und als Einladung aufgefasst haben (und das haben sie!). Wie viele von ihnen haben sich schon auf die Reise gemacht? Wie viele bereiten sie noch vor? Wie viele werden jämmerlich sterben, unbeachtet von der Weltöffentlichkeit und unseren offenen Herzen und Armen, weil sie schon längst gescheitert sind, bevor sie in die Boote steigen? Und zu Hause wartet die Großfamilie, die Tausende Euro gesammelt hat, vergeblich auf die Wundergaben aus dem fernen Schlaraffenland. Ein Jammer für Land und Leute dort, ein Elend für die meisten, die es schaffen, und ein erbärmlicher Tod für die, die es nicht schaffen. Hinter dem kleinen toten Jungen am Strand, der uns aufgewühlt hat, liegen außerhalb der Kameras Tausende, vielleicht Hunderttausende, vielleicht noch mehr  von ihnen, unbeachtet, unbekannt, unbetrauert.

Mephisto ist “ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft”. Gibt es auch eine Kraft, die stets das Gute will und damit oft das Böse schafft?

 

Baumhausbeichte - Novelle