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Paul-Ulrich Lenz: Das passt zu Pegida, aber doch nicht zu Ihnen!

“Die lässt uns alle Mühseligen und Beladenen und überhaupt alle, die nicht unseren Lebensstandard haben und zu uns kommen wollen, um unsere in Jahrzehnten erarbeiteten und in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen erkämpften sozialen Wohltaten mitzugenießen, in illusionärer christlicher Barmherzigkeit nicht nur willkommen heißen, sondern sogar auffordern, zu uns zu kommen – wir schaffen das!”
Diesen Satz vom 12. 1. nehme ich Ihnen richtig übel. So albern darf man auch als Ruheständler nicht formulieren und Leuten absprechen, dass sie wissen, was sie tun. Ob die christliche Barmherzigkeit illusionär ist, wird Gott sei Dank nicht am Laptop entschieden.
Und es wird ja nicht wahrer durch ständige Wiederholung, auch Ihrerseits, dass irgendjemand die “Mühseligen und Beladenen” aufgefordert hätte, zu uns zu kommen.
Mich ärgert auch diese unterschwellige und unappetitliche Unterstellung: die kommen nur, um unseren, von uns hart erarbeiteten Wohlstand zu genießen. Das passt zu Pegida, aber doch nicht zu Ihnen! Weder Sie noch ich haben Wohlstandseinbußen durch deren Kommen zu befürchten.
Mir liegt allerdings daran, dass dieses Wort: “Her zu mir alle, die ihr mühseliig und beladen seid, ich will euch erquicken” bleibt, was ist es ist: die große Einladung Jesu – die gilt. Wirklich allen Mühseligenn und Beladenen.
Ich gestehe es ungern: Ihr Umgang mit der Flüchtlings-Frage irritiert mich sehr. Ich glaube, dass es eine Leitentscheidung geben muss, wenn man als Christ vom Glauben an das grundlose, unbegründete Erbarmen Gottes herkommt: “Erbarmen rechnet nicht, es rechnet sich auch nicht.” Oder mit Angela Merkel: wir schaffen das.
Zu dieser Leitentscheidung müssenn dann Umsetzungsschritte gefunden werden. Sorgfältig überlegt, organisatorisch durchdacht und gestaltet. auch den eigenen Kräften angemessen.
Ihre Polemik gegen die Grundentscheidung und der Versuch, die so anders denken als Sie als denkfaule Trottel oder illusionäre Träumer hinzustellen, ärgert mich.
Nichtsdestotrotz lese ich Sie. Immer wieder – auch gern. Aber manchmal mit viel innerem Widerspruch. Weil ich Sie auch widersprüchlich finde. Und Sie mir den Widerspruch wert sind. (Paul-Ulrich Lenz,  Pfr.i.R. / Schotten)

Baumhausbeichte - Novelle