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Dienstag, 12. Januar, 10.00 Uhr

Ich hatte vor, eine Kolumne für Donnerstag heute schon zu beginnen, da sie etwas kompliziert zu werden droht. Es geht um die Sportlerin des Jahres, ihren Anspruch an die Gesellschaft und um eine meiner ältesten “Anstoß”-Kolumnen überhaupt (“Angebot und Nachfrage im Spitzensport”/1976!). Doch dann kamen mir aktuellere Gedanken dazwischen, gegen die jene für die Donnerstag-Kolumne die unkompliziertesten überhaupt sind. In der letzten Stunde habe ich versucht, sie zusammenzufassen und mit älteren Blog- und Blatt-Texten zu verbinden. Hier sind sie:

 

 

Die Flüchtlingsfrage (= Völkerwanderung) ist ein globales Problem, das in Deutschland provinziell diskutiert wird. Da ist die Polizei schuld oder der jeweilige politische Gegner, aber nie man selbst. Dass aber wir in Deutschland dieses globale Problem noch befeuert haben, will erst recht niemand erkennen.
Wir haben die Sache schlimmer gemacht, als sie schon ist, und versuchen nun,  da sie dadurch noch unbeherrschbarer wurde, unsere Nachbarn mit hinein zu ziehen. Kein Wunder, dass sie denken: Die spinnen, die Deutschen.
Es begann mit der kritiklosen, realitätsfremden, verblendeten Begeisterung über die »Arabellion«. Dazu die bereits in einem »Anstoß« im Jahr 2011  geäußerte Vermutung, dass »das Volk Mubarak weg haben will, aber noch nicht weiß, was es stattdessen will, aber sicher nicht das, was wir wollen, dass die Ägypter es wollen sollen«.
Das Elend nahm in und von Nordafrika aus seinen Verlauf, und »Elend« ist wörtlich zu nehmen. Das Wort kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet ursprünglich die bzw. das Fremde.
Aus Ländern wurden Pulverfässer, und viel von dem Pulver wurde zu uns geweht beziehungsweise von uns angesaugt. Wir importieren die Probleme anderer.
Noch so ein alter »Anstoß«-Satz: »Wir leben in zwei Zeitaltern, einem der Dekadenz und einem der Völkerwanderung; das eine wird das andere beenden.«
In der Dekadenz, die an sich nichts Schlimmes ist (so wie ich sie verstehe, als Über-Reife einer Kultur; Sparta zum Beispiel war nicht dekadent, sondern archaisch brutal – da lebe ich lieber in der Dekadenz), blüht doch noch etwas, nämlich die Gesinnungsethik. Die lässt uns alle Mühseligen und Beladenen und überhaupt alle, die nicht unseren Lebensstandard haben und zu uns kommen wollen, um unsere in Jahrzehnten erarbeiteten und in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen erkämpften sozialen Wohltaten mitzugenießen, in illusionärer christlicher Barmherzigkeit nicht nur willkommen heißen, sondern sogar auffordern, zu uns zu kommen – wir schaffen das! Die Verantwortungsethik verlangt aber eher australische Verhältnisse und ist, wenn man vom Ende her denkt, wie angeblich die Kanzlerin, barmherziger als der – wieder einmal – deutsche Sonderweg.
Dass jetzt das Pendel zurück schwingt und alle Flüchtlinge in einen Sack gesteckt werden, gehört ebenfalls zu den deutschen Spezialitäten, die die Welt nicht braucht: Entweder gehen wir beseelt in die Knie oder im furor teutonicus an die Kehle.
Australische Verhältnisse? Australien ist in seiner Historie nie durch Unmenschlichkeit auch nur annähernd so auffällig geworden wie wir. Es wäre ratsam, sich an dem Land ein Beispiel zu nehmen und nicht wieder die Welt an unserem Wesen genesen lassen zu wollen, einem Unwesen, das alle krank macht.
Die Australier haben mit ihrer konsequenten Weigerung, Bootsflüchtlinge an (ihr) Land zu lassen, verantwortungsethisch mehr Menschenleben gerettet als geopfert. Wir opfern gesinnungsethisch langfristig mehr Menschenleben, als wir im Mittelmeer kurzfristig retten.
Wir stehen in der   Pflicht, die Menschen, die schon bei uns sind, die Schlimmes erlebt haben und die sich hier nichts zu schulden kommen lassen, anständig zu behandeln und ihnen alle Chancen zu geben, sich in unserer Gesellschaft zu integrieren. Eine große Aufgabe. Sie kann, wenn überhaupt, nur gelingen, wenn wir weiteren Zuzug stoppen sowie jene fremde Un-Kultur, die sich gesellschaftsfeindlich und gesetzwidrig breit machen will, rechtsstaatlich korrekt behandeln und danach in ihr eigenes Elend zurückschicken.

 

Und was mache ich nun mit diesem Text? Als Solitär im Blog stehen lassen? Als Stein(es)bruch für Kolumnen nutzen? Versuchen, ihn komplett irgendwo außerhalb meines Einflussbereichs unterzubringen? Nein, ich glaube, das wäre vermessen. Ist schließlich auch nur eine Meinung von vielen. An meinem Wesen soll die Welt nicht genesen.

Baumhausbeichte - Novelle