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Sonntag, 10. Januar, 6.35 Uhr

Ekelhaftes Schmuddelwetter. Nieselregen. Wenigstens kein Glatteis wie gestern Nacht, als der Hund in die Klinik musste. Magendrehung? Entwarnung. Diagnose: nur überfressen. Kotzspritze. Eine Stunde lang gewürgt. Am Schluss knapp zwei Kilo Kotzware im Eimer. Das arme Kerlchen. Wenn es nur wüsste, woran sein schreckliches Leiden lag, sie würde es nie mehr tun.  Das Hündchen ist nämlich eine Sie. Hat sich, wie bei der Spurensuche später festgestellt,  wie der mexikanische Drogenboss einen Tunnel gegraben, eine Röhre in einen dicken Futtersack.

Mein Kampf. Für, glaube ich, 58 Euro zu kaufen. Große Diskussion. Aber sicher nur unter denen, die den Schinken nicht zu lesen versucht haben. Im kargen Bücherregal meines Vaters stand neben einem Blitzkrieg-Panzerbuch (Titel vergessen, aber spannend) und “In Stahlgewittern” (spannend, aber grässlich, gruselig) auch “Mein Kampf”. Unerträglich langweiliges Geseiere. Später, als mir bewusst wurde, was das Buch bedeutete, habe ich noch mehrmals versucht, darin zu lesen. Immer wieder gescheitert. Unlesbar. Wortwüste. Ich konnte mich, als junger Linker, nicht mal aufregen über diese verkrampfte, armselige Rumschwadroniererei eines offensichtlich Irrsinnigen. Man sollte, wie damals jedem Ehepaar (wie meinen Eltern), heute jedem Neonazi ein Exemplar schenken und ihn dazu verdonnern, das Zeugs von vorne bis hinten zu lesen, wer straffällig geworden ist, müsste zehn Seiten auswendig lernen. Es gäbe keine Neonazis mehr.

Manche wären froh, es gäbe keine Flüchtlinge mehr. Ich nicht. Nach der seltsamen Begrüßungsorgie schlägt das Pendel jetzt in die andere Richtung aus. So viele wie möglich so schnell wie möglich abschieben! Ungerechtigkeit Unschuldigen gegenüber, nachdem man zuvor unkontrolliert viele hereingelassen, ja hereingebeten hat, wobei von vornherein klar war, dass sich eine Un-Kultur von kleinkrimineller Unterschicht, Bandenunwesen und Terroristen die Einladung nicht zweimal sagen lassen würde. Leidtragende sind Migranten, die schon lange hier sind, sich zu integrieren versuchen oder es bereits sind, und die jetzt unter dem Wahnsinn leiden, den die Politik angerichtet hat.

Erst auch die Un-Kultur einladen, dann überrascht sein, dass sie ist, wie sie ist, und nun am liebsten alles abschieben, was sich abschieben lässt. Das werden oft genug die Falschen sein bzw. die Richtigen, die unser Land brauchen könnte.

Der Mob der Un-Kultur ist clever und  flexibel genug, um Abschiebung weniger fürchten zu müssen als zum Beispiel eine integrationswillige Familie mit Schulkindern.

Am schlimmsten wird es für Kinder, die hier zur Schule gehen, gut integriert sind, das Land lieben und deutscher sind als mancher deutsche Hartzvierer, jetzt aber mehr denn je von Abschiebung bedroht sind.

Die Sache ist von Grund auf schiefgelaufen.

Wir schaffen das nicht.

Um mich von düsteren Gedanken abzulenken, blättere ich online meine abonnierte Griechenland-Zeitung durch (65 Euro im Jahr, sehr zu empfehlen). Aber da plumpse ich sofort in die Fallgrube einer zweiten Baustelle, die fast in Vergessenheit geraten ist.  Zwei Meldungen, die verblüffen: Die griechischen Bürger schulden dem Fiskus 85,5 Milliarden Euro, das ist mehr als ein Viertel der gesamten Staatsverschuldung. Würden alle ihre Steuern zahlen bzw. nachzahlen, wäre die Staatsverschuldung fast vorbildlich niedrig. 85,5 Milliarden – das ist ja mehr, als wir bisher rübergeschoben haben, oder? Aber statt einzutreiben, hat die neue Regierung im Oktober beschlossen, dass Steuerschulden bis 100 000 Euro nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden.

Noch mehr aber verblüfft die zweite Meldung: Ein städtischer Beamter in Ioannina hat aus dem Stadtsäckel 1,3 Millionen Euro für sich abgezweigt. Er ist verurteilt worden. Raten Sie mal: Ein Tag Arrest? Ein Jahr mit Bewährung? Zwei ohne? Sie werden es nicht glauben: LEBENSLÄNGLICH!

Werde mal einer schlau aus den Griechen.

Schluss mit Blog, Montagsthemen anpacken. Leider wohl ohne Geblogtes, passt nicht in die Sportkolumne. Oder? Schaun mehr mal.

 

Baumhausbeichte - Novelle