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Sport-Stammtisch (vom 9. Januar)

Einfache Wahrheiten sollte man einfach aussprechen: Es sind viel zu viele … (Heikles kommt später) … Spiele. In seinem Crash-Kurs in England schlägt Jürgen Klopp Lektion zwei auf (»Hamstring«) und liest: Die »englische Woche« heißt englische Woche, weil … Ach soo!
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England kennt englische Wochen nicht als Ausnahme, sondern als Regel, daher hat Klopp auch das Wort »hamstring« kennengelernt, die englische Bezeichnung für die hintere Oberschenkelmuskulatur. Die leidet in besonderem Maße unter pausenloser Belastung. Wenn dann mitten in der Saison einer kommt und sein System des Dauerhetzjagdfußballs einführt, protestieren die »hamstrings«, die dafür nicht saisonvorbereitet sind. Und schon hämt es in der britischen Presse, Klopp sei ein Kaputtmacher.
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Ein Ruf, der bei Pep Guardiola vorerst nur geflüstert wird. Bei ihm ist es die Manie, seine lebenden Playstation-Figuren nach Verletzungen mit allen Mitteln so früh wie möglich wieder ins Spiel zu bringen, was nach Meinung von Sportmedizinern, die am lebenden Menschen arbeiten, einfach unmöglich ist.
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Guardiolas Nachfolger in München heißt … Roy Makaay? Tendenziell ja, denn auch bei Trainern greift das alte Bayern-Prinzip: Wer gegen uns zu stark ist, den holen wir zu uns. Wie einst Makaay mit Deportivo La Coruna, demütigte auch Carlo Ancelotti mit Real Madrid die Münchner beim desaströsen Heim-0:4 im Euro-Halbfinale 2014, als er an Guardiolas Playstation einfach den Stecker zog.
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Stecker endlich drin? »Der Weltfußball arbeitet an einer Einführung von Video-Unterstützung für die Schiedsrichter«, lese ich beim Sport-Informationsdienst (sid). Dagegen meldet die Deutsche Presse-Agentur (dpa), die Regelhüter planten die »Einführung des Videobeweises«. Was denn nun, Unterstützung oder Beweis? Beim Studium der Artikel stelle ich erfreut fest: Egal, wie sie es nennen, der Trend geht zu »meiner« Video-Hilfe für den Schiedsrichter.
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Beim Studium des Bundesgesetzblattes stolpere ich über die Fallstricke im »Gesetz zur Bekämpfung des Dopings im Sport«. Schon der Titel zeigt die Problematik auf, denn »Doping im Sport« ist ein Pleonasmus, ein weißer Schimmel, denn außerhalb des Sports gibt es kein Doping. Per Gesetz soll Besitz auch kleiner Doping-Mengen verboten werden, hieß es vorab, was ich nicht glauben wollte, denn dann wäre selbst der Besitz von »Wick Medinait für Kinder« eine Straftat. Und so eiert das Gesetz um die Fallstricke herum: »Außerhalb des Wettbewerbs des organisierten Sports« ist der Besitz von Dopingmitteln nicht strafbar, wenn diese »nur im Wettkampf verboten« sind. Es gibt weitere Ungereimtheiten, aber ich will nicht langweilen. Auf den ersten Prozess gegen einen Doping-Angeklagten, verteidigt von einem cleveren Anwalt, bin ich jedenfalls gespannt.
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Tätersuche: Wer hat Til Schweiger ein paar Millionen Zuschauer geklaut? Nur der »Bergdoktor«? Nein, auch Darts, dessen Stars wie Patienten des Bergdoktors wirken. Fast zwei Millionen Menschen sahen auf Sport1 den Pfeilewerfern zu. Sachen gibt’s.
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An der kritischen Diskussion um Schweigers »Tatort« beteilige ich mich nicht. Der Junge ist einer von uns, ein echter Mittelhesse, und an unserer Treue könnten sich die Nibelungen ein paar Scheiben abschneiden. Aber raten Sie mal, was ich geguckt habe …
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In der Flüchtlingsfrage könnten dagegen wir uns ein paar Scheiben von anderen abschneiden, zum Beispiel von allen anderen Europäern. Deutschland war im Sommer wieder einmal auf einen Sonderweg abgeirrt und findet nur sehr mühsam zurück zu international üblicher Vernunft. Wie sehr das Thema bewegt, spüre ich auch am Zu- und Vertrauen der Leser meiner Kolumnen sowie des Blogs »Sport, Gott & die Welt«. Dafür danke ich. Einiges davon ist im Blog und dessen »Mailbox« nachzulesen.
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In dieser bisher wichtigsten Frage des Jahrtausends kämpft nicht Gut gegen Böse, Nicht »Willkommen!« gegen »Raus!«, sondern Vernunft gegen Unvernunft.
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Niederträchtig ist es, wenn hauptverantwortliche Politiker, die die Geister gerufen haben, der Polizei die Schuld zuschieben, dass sie ihr auf der Nase herumtanzen.
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Da bleibt nur schwarzer Humor, wie in dieser unfreiwillig komischen Schlagzeile von »SZ online« mit ihrer aparten Subjekt-Objekt-Verschiebung: »Täter haben die Beamten noch nicht ermittelt.« – So weit kommt’s noch. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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