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Ohne weitere Worte (vom 5. Januar)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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»Wir wollen heiraten. Haben Sie zwei Schlagringe in unseren Größen?« (Spruchblase im »So wird 2016«-Cartoon der Frankfurter Allgem. Sonntagszeitung. Motto: Deutschland verroht)
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»Ich hatte da eine total lustige Begegnung: Ich stand auf dem Gipfel des zweithöchsten Bergs auf Kauai, und auf einmal sagt jemand: ›Das glaube ich jetzt nicht!‹ Ich dreh mich um, und da stand tatsächlich einer im BVB-Shirt! Da habe ich gesagt: Ich muss jetzt mit dir ein Foto machen!« – Ihr erstes eigenes Selfie mit Fan? – »Genau.« (Sebastian Kehl, nach Karriereende monatelang auf Weltreise, im Zeit-Interview)
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Einer der Höhepunkte des Sportjahres 2015 war die Weltmeisterschaft im Rugby. (…) Riesenkerle, die sich artig beim Schiedsrichter für eine Strafe bedanken; Verlierer, die man wie Sieger feiert; und eine Haltung, die für das unredliche Schinden von Vorteilen nur Verachtung übrig hat. Auch diesmal hörte man den schönen alten Satz, dass Rugby ein Spiel für Rowdies sei, betrieben von Gentlemen, und Fußball eines für Gentlemen, betrieben von Rowdies. (Christian Eichler in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
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Binnen 20 Monaten pumpte er seinen Körper um 40 Kilo zum Muskelkunstwerk auf. Für sein Pensum von 6000 Kilokalorien verzehrt er täglich bis zu sechs Eiweiß-Shakes und ein Kilo bestes Fleisch vom Bison oder argentinischen Angus-Rind. Hinzu kommen jede Menge Nahrungsergänzungsmittel: Aminosäurepräparat BCAA, Kreatin, Glutamin, Fischöl und Zink. (Lutz Wöckener in der Welt am Sonntag über das Ernährungsprogramm von Ex-Nationaltorhüter und Neu-Bodybuilder Tim Wiese)
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»Wenn wir unseren Körper mit einem Auto vergleichen, dann kann uns unser Tank nur Treibstoff für ca. 35 Kilometer bereitstellen. Die Kohlenhydrate sind das Superplus-Benzin, damit kann man Gas geben. Aber eben nur für 90 Minuten. Jetzt muss ich dem Körper beibringen, dass er auch die Fettreserven nutzt. (…) Man führt dem Körper in der Vorbereitung, rund 16 Wochen lang, viel Energie in Form von Fetten und Proteinen zu. Die Kohlenhydrate tankt man in Form von Obst und Gemüsen, Brot oder Nudeln lässt man eher weg. Dadurch ist der Tank nie ganz voll, man kann ihm im Training also häufiger leeren. Und wenn man ihn oft leert, merkt der Körper irgendwann: Hey, die Kohlenhydrate sind etwas Besonderes. Er fängt an, weniger Kohlenhydrate (…) zu verbrauchen. Dafür bezieht er seine Energie mehr aus den Fettreserven. (…) Das Super plus steht mir dafür später zur Verfügung, auch nach Kilometer 35.« (Marathon-Rekordler Arne Gabius im Interview der Süddeutschen Zeitung über sein Ernährungsprogramm)
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Was seine wahren Zukunftspläne sind, hat er (Anm.: Til Schweiger) Gala verraten: 2017 wolle er »ein kleines Boutique-Hotel in Hamburg aufmachen«. Da hat er dann was Eigenes, und das ist im Leben immer der wahre Lottogewinn, wie der Wuppertaler Herrenboutiquebetreiber Erwin Lindemann bestätigen kann. (Sascha Zoske in der FAS-Kolumne »Herzblatt-Geschichten«)
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»Die Schauspieler, die jungen Theaterleute sind so verdammt geschichtslos. Dies ist die bestinformierte Generation, die es je gab, mit ihrem Smartphone haben sie Zugriff auf alles (…), und doch: Sie wissen nichts mehr. Es herrscht eine hochinformierte Blindheit und Unwissenheit.« (Claus Peymann im Zeit-Interview)
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Was täten wir auch in naher Zukunft ohne all die hervorragend ausgebildeten Zahnärzte, Altenpflegerinnen und Bombenbauer aus dem Nahen Osten? Gut, für diese Neubürger mit Mangelberufen müssen wir schon ein bisschen mehr hinlegen als damals, als sich uns für ein paar Millionen die Schase bot, eine Fußball-Weltmeisterschaft auszurichten. (Wären wir nicht so knausrig gewesen, hätten wir sie auch gewinnen dürfen.) (aus einer Glosse von »bko« in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung / »Schase« steht für »Chance« im Beckenbauer-Idiom)
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Wenn Sie aber wüssten (…), dass man für den dritten Platz im Medaillenspiegel zehn Millionen Kinder zu einem glücklichen Leben verhelfen könnte? (aus dem Jahresrückblick von Bundesrichter Thomas Fischer für die Zeit)
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»Und wie?« – »Muss« (»So wird 2016«/FAS. Motto: Deutschland wird Europameister – im Smalltalk) (gw)
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(www.anstoss-gw.de gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle