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Dr. Paul Limberg: Übereinstimmung

Ich kenne Sie schon seit über dreißig Jahren als Sportredakteur und Verfasser unzähliger Glossen, Kolumnen und Kommentare. Dabei ist mir über die Jahre nach und nach klar geworden, daß Sie eine ganz eigene journalistische Handschrift entwickelt haben, eine Marke sozusagen, die ich so attraktiv und unterhaltsam finde, daß ich schon lange an Montagen, Dienstagen und Samstagen zuerst nach den gw-Kolumnen und dann erst nach den Meldungen aus der Welt und Stadt und Land schaue, jedenfalls dann, wenn dort nichts von enormer Wichtigkeit vorgefallen ist. Es würde zu weit führen, dies detailliert zu analysieren und zu begründen. Auch möchte ich den Eindruck kritikloser Beweihräucherung vermeiden. Nur als Beispiele von Überein-stimmung in gesellschaftlichen Fragen möchte ich Ihre vorsichtig skeptische Einstellung zur Flüchtlingsproblematik nennen, die ich uneingeschränkt teile angesichts der naiven Begeisterung in manchen Kreisen der Bevölkerung – mehr aber noch in unseren Leitmedien, die offensichtlich zu zurückhaltender Nachdenklichkeit in diesen wichtigen Fragen unfähig sind oder sich nicht trauen aus Furcht, sofort in die rechte Ecke abgeschoben zu werden. Auch hat es mich gefreut, daß Sie sich den neuen, in der Presse vorab schon hochgejazzten Tukur-Tatort erst gar nicht angesehen haben. Ich auch nicht. Der erste hat mir vollauf gereicht. Wahrscheinlich bin ich wie Sie etwas altmodisch eingestellt. Da muß man nicht jede neue Sau, die durchs Dorf getrieben wird, auch noch hochjubeln, und nicht alles, was neu oder anders ist, muß allein deshalb auch besser sein. (Dr. Paul Limberg/Linden)

Baumhausbeichte - Novelle