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Sport-Stammtisch (vom 2. Januar)

Da ich täglich mit Fleiß an meiner Bildung arbeite, habe  ich die Jahresendrätsel der Kollegen nicht mit Links, sondern mit links gelöst. Zum Beispiel dieses in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: »Wie startet Blatter in den Tag?« Poliert er zärtlich seine Medaillen? Walkt er und winkt seinen Fans? – Nee, das weiß man doch: »Ich stehe jeden Morgen um halb sechs auf, drehe das Radio an, und dann tanze ich.«
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Nächste Frage, noch einfacher: Wen ohrfeigte Til Schweiger? Andreas Scheuer? Akif Pirincci? Nein, natürlich Elyas M’Barek. Und der hatte noch Glück im Unglück: Als Tschiller hätte ihn Schweiger mit Kugeln durchsiebt.
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Auch das SZ-Magazin stellt allzu einfache Fragen. Was wurde vom IS verboten? Maggi-Brühwürfel? Unterhosen mit Eingriff? Taschenlampen? Kaugummis? Richtige Antwort. Maggi, weil bei der Herstellung islamische Lebensmittelvorschriften verletzt würden. – Ich wusste nicht nur dies, sondern auch, dass die rabiate Islamisierung viel früher als gedacht begonnen hat. Wie vertrieben wir beim Bolzen auf der Gass’ einen Unreinen aus der feindlichen Parallelstraße? »Hau ab, du stinkst nach Maggi!«
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Als ich fast soweit war, mich beim Buch der Rekorde als Weltmeister des unnützen Wissens anzumelden, forderte mich Trivial Pursuit am Silvesterabend auf: »Zeigen Sie Ihr inneres Genie.« Erste Frage: »Welche schottische Band veröffentlichte 2003 eine CD, deren Titelsong eine Liebeserklärung an eine Katastrophenkellnerin ist?« Hä!? Katastrophenkellnerin? (Lösung: »Belle & Sebastian) – In diesem Stil ging’s weiter und ich unter, auch, weil ich nicht wusste, wie oft sich Faultiere entleeren. Einmal am Tag, in der Woche oder im Monat?
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Einmal pro Woche – so faul sind sie also gar nicht. Mit geschrumpftem Selbstbewusstsein griff ich zur Zeit, die in einem internen Redaktionswettkampf das Vorurteil prüfte, ob Frauen wirklich nicht einparken können. Ergebnis: Sie können es besser als die Männer. Liebe Kollegen, tröstet euch: Mit mir hättet ihr nicht knapp, sondern haushoch verloren.
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Dass in dieser Sportkolumne der Sport zur Freude meiner liebsten Zielgruppe manchmal: zu kurz kommt, gehört zum Narrativ, den ich auch im neuen Jahr: fortschreiben möchte. Womit ich in einem Satz gleich zwei lästige Sprachmoden untergebracht hätte, den Narrativ (von lat. »narrare/erzählen) und den wahllos eingestreuten Doppelpunkt. Eine dritte holt mächtig auf: »X ist das neue Y«. Zuletzt fragte der Spiegel, ob Väter die neuen Mütter sind, und die Welt stellte in ihrer Geschenke-Hitliste fest: »Bücher sind die neuen Socken«. Ich darf einen Trend beisteuern: Backen ist das neue Kochen.
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Was mich zum Sport zurück bringt. Ein bisschen wenigstens. Denn beim Stichwort »Backen« fallen mir die Bäcker früherer Jahrzehnte ein und ihr traditionelles Fußballspiel am Neujahrstag gegen die Schornsteinfeger, jeweils in Berufskleidung. In meiner Erinnerung schneite es immerzu, am Schluss sahen beider »Trikots« dalmatinerhaft aus. Ach ja, früher war nicht nur mehr Lametta, sondern auch: mehr Schnee.
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Zu meinem Narrativ gehört auch: die wahllos eingestreute Albernheit. Daher sah ich voll schmunzelnden Respekts das Filmchen auf Youtube, in dem sich Sky-Reporter selbst veralbern und Hass-Tweets der Zuschauer vorlesen. So zitiert Marcel Reif einen »DerPoppe« (»Fehlt da nicht ein r?«): »Noch unnötiger als Marcel Reif ist nur der Pimmel vom Papst.«
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Das macht Menschen wie mir und dem Tiger Spaß. Nicht Effe, sondern Woods. Der Golfer beendete kürzlich eine weitere Floskel (»Wer mich kennt, der weiß …«) nicht mit einer der üblichen Fußballer-Plattitüden, sondern mit: »… dass ich im Kopf gelegentlich wie ein Fünfjähriger bin«. Dafür backe ich Tiger Woods mit meinem schönsten Förmchen einen Sandkuchen und schenke ihm meinen buntesten Glasklicker.
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Apropos Tiger. Zu den die Netz-Welt bewegendsten Ereignissen gehört die Freundschaft zwischen einem Tiger und einem Ziegenbock im Zoo von Wladiwostok. Die Ziege war als Futter gedacht, doch nun kann man die beiden Freunde per Webcam gerührt beobachten.
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Ach, beinahe hätte ich es vergessen: Prosit … Moment noch. Zwischenfrage: Aber was, wenn der Tiger den Freundschafts-Button zurückzieht und die Natur live ihren Lauf nimmt? Na dann Prost … Mahlzeit! (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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