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Freitag, 1. Januar, 6.35 Uhr

Die Terrorwarnung von München war nur ein böser Spuk, wird uns aber im neuen Jahr begleiten. München ist überall. In Dubai brennt ein Hotel. Boris Becker, momentan in Dubai, twittert in die Welt, dass er nicht in diesem Hotel abgestiegen ist. Dann lese ich mich in den Meldungen der Nacht an einem dpa-Interview mit Stephan Scherzer, dem Chef des Deutschen Zeitungsverleger-Verbandes (DZV) fest. Aus seinen Antworten notiere ich Auszüge:

Die börsennotierten Megaplayer wissen um den Wert von Content / Distributed Media ist das zentrale Stichwort / Reverse Publishing / Zeitschriften sind im Mediamix der Menschen ein zentraler Bestandteil. / Lean Back, Konzentration auf das Wesentliche und Entschleunigung liefern Zeitschriften in bester Weise. / 360-Grad-Angebote, also Print, Web, Mobile, Social, sind längst Standard. Digital erreichen die Marken neue Zielgruppen und bauen zusätzliche Communities auf.  / Monetarisierung der kombinierten Reichweiten / Adblock-Anbieter sind erpresserische Geschäftemacher.

Ach ja. Viel Neusprech und die Angst, dass Werbung geblockt wird. Aber mit den Aufploppern und Textverdeckern ist “Content” unlesbar, ohne unfinanzierbar. Das wissen die Print-Monetarisierer. Was ich zu wissen glaube: Finanzierbar sind die Angebote der Zeitungsverlage im Netz sowieso nicht. Sie pfeifen im Walde, während sie am Ast sägen, auf dem sie sitzen. Mit dem vielen schönen Geld, das sie seit vielen Jahren ins Internet investieren und den Konkurrenten erst so richtig attraktiv machen, hätte man intelligent auf den unvermeidlichen Schrumpfungsprozess reagieren, ein Polster für die Durststrecke anlegen und das inhaltliche Angebot verbessern können. Stattdessen wird Geld verpulvert, “Print” ausgedünnt und das Geldverbrennungsmedium gepäppelt. Aber was juckt’s mich. Mit meinem Motto liege ich sogar im Trend der Verleger: Lean back.

Das neue Motto der Verleger erfreut  dagegen jeden Freund von Doppeldeutigkeiten und leider auch auch die “Lügenpresse”-Verschwörungstheoretiker. Aus dem Interview:

 Die Zeitschriftenregale müssen so kundenfreundlich wie möglich sein. In diesem Zusammenhang haben wir gerade die Kampagne «Presse verkauft» gestartet.

“Presse verkauft”. Na prima. Vielleicht hätte man ein bisschen mehr in bessere Slogans investieren sollen.

Dröger Stoff für den Neujahrsfrühmorgenblog, der ein das  Neujahrsfrühmorgenblog ist, aber für mich ein Maskulinum bleibt. Da halte ich mich an Olli Kahn: Eier!

Und sonst? Viel Tierisches in den Meldungen der Nacht: Schafrohmilchkäse aus Spanien zurückgerufen. Oder: Eine Ratte an Bord und ein Hund auf der Startbahn haben Flüge indischer Airlines behindert. Und dann noch das:

Die ungewöhnliche Tierfreundschaft zwischen einem Tiger und einem Ziegenbock in einem russischen Zoo kann nun auch live im Internet verfolgt werden. Die Leitung des Tierparks bei Wladiwostok habe am Freigehege von «Amur» und «Timur» vier Kameras angebracht, berichteten Medien in Moskau.

Die Ziege war als Futter für den Tiger gedacht. Aber was, wenn der Tiger den Freundschafts-Button zurückzieht und live zur Mahlzeit schreitet? Prost Mahlzeit!

Ach ja: Prosit Neujahr!

 

 

Baumhausbeichte - Novelle