Archiv für Januar 2016

Sonntag, 31. Januar, 11.25 Uhr

„Montagsthemen“ erledigt und online (siehe gw-Beiträge Anstoß rechts). Bin diesmal recht zufrieden, aber das heißt nichts. Während des Schreibens kam eine Mail von Leser Norbert Fisch, die ich sofort online gestellt habe. Leider ist sie zu lang, um ungekürzt ins Blatt zu kommen. Es geht um „net stumbe“, und wenigstens eine Bildungslücke von mir muss ich im nächsten „Sport-Stammtisch“ ansprechen: Dass „Net stumbe“ ein Titel von „Flatsch“ war. „Flatsch“ mit dem unvergleichlichen Gerd Knebel, später die Hälfte („bessere“ gibt’s da nicht) von „Badesalz“ mit unserem Henni Nachtsheim. Die beiden glänzen übrigens aktuell in voller Pracht mit ihrem „ASO-TV“ auf YouTube.

Mein liebster Titel von „Flatsch“ ist ein Lied, in dem hinter vordergründigem Quatsch der alltagsphilosophische Hintersinn lauert: „Ei ´Guude wie“ ……

HA!  Den Klops lass ich zur Strafe drin!  Soeben den Text gegoogelt und gemerkt, dass er nicht von Gerds „Flatsch“, sondern von Hennis „Rodgau Monotones“ ist. Ich hab’s aber gewusst und nur vergessen! Echt und ehrlich!

Samstag Morgen in der Innenstadt
Latsch ich durch die Fußgängerzone
Ich mag keine Fußgängerzonen
Ich tu das nur, weil ich hier wohne Da kommt mir einer entgegen
Den hab ich ewig lang nicht mehr gesehn
Der kommt mir eher ungelegen
Doch jetzt bleiben wir voreinander stehn Peinlich, peinlich, was soll man denn sagen
Wenn man sich nichts zu sagen hat? Dumme Antwort auf dämliche Fragen -Bei fuffzehn Stücker gibt’s Rabatt! (Chorus:)Ei gude wie! Wo machst’n hie? Du ich muss jetzt gehen, es war schön dich zu sehn, wir telefonieren …

Veröffentlicht von gw am 31. Januar 2016 .
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Sonntag, 31. Januar, 6.30 Uhr

Vor einem Vierteljahrhundert dachte ich, in einem Vierteljahrhundert werde es keine gedruckte Tageszeitung mehr geben. Klingt heute fast seherisch, obwohl es sie noch gibt. Aber wenn ich mir anschaue, wie ich meine Vorausschau begründet habe, sehe ich, wie sehr ich daneben lag. Ich hatte meine Vermutungen zusammen mit strategischen Planungen dem Verleger vorgelegt, kurz nachdem ich in die Chefredaktion aufgenommen worden war. Ich hatte ihm, mit dem ich ein sportkameradschaftliches Verhältnis pflegte, sogar die Wette angeboten, dass  zum Zeitpunkt meines beginnenden Rentenalters keine Zeitung mehr in die Briefkästen gesteckt werde. Die Wette habe ich schon vor drei Jahren verloren.

Meine Begründungen damals klingen zum Teil zwar auch heute noch aktuell, doch hat sich die Zeit sehr viel langsamer gewandelt als vermutet. Ich dachte an die demographische Entwicklung, dass es zum einen immer mehr Menschen gibt, die eine andere Muttersprache haben und schon von daher keine deutsche Zeitung lesen werden, zum anderen, dass immer mehr deutsche und nichtdeutsche Menschen eine Unterschicht bilden, die bildungs- und zeitungsresistent sein wird. Ist zwar eingetroffen, aber noch (hoffentlich) lange nicht im befürchteten Ausmaß.

Fortschritts- und technikgläubig dachte ich, dass der langwierige Produktionsprozess zwischen Redaktionsschluss  und Zustellung keine Zukunft habe und dass sich der Abonnent die Zeitung morgens zu Hause an einem von uns geleasten Gerät ausdrucken lassen wird, auf wiederverwendbarem Papier, das belichtet und nach der Lektüre wieder ins Gerät geschoben wird. Vor allem aber dachte ich, Hintergrund und Antreiber der Entwicklung werde auch sein, dass es niemanden mehr geben wird, der frühmorgens durch die Straßen geht und Zeitungen in Briefkästen stopft, weil auf die paar Mark Zusatzverdienst niemand mehr angewiesen sein wird. Woran ich überhaupt nicht gedacht hatte, ist das Internet.

Zu meinen Irrtümern gehört auch die Vermutung, dass es nach der Jahrtausendwende eine Hyperinflation geben werde, geben müsse, um die Staatsverschuldungen elegant und brutal aus dem Weg zu schaffen. Doch Inflation erwies sich als die geringste Gefahr, und die monströsen Staatsverschuldungen werden achselzuckend hingenommen.

Noch grotesker als ich hat sich Herman Kahn getäuscht, ein US-Zukunftsforscher, dessen Buch „Ihr werdet es erleben“, ein Bestseller, ich vor einem halben Jahrhundert verschlungen habe. So gut wie alles, was er vorhergesehen hat (zum Beispiel, dass es keine dunkle Nacht mehr geben wird, weil die Nachtseite der Erde von Satelliten aus künstlich beleuchtet wird), ist nicht eingetreten, und was eingetreten ist, hat er nicht im Ansatz vorhergesehen. Zum Beispiel die Völkerwanderung.

An all das will ich denken, wenn ich wieder von apokalyptischen Vermutungen heimgesucht werde. Vielleicht wird ja alles doch nicht so schlimm, so katastrophal, so gesellschaftsumwälzend wie befürchtet.

Die Befürchtungen stecken auch im in der vergangenen Woche gesammelten Material für die dienstägliche Zitaten-Kolumne „Ohne weitere Worte“. Bisher kaum Sport, fast nur Flüchtlingskrise. Das muss ich bis morgen umgeschichtet haben. Eine Stelle aus einem „Zeit“-Artikel würde ich aber gerne ins Blatt bringen, denn sie verbindet Sport mit Merkel. Leider ist sie (die Stelle) viel zu lang, und ob ich sie mit gekennzeichneten Auslassungen – also der (…)-Methode – blattgerecht und ohne Sinnveränderung zurechtredigieren kann, weiß ich nicht. Hier die ungekürzte Stelle:

Im Boxsport gibt es eine alte Weisheit: „You can get the boxer out of the ghetto, but not the ghetto out of the boxer.“ Jahrelang trainiert er brav, bringt seinem Manager viel Geld ein, sagt nur die Sprüche, die ihm aufgeschrieben werden, und plötzlich, BAMM!, beißt er seinem  Gegner ein Ohr ab, verprügelt den Ringrichter und fährt danach mit seinem Lamborghini im Central Park ein Rudel Dalmatiner-Welpen tot. So was gilt neuerdings auch in der Politik: „Du kriegst die Frau aus dem Pfarrhaus, aber du kriegst das Pfarrhaus nicht aus der Frau.“ Jahrelang betreibt sie  empathielose Realpolitik, lässt sich von darbenden griechischen Rentnern so wenig rühren wie von Ukrainern, die nach Waffen verlangen, und plötzlich, BAMM!, fängt sie unvermittelt an zu lächeln, macht Selfies mit Syrern und holt Millionen Flüchtlinge ins Land. Plötzlicher Ausbruch angestauter Mitleidsgefühle – so etwa wird derzeit Angela Merkels merkwürdige Flüchtlingspolitik erklärt, die in Europa fast niemand mehr unterstützt.“ (Autoren: Matthias Krupa und Bernd Ullrich).

Während des Abschreibens fällt mir ein, wie ich das lange Zitat „Ohne weitere Worte“-tauglich machen kann. „Ihr werdet es erleben!“

Bevor ich an die „Montagsthemen“ gehe, möchte ich meine Ansichten zur Flüchtlingskrise, die ich zuletzt im Blog mehrfach und weitschweifig dargelegt habe, in einem Satz zusammenfassen, der klar machen soll, dass es nicht um  die Verallgemeinerung „Flüchtlinge“ geht. Also:

Mehr Mitgefühl für unfreiwillig Geflüchtete, die Schlimmes erlebt haben, mehr Härte gegen kriminelle Schmarotzer, mehr Kosten-Nutzen-Abwägung bei Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen kommen.

Und das können wir wirklich schaffen. Aber nur in diesem Dreiklang.

 

Veröffentlicht von gw am 31. Januar 2016 .
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Sonntag, 24. Januar, 7.20 Uhr

Von wegen „senile Bettflucht“.  Eine Stunde später als sonst aufgewacht. Verschlafen! So wirkt auch unser Dorf hier oben auf dem Berg. Kleinster Teil der Großgemeinde, weit ab vom Schuss und von den Widrigkeiten der Welt … denkste!

Es brodelt. Auf dem Kirmesplatz am Dorfrand wird seit dem Wochenende hektisch gearbeitet. Bis in die Nacht. Der Platz ist in Windeseile planiert worden, offenbar wird sofort gebaut. Nur was?

In dem Dorf überlappen die Verbreitungsgebiete von drei Lokalzeitungen, außerdem gibt es ein Gemeindeblättchen mit offiziellen Mitteilungen. Baumaßnahmen wie die mysteriöse auf dem Kirmesplatz werden monatelang vorher lang und breit bekakelt, zumindest im Gemeindeblättchen, aber nachrichtlich auch in den Zeitungen erwähnt.

Diesmal nichts.

Die Gerüchteküche kocht. Die Dumpfbacken-Demo-Szene und die neue Partei hätten ihre helle Freude. Was im Dorf getuschelt, gesagt und getönt wird, würden sie sich nicht trauen.

Alle glauben zu wissen: Die Flüchtlinge kommen, schon am Dienstag ziehen sie ein, niemand sagt uns was, die Lügenpresse nicht, die Gemeinde nicht, die stecken sowieso alle unter einer Decke.

Ohnmächtige Wut, befeuert von Schreckensszenarien. Leute, passt auf eure Hunde auf! Lasst die Katzen nicht mehr raus! Das sind noch die harmlosesten Befürchtungen.

Die Lügenpresse lügt nicht, und sie steckt nicht mit der Politik unter einer Decke. Das kann ich aus über 40-jähriger Berufserfahrung versichern. Aber ich weiß auch: In all den beschaulichen Jahren hat sich eine Art Nomenklatura entwickelt, eine Gemeinschaft der Wissenden, die das Recht der Bevormundung auf ihrer Seite wähnt. Da wird in Details gestritten, dass die Fetzen fliegen, aber im Großen und Ganzen ist man sich einig.

Wird der Kirmesplatz vielleicht nur offiziell zum  Parkplatz umgewidmet, als der er gewohnheitsrechtlich schon immer genutzt wird? Möglich. Aber nicht sehr wahrscheinlich, denn das wäre schon lange bekannt, da, siehe oben, vorab lang und breit bekakelt.

Wahrscheinlich werden in der Tat Flüchtlingsunterkünfte gebaut, still und heimlich, um die Bevölkerung nicht aufzuschrecken. Woran man sieht, wie weit weg die Institutionen von ihren Bürgern sind. Warum greifen die Zeitungen, leider auch meine, das Thema nicht auf? Dass sie vom Brodeln wissen, weiß ich. Sonst weiß ich, der Rentner auf dem Berg, nichts.

Es gibt keine Lügenpresse, und die Presse steckt nicht mit der Politik unter einer Decke. Aber wie ungeschickt! Wie unsensibel!

Ein Kommunikations-Desaster. Hier im Kleinen, dort und überall im Kleinen und daher auch im Großen.

Es könnte böse enden.

Wir schaffen das, dass es uns schafft.

So, Apokalypse abgehakt. Jetzt Business as usual. Montagsthemen. Was soll ich schreiben? Noch keine Ahnung. Noch kein blasser Schimmer. Aber das wird schon. Wie immer. Ich schaffe das.

 

Veröffentlicht von gw am 24. Januar 2016 .
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Sonntag, 17. Januar, 12.00 Uhr

High Noon. Straßen sind frei, Sonne scheint, ich bin fertig.

Das Antanzen hat sich doch noch in die Montagsthemen geschlichen, ich hoffe auf Narrenfreiheit des Wiederholungstäters.

Im Arbeitszimmer eingesperrt (vor der Tür wird geputzt), vertreibe ich mir die Zeit mit einer Jacko-Gill-Suche. In Neuseeland beginnt die Freiluftsaison. Das Wunderkind, das mit 16 knapp die 5-kg-Kugel vierundzwanzigeinhalb Meter weit stieß (unfassbar, unfassbar!) und wahnwitzige Trainingsvideos ins Netz stellte, startet als Twen – wie alt ist er? 21? 22? – mit fast sogar für mich alltäglichen 19,86 in die Saison. Was ist da bloß schief gelaufen? Selbst in der neuseeländischen Online-Zeitung nur eine Randnotiz.

Antanzen. Ich sollte versuchen, mein Gefühl so sachlich wie möglich zu untersuchen und dann nüchtern zu definieren und auszudrücken, dass die Schweinereien von Köln (und Hamburg, und und)  nicht das Grundproblem  sind, sondern aktuelle Nebenerscheinungen. Und dass das Kernproblem wenig mit bürokratischen Schubladen wie Ausländer, Migrant, Flüchtling, Asylant, Geduldeter, Abgelehnter usw. zu tun hat, auch nicht ursächlich mit einer anderen Kultur und einem anderen Frauenbild, sondern schlicht und einfach mit dem Horror der Zahl, mit der uns überrollenden Quantität. Wäre diese überschaubar, gesteuert und auf machbarem Niveau gehalten, könnte unsere Gesellschaft  mit den Problemen menschenmöglichst fertig werden. Auch durch eine Polizei, die nicht von PC enteiert wäre und konsequent für das sorgen könnte, wozu sie da ist: Recht und Odnung, vor allem auch für die Schwächeren. So wie jetzt aber geht es nicht. Unmöglich. Übrigens nicht erst seit Sommer 2015, sondern schon vorher, als klar war, was kommen würde und schon in unserer Gesellschaft  festzustellen war, unabhängig von Herkunft (Stichwort: unbehauste, abgekoppelte, abgestumpfte Unterschicht, sei sie migrantisch oder „deutsch“; auch viele der toitschen Dumpfbacken gehören dazu). Vor einigen Jahren habe ich in einer Kolumne über die „innere Verwahrlosung“ geschrieben. Muss ich mir noch mal anschauen. – Aber kann ich das unüberlegt und unkorrigiert aus dem Bauch heraus Geschriebene gedanklich und schreiberisch über das Niveau einer bloßen Blog-Suada heben? Ich fürchte, nein.

 

Veröffentlicht von gw am 17. Januar 2016 .
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Sonntag, 17. Januar, 7.05 Uhr

Ha! Schon geschippt. Ging gut, kein schwerer Pappschnee, sondern lockeres Pulver. Und: FAS war schon da! Muss früher als die Katze gekommen sein, noch vor dem Schnee. Bravo! Mit dieser Arbeitseinstellung kann Deutschland nicht untergehen. So früh angetanzt! Vielleicht hat der Bote im Mercedes sogar migrantische Wurzeln. Nordafrikanische?

Nee, den Antanz-Witz mache ich nicht in den Montagsthemen. Aber vielleicht übernehme ich die freien Friesen und das Männerklo. Ansonsten: Eintracht/Legat/Heynckes/Reif/Short – Themchen genug hab ich schon. Reif  = Marcel. Über ihn wird ja seit Jahren kontroverser diskutiert als heute über die Flüchtlingsfrage. Short = Nigel, Schachspieler. Hat 20 Frauen im Simultanschach besiegt. Könnte ich auch. Ich müsste nur 20 Frauen finden, die noch schlechter spielen als ich. Das allerdings könnte schwierig werden.

Un nu is gut. KKKK.

 

Veröffentlicht von gw am 17. Januar 2016 .
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