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Ohne weitere Worte (vom 15. Dezember)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Es ist ein Dilemma mit Ansage. (…) Ohne große Not hatte man in der vergangenen Saison den erfolgreichen Trainer Thomas Schaaf demontiert. Ohne Einfallsreichtum holte man Armin Veh zurück. (…) Ohne schlüssigen Plan handelte Sportdirektor Bruno Hübner. (Julian Franzke im Kicker)
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Frankfurt brennt! Keine Punkte, keine Taktik funktioniert, ein Bruchhagen-Nachfolger als Sportvorstand ist nicht in Sicht, Hauptsponsor Alfa Romeo steigt aus, die Fans randalieren wieder, und die Trainerdiskussion beginnt auch schon. (Axel Hesse in Sport-Bild)
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Vehs Gezeter (…). Andere interpretierten den Ausbruch des Trainers als populistischen Versuch, von eigenen Schwächen abzulenken. (…) Der Hinweis auf fehlende Qualität in der Mannschaft kommt bei Veh immer, wenn es nicht läuft. Spieler besser zu machen, Talente zum Beispiel, wäre die Aufgabe des Trainers. Veh, der Genießer, wirkt aber immer ein bisschen beleidigt, wenn die Spieler seine Erwartungen nicht erfüllen. (Tobias Schächter bei SZ-Online)
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»Guardiola hat 2013 eine Mannschaft übernommen, die das Triple gewonnen hatte, die nicht überaltert war und für die er seitdem für 200 Millionen Euro Spieler holen konnte. Wenn da nicht eine Mannschaft rauskommt, die andere an die Wand spielt, wann dann?« (Felix Magath im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Fernsehauftritte, bringen die viel? – »Das ist Schmerzensgeld. Mich nervt die Besserwisserei der Leute, deren totale Ironiefreiheit. Ich gehe nur hin, wenn ich ein Buch promoten kann, da bin ich eine Mediennutte.« (Publizist Henryk M. Broder über Talkshows / aus der »Reden wir über Geld«-Interviewserie der Süddeutschen Zeitung)
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Den Briten (…) ist die deutsche Willkommenskultur als Tugendprahlerei suspekt. (…) Deutschlands humanes Gesicht erscheint den anderen als die naive Miene eines Trottels. (Romain Leick in einem Spiegel-Essay)
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Was hatten Sie von Deutschland erwartet, als Sie 2002 hierherzogen? – »In der Tat deutsche Gründlichkeit. So wie Sie, Sie Bastarde, britische Höflichkeit erwarten.« (der britische Dirigent Simon Rattle im Spiegel-Interview)
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»Ich verehre Dieter Bohlen. Der ist vollkommen rücksichtslos und ein großer Denker.« – Äh…? – »Wenn ich bei Karl Kraus nichts finde, bediene ich mich bei Bohlen. Von ihm stammt: ›Das Problem ist: Mach einem Bekloppten klar, dass er bekloppt ist.‹ Genial.« (Broder/SZ)
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»Weniger als sechs Stiche gelten hier fast als Schwalbe.« (Leicesters deutscher Profi Robert Huth, der in einem Match genäht werden musste und 80 Minuten lang mit Turban spielte / gelesen im Kicker)
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»Formfleisch« nennt der Kurator (…) Jörg Scheller das Material des Bodybuilders. (…) Gleich einem Künstler schaffe der Muskelmann sein Werk nicht auf einen Zweck hin, und das unterscheide ihn vom Ringer, Gewichtheber oder Kugelstoßer (…), darum handele es sich (…) nicht um einen Sport, sondern um eine Kunstform. (…) Aus den Oberarmkeulen wuchern feinst definierte Buckel, und die Taille schrumpft zu einem schmalen Nichts, auf dem der V-förmige Rumpf balanciert, überwölbt von kopfgroßen Brustmuskeln, dem stählernen Männerbusen. (Sven Behrisch in der Zeit über die Ausstellung Kunst und Bodybuilding in Zürich)
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Mehr als 120 Kilogramm wiegt er mittlerweile, obwohl er den Körperfettanteil auf unter zehn Prozent gedrückt hat. Wie ein glänzend braun lackierter Klumpen Stahl kommt Wiese daher, und er ist stolz auf seinen muskelbepackten Körper. (Lutz Wöckener in der Welt am Sonntag über Tim Wiese, Ex-Nationaltorwart, jetzt Bodybuilder und als Profiwrestler im Gespräch)
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Dass in Hollywood fast niemand mehr die Stirn runzeln kann, ist vor allem sein Verdienst. (Spiegel in einem Nachruf auf den Promi-Schönheitschirurgen Fredric »Doktor Botox« Brandt) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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