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Sonntag, 13. Dezember, 6.40 Uhr

In den Meldungen der Nacht dominieren die Stimmen zum Klimagipfel und zur EM-Auslosung. Vom Klimagipfel heißt es, sein Ergebnis sei epochal. Von der Auslosung weiß ich, sie ist wurstegal. (Natürlich kein) Hammerlos,  (natürlich wieder ein) Glückslos? Das übliche Gerede, weil’s sonst nichts zu bereden ist. Zumal, seid es austarierte Lostöpfe gibt. Daher kommen Gruppen heraus mit einem Favoriten (Deutschland) und einem Konkurrenten (Polen), die beide weiterkommen sollen, sowie mit einem gefährlichen (Nordirland) und einem echten (Ukraine) Außenseiter. Losbusiness as usual, und was Löw schon vorher gesagt hat, plappere ich hinterher nach: Die Auslosung interessiert mich nicht.

Übernehme ich vielleicht in die Montagsthemen. Hab ja sonst nicht viel auf dem Zettel. Genauer gesagt: noch gar nichts. Noch genauer gesagt wäre es, “genau gesagt” zu sagen, denn genau gehört zu den Wörtern, die nicht zu steigern sind, aber das kommt nicht auf den Zettel. Zu Klimagipfel/Lostopf, falls ich’s übernehme, sollte ich anhängen, dass sie eine Gemeinsamkeit haben: Großes Brimborium, aber was wirklich drin steckt, zeigt sich erst, wenn und wie das Beschlossene umgesetzt wird. Dazu die realphilosophische “Wichtig ist”-Einschätzung aus Politik (sichere Quelle: Helmut Kohl) und Fußball (unsichere Quelle: Adi Preißler): “… was hinten rauskommt/auf dem Platz”.

Unter den Meldungen der Nacht ist noch kein Nowitzki-Ergebnis zu finden. Nur, dass die Siegesserie des Curry-Klubs gerissen ist. Das war nun wirklich mal eine Serie, nicht so eine, die einfallslose Redakteure aus Dallas-Spielen machen, nach zwei Siegen/Niederlagen hintereinander beginnt bei ihnen schon die Serie.

Gerissen ist auch die echte Siegesserie der deutschen Rodler. Beim Schlittenfahren fällt mir der Brief von Barbara Tomsch aus Reichelsheim ein. Sie schreibt drei- oder vier Mal im Jahr einen handgeschriebenen Brief, in einer Handschrift, die ich gerne hätte – meine Sauklaue kann ich oft schon Sekunden nach dem Schreiben nicht mehr entziffern, da gehen mir manchmal Themen oder Gags durch die Lappen, gestern notiert, heute vergessen, morgen nicht zu erinnern, da nur noch Hieroglyphen.

Ha! Das Wort schreibe ich noch einmal: Hieroglyphen. Hab nämlich soeben das gemacht, worauf ich im Blog normalerweise verzichte, und nachgeschaut, ob ich es richtig geschrieben habe. Ja! Hieroglyphen, Hieroglyphen.

Warum? Wieso? Ach so, Rodeln, Leserbrief. Kommt nicht in die Mailbox, da keine Mail. Aber diese hübsche Reminiszenz schreib ich schnell ab: “Noch kurz was zum Schlittenfahren: ‘Bahn frei, Kartoffelbrei!’ haben wir auch gerufen, als meine Spielkameraden und ich hinter dem Haus von Bauer Lebaux (‘Lebbo’ uff hessisch) in die ‘Vorstadt zum Garten’ runtersausten. Immer haarscharf am Eingang von Bäcker Jünger vorbei!”

Wieder einmal über die Verfertigung der Kolumne beim Blogschreiben: Ich wollte mich eigentlich fragen, ob ich “Bahn frei, Kartoffelbrei” kürzlich erwähnt habe und sich die Leserin darauf bezieht, oder ob der Rodel-Spruch kindliches Allgemeingut war bzw. ist, also einfach weiter sonntagfrühmorgens vor mich hin blogbrabbeln. Da ich aber beim Abschreiben auch noch einen anderen Satz sehe (“Nachdem ich mich bei einer Tasse starkem Kaffee vom Artikel über den AfD-Parteitag erholt habe, sind Ihre Montagsthemen eine Wohltat fürs Gehirn und Gemüt!”), kommt das auf den Themenzettel für die gleich zu schreibende Kolumne. Wir riefen “Bahn frei, Kartoffelbrei” nicht hinter dem Haus von Bauer Lebbo, sondern auf der “Todesbahn” hinter dem Friedhof. Diese Notiz für die Montagsthemen vergesse ich nicht, da sie im Blog leicht zu entziffern ist. Der Stein(es)bruch ist der ideale Zettelkasten.

 

 

Baumhausbeichte - Novelle