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Montagsthemen (vom 14. Dezember)

Vom Klimagipfel heißt es, sein Ergebnis sei epochal. Von der Auslosung weiß ich, sie ist voll egal. Zumal seit es sorgsam austarierte Lostöpfe gibt. Dabei kommen eben Gruppen heraus mit einem Favoriten (Deutschland) und einem Konkurrenten (Polen), die beide weiterkommen sollen, sowie mit einem gefährlichen (Nordirland) und einem echten (Ukraine) Außenseiter.
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Der Bundestrainer hat es erstaunlich unbemäntelt schon vorher gesagt: Die Auslosung ist ihm »völlig egal«. Wenn es steigerungstechnisch möglich wäre, mir diesmal sogar noch egaler, denn Platinis EM-Aufblähung, die natürlich rein sportlich und nicht korruptiv geprägt ist, gibt auch den Gruppendritten noch eine Chance. Man muss also schon Vierter von Vieren werden, um garantiert NICHT weiter zu kommen. Oder, wie die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« schreibt: »Ausscheiden ist gar nicht so einfach.«
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Klimagipfel und EM-Auslosung kommen aus einander fremden Welten und haben dennoch eine Gemeinsamkeit: Großes Brimborium bei der Verkündung, aber was wirklich drin steckt, sieht man erst, wenn und wie das Beschlossene umgesetzt wird. Dazu die realphilosophische Einschätzung aus Politik und Fußball: »Wichtig ist, was hinten rauskommt« (sichere Quelle: Helmut Kohl) beziehungsweise »… auf’m Platz« (unsichere Quelle: Adi Preißler).
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Einander fremde Welten können verblüffende Gemeinsamkeiten aufweisen. Dazu eine »Wer bin ich?«-Frage außer Konkurrenz, ausschließlich mit »Spiegel«-Zitaten. Er ist »eine Legende, schrieben euphorische Sportreporter«, von »speziellem Charakter war viel die Rede«, und »eine Seele habe er auch«. Leider leidet er jetzt unter den »Folgen eines besonders strengen, in Holland verbreiteten Trainingsstils«. – (Immer wieder dieser van Gaal!) – »Wie lange hält« man »das durch«? Denn er »glänzte gelegentlich«, war aber »immer wieder monatelang verletzt«. Daher »sagt sein Körper klar: Es ist genug.« – Nein!, rufen Löw und ich und drei Viertel Deutschland unisono. Wir wissen erinnerungsselig, was wir an ihm haben, obwohl wir sportsachlich wissen, dass das Verb »haben« im Imperfekt stehen müsste.
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Aber ist der Gesuchte wirklich unser Bastian Schweinsteiger? Letzte Hilfestellung: »Er wird Deckhengst bleiben, wenn die Gesundheit es zulässt, er muss ja Geld verdienen, aber der Preis für sein Sperma ist gefallen«. – Ach so. Totilas. Wär’ jetzt zu leicht für »Wer bin ich?«.
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Anderes Thema. In der NBA ist die Siegesserie der Golden State Warriors gerissen. Das war nun wirklich mal eine echte Serie, nicht so eine, die manche Redakteure schon nach zwei Siegen oder Niederlagen dem Nowitzki-Klub Dallas anhängen, der jetzt wieder »im zweiten Spiel hintereinander verloren« hat. Demnächst beginnt die Serie schon, wenn man im ersten Spiel hintereinander verliert.
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Gerissen ist aber eine noch längere echte Siegesserie als die des Curry-Klubs – die der deutschen Rodler, mit denen die Amis plötzlich Schlitten fahren. Nur US-Heimvorteil? Könnte sein, wie ich aus eigener leistungsrodlerischer Vergangenheit weiß. Kürzlich berichtete ich davon und welchen Warnruf ich vor dem Start in die Menge schrie. Ich dachte, dieses Alarmsignal sei eine regional begrenzte Eigentümlichkeit aus Gießen-Nordwest. Doch jetzt schreibt Barbara Tomsch aus Reichelsheim: »›Bahn frei, Kartoffelbrei!‹ haben wir auch gerufen, als meine Spielkameraden und ich hinter dem Haus von Bauer Lebaux (›Lebbo‹ uff hessisch) in die ›Vorstadt zum Garten‹ runtersausten. Immer haarscharf am Eingang von Bäcker Jünger vorbei!«
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Aha. Der Kartoffelbrei ist zumindest hessisches Allgemeingut. Ich warnte vor ihm allerdings nicht  hinter dem Haus von Bauer Lebbo, sondern hinter dem Friedhof auf der »Todesbahn« (Nomen est Omen). Seitdem weiß ich: Wer oben »Kartoffelbrei« ruft, kommt immer unten an. Mal mit, mal ohne Schlitten. Dann auch  als gefühlter Kartoffelbrei.
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So. Und nun habe ich nur noch für viele überaus freundliche Worte und Wünsche herzlichst zu danken, die in der vorweihnachtlichen Post zu finden sind. Auch von  unserer rodelnden Reichelsheimer Leserin: »Nachdem ich mich bei einer Tasse starkem Kaffee vom Artikel über den AfD-Parteitag erholt habe, sind Ihre Montagsthemen eine Wohltat fürs Gehirn und Gemüt!« – Aber ist danach nicht alles andere sowieso eine Wohltat fürs Gehirn und Gemüt? (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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