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Sport-Stammtisch (vom 12. Dezember)

Mancher päppelt sich mit Pillen, einige wenige vertrauen auf körpereigen produzierte Glückshormone. Gemeinsam ist allen das Streben nach sportlichem Erfolg. Der wird dann aber unterschiedlich bewertet … keine Angst, es folgt keine Doping-Kolumne, denn: … In Leverkusen kriselt und kracht es, weil der Pillen-Werksklub in jene Europa League muss, in der Augsburg bleiben darf, was dort die Korken knallen lässt. Für die einen geschäftsschädigend, für die anderen eine helle Fußball-Freude. Leverkusen funzelt, Augsburg leuchtet. Demnächst Manchester United? Ein Traum!
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In Augsburg wird kontinuierlich gearbeitet und selbst in höchster Abstiegsgefahr nicht gepanikt. Das Gegenmodell also für einen Verein, in dem traditionell entweder traumgetanzt oder gepanikt wird. Dieser Klub kommt nicht aus Darmstadt, das eher an Augsburg erinnert, auch nicht aus dem geografisch benachbarten Mainz, das aber ebenfalls fußballerisch näher bei Augsburg liegt. Beim dortigen FCA besingen sich die Fans »im Herzen dieser schönen Stadt« als die »wunderbarsten Fans, die nicht ein jeder hat«. Fans, die nicht jeder hat, kann auch Eintracht Frankfurt vorweisen, doch das Attribut »wunderbar«, das ihnen der Verein und sie sich selbst gerne zuschreiben, kommt Beobachtern von außen – und den Knöllchenschreibern der  DFL – selten in den Sinn, da das Ansehen der Fans von den chaotischsten unter ihnen geprägt wird.
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Viel Lob gab es für die »sensationelle Choreo« vor dem Derby. Ich muss zwar bei derartiger Massenfunktioniererei, selbst bei »La Ola«, unangenehm berührt an nordkoreanischen Gleichschritt oder nazistische Lichtdome denken, aber das ist wohl nur eine wunderliche Marotte von mir. Hoffentlich keine Marotte, sondern mehrheitsfähig: Dass einige Ultras auf der Tribüne Fahnen abfackelten, ist ein krimineller Akt von Wahnsinnigen, der eine Panik hätte auslösen können. Um so unverständlicher, dass Präsident und Trainer des Vereins sogar »Verständnis« zeigten und nur milde den Zeigefinger hoben, dass man ganz so weit auch im Frust nicht gehen dürfe. Kuschen vor den Ultras? Dann kuschelt doch gleich mit ihnen!
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Wenn die Eintracht morgen in Dortmund bestehen will, müsste Armin Veh mächtig mauern lassen (oder gerade nicht, aber der sportliche Gedanke passt mir jetzt nicht ins sprachliche Bild). Mauern lassen kann er, was in seiner Heimatstadt Augsburg (ja!) zu besichtigen ist. Dort ließ er eine klotzige und vier Meter hohe Mauer um sein Grundstück bauen, was viel Wirbel verursacht hat. Solche Mauern sieht man nur vor Gefängnissen, aus denen keiner rauskommen soll, oder rund um Promi-Häuser, in die kein Schaugieriger reinglotzen oder sonstwie nerven soll. Was nachvollziehbar ist. Wie angenehm, kein Promi zu sein!
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Zur aktuellen Lage eine sachliche Anmerkung: Wenn eine Mannschaft im Lauf einer Saison erst gute Ansätze zeigt und dann kontinuierlich schlechter wird, hat sie ein Trainerproblem (siehe Skibbe oder einst Körbel). Den Trend zu stoppen, ist trainingstechnisch mitten in der Saison sehr schwierig (Hoffnung: Winterpause) und gewiss nicht durch Zukäufe limitierter Art (andere sind finanziell nicht möglich) machbar.
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Und nun zu einem ganz anderen Thema. Für den neuen Boxweltmeister Tyson Fury gehören Frauen »in die Küche oder auf den Rücken«. Auf solchen prolligen Chauvi-Quatsch sollte man eigentlich gar nicht eingehen, so wenig wie auf Furys homophobe Sprüche – wenn er nicht mit seinem Frauenbild Traditionen des Sports fortsetzen würde. Das wurde mir klar, als ich für den »Anstoß« vom Donnerstag (»Die Olympische Idee«) ins Archiv ging und aparten Beifang rausfischte. So behauptete Pierre de Coubertin vor hundert Jahren: »Olympische Spiele sind ein Ausbund männlicher Athletik, und der Beifall der Frauen ist deren Lohn.« Das waren noch Zeiten! Selbst englische Sportwissenschaftlerinnen sahen das damals ähnlich: »Es gibt auf der Welt keine bessere Übung zur Körperertüchtigung, als einmal tüchtig den Tisch zu schrubben.« Da waren sogar wir in Deutschland emanzipationsfreudiger: Bei einem Fahrradrennen 1904 in Berlin durften auch Frauen teilnehmen. Die Besten standen sogar in der Zeitung. Allerdings nur mit Vornamen, weil »es ihren Familien unmöglich angenehm sein kann, wenn ihre Namen in dem Bericht öffentlich genannt werden«, meinte die Redaktion.
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Die Zeiten haben sich geändert. Aber nicht immer zu ihren Gunsten. Beziehungsweise zu meinen. Mir und oft auch meiner Familie wäre es angenehmer, wenn über dieser Kolumne nicht, wie seit einigen Jahren praktiziert, der volle Name öffentlich genannt würde, sondern hinter ihr nur das alte Kürzel stünde:  (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle