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Ohne weitere Worte (vom 8. Dezember)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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An die Pfeife dürfen seit über 50 Jahren in der Bundesliga ausschließlich Männer. (…) Während also die Wirklichkeit im Männer-Fußball ihre ganz eigene Gender-Sprache spricht und Pep Guardiola Frau Steinhaus an der Seitenlinie ungestraft betatschen darf, kann man sich des Eindrucks nur schwer erwehren, dass mit dem harten Urteil an einem weitgehend unbekannten Profi auch ein Exempel statuiert werden soll. (Michael Horeni in der FAZ)
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Auf dieser Welt muss man mit allem rechnen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Wochen nach Paris ein Unbekannter in einem Stadion alle Sicherheitsfronten durchbricht, aufs Spielfeld rennt, auf einen der besten Fußballer der Welt (Anm.: Thomas Müller) losstürmt und dabei nicht erschossen wird, galt bis Samstag als höchstens halb so groß wie die, dass der Papst evangelisch wird. (Oskar Beck in der Welt)
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Auf den Terror des »IS« folgt zuverlässig der Terror von ARD und ZDF und ihrer sogenannten Experten.(…) Am beliebtesten sind dabei Schaltungen von Moderatoren, die nichts wissen, zu Reportern, die noch weniger wissen, aber mit Augenzeugen sprechen, die überhaupt nichts wissen. Den gespenstischen Anblick der ungeschminkten Katrin Müller-Hohenstein nach der Länderspielabsage in Hannover werden wir niemals vergessen können. (aus »Zipperts TV-Welt« in der Hörzu)
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Alfons Hörmann (…) bemerkt eingeschnappt, dass die olympische Idee und Deutschland im Moment wohl nicht zusammenpassen (…). Dabei dürfte eher die olympische Idee das IOC verlassen und alles Leben mitgenommen haben. Olympia ist Zombie-Land geworden, eine Welt der Untoten. (Volker Heise in der Frankfurter Rundschau)
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Manches spricht sogar dafür, dass die olympische Idee ganz und gar auf die Mittel und Zwecke eines Schurkenstaates zugeschnitten ist; dort gibt es erstens die geschulten Polizeikräfte, zweitens das gesteigerte Repräsentationsbedürfnis und drittens die notwendige Wurschtigkeit im Umgang mit Dopingmitteln. (…) Die Hamburger haben nicht aus Geiz (wie ihnen unterstellt wird) auf die Spiele verzichtet, sondern aus Altruismus. (»Das Letzte« von »Finis« in der Zeit)
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Hängen geblieben ist an Hummels außerdem, dass einer, der an guten Tagen auf dem Platz einen gewissen Beckenbauer-Swing hat, der rhetorisch recht gewählt daher kommt und den Frauen in Umfragen auch noch zum bestaussehenden Spieler der Nationalelf (und überhaupt) wählen – dass so einer doch einfach ein arroganter Pinsel sein muss. (SZ online)
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Die bösen Medien. Wo bleibt die Einsicht, eigene Fehler gemacht zu haben? – »Ich kenne kaum jemanden, der selbstkritischer ist als ich.« (Mats Hummel im Kicker-Interview)
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Ich selbst finde den Spot mies. Die Tränendrüse aktiviert, um ein paar Magerquark mehr zu verticken. Marketing-Fuzzis kolonialisieren die letzten Inseln aufrichtiger Gefühle. (Alard von Kittlitz in der Zeit zum Edeka-Werbespot)
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»Mein Vater (…) wollte, dass ich die Kneipe übernehme.« – Auch keine schlechte Idee. – »Doch, da musst du mittrinken. Ich wollte das nie, das nannte mein Vater geschäftsschädigend. Also habe ich mitgemacht. Manchmal hatte ich 24 Cognac intus. Das hat mir für mein Leben gereicht.« (Schauspieler Michael Gwisdek im FAS-Interview)
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Sie waren selbst mehrmals ganz unten, haben aber immer wieder neu angefangen. Es gibt ein großartiges Gedicht von May Sarton über den Phoenix. »Ob du es glaubst oder nicht / schwingt sich der Phönix auf mit Macht / über das Trauermeer ans Licht.« – »Verarschen Sie mich? Sie wollen mir dieses verdammte Gedicht vorlesen?« (Schauspieler Joaquin Phoenix im SZ-Interview)
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»Vor dem Gespräch kam der Regisseur (…) zu mir und sagte: ›Du musst eigentlich nur eins wissen, und daran denkst du bei jedem Interview, egal wer dir gegenübersitzt. Denk immer: Dieser Journalist ist das größte Arschloch, das mir je begegnet ist.‹ (Hape Kerkeling im Spiegel-Interview über einen Rat vor seinem ersten Interview, den er immer noch befolgt) (gw)
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(www.anstoss-gw.de gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle