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Sonntag, 6. Dezember, 6.25 Uhr

Aaaach sooo! Erst beim Schreiben des Datums für diesen Sonntagfrühmorgenblog geht mir ein Licht auf. Eigentlich gleich zwei, denn heute ist ja auch zweiter Advent. Also: Ich wanke hinunter ins Arbeitszimmer, mache das Licht an, und da steht mitten auf dem Schreibtisch ein Stiefel von mir. Drin: ein großer Schokoladen-Nikolaus und anderes Schoko-Leckeres. Noch halb im Schlaf denke ich: Ist ja lieb. Denn seit ich, kleiner Selbstversuch, abends statt Alkohol zu trinken Schokolade esse, bin ich immer knapp an Stoff. Aber warum im Schuh? Weil’s so albern ist wie ich es bin? Jedenfalls freue ich mich und denke nicht weiter darüber nach … und dann schreibe ich das Datum. Aaaach sooo!

Bei dem Stichwort Nikolaus denke ich immer an Polts Nikolausi. Auch an die schaurigschöne Geschichte, die er mal erzählt hat. Habe ich sie nicht irgendwann irgendwo zitiert? Wozu habe ich mein E-Archiv. Ich klicke rein, gebe “gw”, “Polt” und “Nikolaus” ein … einen Moment bitte …. aha, ist ja gar nicht so lange her. Ich beame den  Textteil  aus einem nur ein Jahr alten “Anstoß” in den Blog, voila:

  …  Noch mal zum »Stinkstiefel«. Schönes, altes, böses deutsches Wort. Auch seine Synonyme haben es in sich: »Kotzbrocken« oder »Widerling«. Offenbar benötigt die deutsche Sprache keine Lehnwörter, um Fieslinge zu kennzeichnen. Auch das ein urdeutsches Wort, »fies« kommt von »vist«, das mein mittelhochdeutsches Wörterbuch mit dem lateinischen »crepitus« übersetzt. Warum das? Neugierig geworden, schlage ich im lateinischen Schulwörterbuch nach, das weniger großtantenhafte Umstände macht: »crepitus« = »vist« = »fies« = »Knall, Blähung« = Furz. Jetzt weiß ich auch, wie Hape Kerkeling auf sein legendäres »Hurz!« kam (ich könnte mich immer noch ausschütten) – weil es eine Verarschung war.   *   Keine Verarschung: Aus Rücksicht auf die Gefühle von Muslimen entfernt Real Madrid das christliche Kreuz aus seinem Logo. Zwar nur im arabischen Raum, aber immerhin auch auf der gemeinsamen Kreditkarte mit dem neuen Real-Großsponsor »National Bank of Abu Dhabi«, die auch als Real-Mitgliedsausweis dient. Real ist sogar Wiederholungstäter: Der Klub wollte vor Jahren in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein milliardenteures ›Real Madrid Resort Island‹ bauen und dort in vorauseilender Unterwerfung das christliche Kreuz aus seinem Wappen entfernen. Mein Kommentar damals: »Geld stinkt nicht? Geld betet nicht.«    *    Zum Schluss eine Einstimmung in die Adventszeit und alte Nikolausbräuche. Gerhard Polt erzählte im letzten Jahr im SZ-Magazin-Interview, weit abseits seines »Nikolausi«-Sketches, wie er als Kind vom Nikolaus in den Sack gesteckt wurde: »Ich war irre vor Angst und habe geschrien. Es gab ein furchtbares Gelächter. Der Nikolaus – das war der Metzgergeselle aus Altötting – fand das toll, und die anderen fanden das auch toll, und dann die Idee, den Sack auch noch im Schweinestall aufzuhängen – die waren begeistert! Die fanden das alle sehr komisch. Ich kann leicht darüber reden. Aber das wird, solange ich lebe, hängen bleiben.«    *    Gruselig. Das arme kleine Gerhardchen. Humor ist nicht nur Glücksache, sondern manchmal auch Körper- und Seelenverletzung. Humorbolzen im Sinne des Altöttinger Metzgersellen sind … Stinkstiefel, Kotzbrocken, Widerlinge, Fieslinge. Hurz

Fein. Das kann ich auch als Material für die “Montagsthemen” nutzen. Habe ja erst gestern abend nachgelesen, woher das Wort “Schlitzohr” kommt, weil ich etwas über die armselige, kindische Unsportlichkeit des Augsburger Torhüters anmerken will. Außerdem habe ich noch beim Fußballgucken notiert: Schiedsrichter, Frauen, Senioren, Segway, Loratta Lynn (was soll das? Ach so, ich weiß es wieder) / Trainer, Lehmann, Schubert, Guardiola / Prognose: Halbfinale raus, Guardiola weg, Hoeneß da (oha, lehnt sich weit aus dem Fenster, der Herr!) / Gladbach schlägt Bayern, das ist so ungewöhnlich, als würden die Amis beim Rodeln mit den Deutschen Schlitten fahren (aha! Hab ich für den Ein- oder Ausstieg notiert).

Na, das reicht ja schon fast für die Kolumne. Prima, da muss ich meinen Kopf nicht weiter quälen, denn der ist ziemlich leer. Letzte Woche sechs Kolumnen geschrieben, neben Montagsthemen, Ohne weitere Worte und Sport-Stammtisch auch die WBI-Runde sowie die Nach-Lese fürs Feuilleton und einen progressiven Alttag (“Mein Name ist Blond. Hellblond”/erscheint nächsten Samstag, daher stelle ich den Text erst später online) für die KKK-, Nikolausi- und überhaupt Allerbeste. An der “Schuld”-Nach-Lese habe ich besonders lange gebastelt, der Text hätte viel länger sein sollen, ich musste viel, mindestens die Hälfte, weglassen oder kürzen, denn er musste ja einigermaßen im Layout-Rahmen bleiben.

Wie leer und müde der Kopf noch ist, beweist hoffentlich nicht dieser Blogtext. Jetzt FAS (ah, Nikolaus auf der eins!), SZ von gestern. Und KKK. Mit viertem dicken K.

 

Baumhausbeichte - Novelle