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Montagsthemen (vom 7. Dezember)

Das große Staunen. Gladbach gewinnt gegen die Bayern, das ist ja … ist ja so … mir fällt im Moment kein treffender Vergleich ein.
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Auch wenn jetzt künstlich Spannung erzeugt und herbeigeschrieben wird, bleiben die nationalen Konsequenzen eher unerheblich. Die Konkurrenz weiß, dass sie keine ist. Niemand kann den Bayern ein Bein stellen, höchstens sie selbst. Was ihnen diesmal auch gelang, indem sie im ersten Abschnitt mehr zwingende Torgelegenheiten vergaben, als der Gegner in Halbzeit zwei an Allerweltschancen nutzte.
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Fatal könnte die Schlappe nur international werden, als Fanal, dass die Überbayern zwar nicht saisonfristig in der deutschen Punkte-Liga, aber schlagartig in der europäischen K.o.-League zu knacken sind. Dazu hänge ich mich mal weit aus dem Fenster: Halbfinale raus, Guardiola weg, Hoeneß ans Ruder zurück. Falls nicht … vergessen wir’s.
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So schwach die Bayern, so großartig die Gladbacher (was ja auch immer irgendwie zusammenhängt), und noch sensationeller die Bilanz ihres Trainers. Dazu passt wie die Faust aufs Auge: Nach anderen alten Kämpen (zuletzt Mehmet Scholl) ätzte vor ein paar Tagen via »Bild« auch Jens Lehmann gegen Trainer, »die nie auf hohem Niveau« gespielt haben, während »große Spieler in die 2. Liga gehen müssen oder keinen Trainer-Job bekommen«. Eine seltsame Ansicht, sehr fußballspezifisch, denn in anderen Sportarten spielen frühere Referenzen als Aktiver so gut wie keine Rolle für das Anforderungsprofil eines Trainers.
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In der Praxis auch im Fußball nicht (siehe Klopp, Mourinho), sondern vor allem in der Theorie beleidigter alter Kämpen. Das internationale Ass Pep Guardiola spielte elf Jahre bei Barca, während André Schubert als Spieler über Rothwesten, Lohfelden, Wolfsanger, Vellmar bis Baunatal durch die Provinz tingelte. Außerdem: Zählten nur frühere Verdienste, wäre Maradona Argentiniens bester Nationaltrainer aller Zeiten gewesen – und nicht der allerschlechteste.
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Passt wie die Faust aufs Auge? Ja, das passt immer. Denn seltsamerweise wird das Sprachbild sowohl für »prima« als auch für »überhaupt nicht« benutzt. Auch »Schlitzohrigkeit« gilt je nach Geschmack als mit Augenzwinkern bedachte sympathische Cleverness oder als fiese miese Stinkstiefeligkeit. Fragen Sie nur mal die Freunde des 1. FC Köln und des FC Augsburg, wie sie die armselig kindische Unsportlichkeit des FCA-Torhüters einschätzen mit seiner buchstäblichen Stinkstiefelaktion (meine Version) am Elfmeterpunkt.
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Da der Strafstoß unberechtigt war, könnte man es als ausgleichende Gerechtigkeit bezeichnen, dass der Kölner Schütze auf dem vom Augsburger Torwart mit dem Stiefel gebuddelten Loch ausrutschte. Aber im Gegensatz zur doppelten Verneinung, die eine verstärkte Bejahung bedeutet, bringt doppeltes Unrecht keine höhere Gerechtigkeit, im Fußball nicht, und im Leben erst recht nicht. Aber schön wär’s.
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Schön wär’s auch, wenn die quatschige »Frauen haben im Männerfußball nichts verloren«-Aufgeregtheit keine wäre. Dass der am Pranger stehende Profi sogar eindeutig recht hat, mag albern klingen, ist aber wortwörtlich logisch, denn andernfalls wäre es kein Männerfußball, sondern – nur Fußball. Sportlich logisch wäre, wenn das Geschlecht überhaupt keine Rolle spielte, sondern nur die Qualifikation. Dazu gehört auch die sportliche, denn 90 Minuten auf Ballhöhe verlangen eine erstligareife Kondition. Da kann gendernde Inklusion keine Alternative sein. Aber die bestehende ungeschriebene (Geschlecht) und geschriebene (Altersgrenze) Regel ist echte Diskriminierung. Wer die Qualifikation hat, sollte pfeifen dürfen, egal ob Frau oder Senior. Gerne auch Seniorin. Fit genug sind heutzutage viele von ihnen.
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Eine andere Frauen-Diskussion wäre sachdienlicher: In den Top-Ligen arbeiten zwar viele Senioren als Trainer, aber keine Frauen, und dafür gibt es nun überhaupt keine sportlichen Gründe, sondern nur verkrustete Vorurteile in Männerhirnen. Ich jedenfalls lasse mich nicht nur gerne, sondern ausschließlich von einer Frau trainieren. Fürs tägliche Leben. Mit allerdings bescheidenem Erfolg.
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… ich hab’s: Gladbach gewinnt gegen die Bayern, das ist ja so, als würden amerikanische Rodler mit den deutschen Assen Schlitten fahren! – Upps! Bitte weiterblättern. Unmögliches wird heute im Sportteil doppelt möglich gemacht. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de

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