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Damen-Troika (“Wer bin ich?” vom 3. Dezember)

Mit der Überschrift als Hilfestellung haben wir schon einmal die Hälfte der Weltbevölkerung ausgeschlossen. Es stehen aber noch einige Menschen weiblichen Geschlechts zur Auswahl, und die dürfte als letzte auch zu den schwierigeren der »WBI«-Runden des Jahres 2015 zählen. Die drei gesuchten Frauen kommen aus unterschiedlichen Milieus und Gegenden, sind durchaus vom Sport geprägt, aber nicht durch ihn bekannt geworden. Überhaupt: bekannt. Wenn ich jetzt die Namen von A, B und C schreiben würde, wäre für den Leser vermutlich nur jeweils ein Name ein selbstverständlicher Begriff – und zwar für jeden ein anderer. Wer A kennt, hat vielleicht von B oder C nie etwas gehört, wer C liebt, könnte B nicht kennen, wer B mag, hat von A womöglich nur den Hauch einer Ahnung.
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A: Ich war in meinem Heimatland Vizemeisterin und Mitglied der Nationalmannschaft. Der Sport hat mich geprägt, durch ihn habe ich gelernt, die Zähne zusammenzubeißen und zu lächeln, auch wenn mir nicht danach zumute ist. Meine Sportart gilt als typischer Frauensport, dabei war er zu Beginn den Männern vorbehalten, was kaum jemand glauben mag und heutzutage einigermaßen absurd wirkt.
Sportliche Disziplin lege ich auch an den Tag, wenn ich es mit Chauvis zu tun habe. Im Job bin ich die Nachfolgerin eines besonders üblen Typen dieser Art. Ich komme mit allen gut zurecht, zuletzt auch mit jenem attraktiven Charmebolzen, den die Frauen so lieben und die Männer am liebsten auf den Mond geschossen hätten. Ob ich denn kein Herz habe, hat er gefragt. Doch, war meine Antwort: Ein Herz für arme Kinder in Afrika, aber nicht für jammernde halbreiche Europäer. Mein Freund W. hat sich köstlich amüsiert.
Manche behaupten, dass mich Machos nicht beeindrucken könnten, läge daran, dass ich selbst einer bin. Einer dieser Männer, ein besonders umtriebiger, hätte mich aber beinahe in die Bredouille gebracht, es gab sogar eine Hausdurchsuchung, aber ich bin mir keiner Schuld bewusst, habe meinem Land sogar einen Dienst erwiesen. Die ganze unangenehme Chose hatte übrigens etwas mit Sport und mit Ihrem Land zu tun, beziehungsweise mit einer deutschen Weltfirma, deren Name auch in anderen Affären immer wieder auftaucht.
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B: Auch ich bin eine ganz »Taffe«. In der Schule haben mich türkische und arabische Jungs »Ausländerschwein« geschimpft – aber denen habe ich es gezeigt. Mein Vater hat mir beigebracht, wie man die verdrischt. Immer in die Leber! Mein Sport ähnelt dem von Frau A, allerdings nicht »elementar«. Ich war sogar etwas erfolgreicher als sie, wurde zwei Mal deutsche Juniorenmeisterin und hatte Olympiachancen. Doch dann bekam ich Knieprobleme, außerdem hingen mir sechs Stunden Training am Tag und die elende Hungerei zum Hals heraus. Einmal stand ich im Eisladen, wollte mir eine einzige Kugel gönnen, als ich meine Trainerin kommen sah. Ich habe vor Schreck das Eis in meine Jackentasche gesteckt. Schon mit 14 beendete ich meine Karriere, keine Seltenheit in meinem Sport. Diese Schinderei ist ja auch nicht menschlich. Mein Kind würde ich jedenfalls nie zum Leistungssport schicken.
Heute kennen mich durch das Fernsehen mehr Menschen, als meinen Namen schreiben können. Na ja, vielleicht sollte ich hinzufügen: durch das Privatfernsehen. Beinahe hätte ich es vergessen: Nach dem Abi und vor dem Fernsehen habe ich drei Semester Literatur studiert. Auch war ich an einer Kunst-Aktion beteiligt, als es um die existenzielle Frage ging: Kahn oder Lehmann?
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C.: So tough wie A und B bin ich schon lange. Allerdings kann ich nicht ihre sportlichen Erfolge vorweisen, denn ich habe erst mit 18 begonnen, etwas für meine Fitness zu tun – da waren die beiden anderen schon sportliche Jungrentnerinnen. Ich aber bin seitdem fast jeden Tag aktiv, habe sogar schon einige Halbmarathons absolviert und gebe gerne und oft Fitnesstipps. Dabei arbeite ich auch mit einer Firma zusammen, die ähnlich wie die von A erwähnte Weltgeltung hat und ebenfalls ein hässliches Problemchen hat. Apropos hässlich: Da ich mich früher immer fett und hässlich gefühlt habe, ist mein Motto heute: Lieber fit als dünn. Ganz so, wie ich bin – nämlich stärker als viele Männer. Ich bin sehr stolz auf meine gute Form. Mein Körper ist ein Krieger! Bei mir taugt er aber auch gut zum Resonanzkörper. Davon kann man sich demnächst in Hessen überzeugen.
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Zum Jahresfinale sind drei Punkte zu gewinnen. Dafür gibt es genügend Bedenkzeit – Einsendeschluss ist der 15. Dezember. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle