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Ohne weitere Worte (vom 1. Dezember)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Viele Kollegen halten es für respektvoll, gegen die Ex-Klubs nicht zu jubeln. Sie taten es dennoch. – »Ich bin ja jetzt schon etwas öfter gewechselt. Wenn ich das so halten würde, könnte ich ja fast gar nicht mehr jubeln.« (Max Kruse im Kicker-Interview)
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Betrug in der F-Jugend ist eine heikle Sache, das vielleicht letzte Tabu unserer Zeit. Aber was die Knirpse aufbieten, um an die Kapitänsbinde zu kommen, ist haarsträubend. Das reicht von kleinen Geldbeträgen und Mathe-Hausaufgaben bis hin zu Star-Wars-Stickern. Da hilft keine geheime Wahl. (…) So blöd sind die Jungs nicht. (Bettina Weiguny über »Korruption für Anfänger« in ihrer Kolumne »Ein Balance-Akt« in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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»Das Bewerbungspapier, das ich ja ’98 noch irgendwann im Herbst der Fifa übergeben habe, das umfasste 1212 Seiten! Also ich kann sagen, dass ich nicht eine einzige gelesen hab’, ich hab’s getragen, und des war schwer genug.« (Franz Beckenbauer im Sky-Interview, gelesen im »Tele-Dialog« der FAS)
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Manch ein Kind lernt so das Rechnen: Weil es all seine Süßigkeiten an sieben Freunde verteilt hat, hinterher aber nur drei Stimmen erhält. Dass da ein paar fehlen, also nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist, leuchtet jedem Tropf ein. (Weiguny/FAS)
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»In der Mathematik kommt man nur voran, wenn man denkt. (…) Im Triathlon, beim (…) Training (…), muss man nicht viel denken. Das ist ein schöner Kontrast. (…) Beides zu haben, Studium und Sport, gibt Leichtigkeit und nimmt Verbissenheit. Sport ist schön und toll, aber ich will es nie dazu kommen lassen, dass der Sport das ist, was mich definiert.« (Sophia Saller, Junioren-Weltmeisterin und Mathe-Doktorandin, in der FAS)
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Waren Sie auch bereit, über Grenzen zu gehen für diese Weltmeisterschaft? – »Sonst hätten wir’s ja gar nicht geschafft! Wie hätten wir von einem Land in das andere fliegen können, ohne die Grenzen zu überschreiten? Hihi.« (Beckenbauer/Sky/FAS)
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»Der internationale Sport verkauft direkt beobachtbare Höchstleistungen und den Glauben an die nicht direkt sichtbare Dopingfreiheit bei der Erbringung dieser Leistung. Nun ist das aber ein Zielkonflikt, schließen sich doch absolute Höchstleistungen und Ehrlichkeit partiell aus. Offensichtlich sind momentan Investitionen in den Anschein von Ehrlichkeit lohnender als die Ehrlichkeit selbst.« (Prof. Eike Emrich, Sportsoziologe und Ex-Vizepräsident des DLV, im Welt-Interview)
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Coe personifiziert ein Paradoxon: Er soll den Misthaufen abtragen, auf dem sich die zu Hause fühlen, deren Stimmen er braucht. (…) Übertroffen wird dies von der Vorstellung, da übernehme es einer, den Stall des Augias auszumisten, der mittenmang dabei war, die Hinterlassenschaft zu produzieren, deren übler Geruch die Leichtathletik belastet. (Michael Reinsch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über den IAAF-Präsidenten Sebastian Coe)
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Am Wochenende ist es wieder so weit: Wintersport satt, acht Stunden Minimum, wohlgemerkt pro Tag. (…) Der Bildschirm glüht, ARD, ZDF und Eurosport lassen die Lawine los, die am frühen Morgen von einem einsamen Skilangläufer in irgendeinem dunklen finnischen Wald losgetreten wurde. (Jürgen Anhäuser in der Frankfurter Rundschau)
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Es kursieren viele wahre und falsche Geschichten über ihn. Zu den wahren gehört, dass er wegen Erpressung, Nötigung und Körperverletzung verurteilt wurde. (…) Zu den falschen gehört, dass er der Frau eines Promoterkollegen einen Zuckerstreuer hinterhergeworfen haben soll. »Es war ein Salzstreuer«, sagt Öner. (Spiegel-Autorenteam über Ahmet Öner, der dem Boxer Felix Sturm vorwirft, einen Auftragskiller auf ihn angesetzt zu haben)
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Seit 30 Jahren kürt das People-Magazin den »Sexiest Man Alive«. (…) 2015 hat kein Hollywoodstar gewonnen. Sondern ein in den USA nicht so prominenter Europäer, der früher mal mehr Sport gemacht hat und dessen Wahl mit »Romantischer Ehemann, liebevoller Vater – und er staubsaugt!« begründet wird. (…) Es ist David Beckham. (…) Schauen Sie also prüfend in den Spiegel, bevor Sie vor die Tür treten, um den Staubsaugerbeutel zu leeren. Vielleicht warten dort schon die Paparazzi. Es kann jetzt jeden treffen. (Anna Kemper »Über Sex-Appeal« in der »Gesellschaftskritik«-Kolumne im Zeit-Magazin)  (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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