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Rück-Blog (“Anstoß” vom 26. 11.)

»Sport, Gott & die Welt« begleitet und ergänzt im Internet die Zeitungs-Kolumnen von »gw«. Ab und an veröffentlichen wir im »Anstoß« Auszüge, gekürzt und leicht bearbeitet. Heute mit Fragmenten vom Herbst 2015.

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Sonntag, 27. September: Die Welt ändert sich, der Mensch ändert sich. Ich fürchte aber, dass sich die Welt in eine andere Richtung verändert als ich. Vielleicht kann man es in einem Wort zusammenfassen: Zwischentöne. Sie fehlen. Es gibt nur noch Zustimmung und Ablehnung, »Gefällt mir« und »Gefällt mir nicht«, Pro und Kontra, Gut und Böse. Ironie, Selbstironie, das Sichselbstnichtsowichtignehmen, das Wissen von der eigenen Unzulänglichkeit, das alles schwindet.

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Freitag, 16. Oktober: Beifang der Internet-Recherche zum »Anstoß« von gestern (»Unser Nobelpreis«). Bei der Suche nach Gründen, warum es keinen Nobelpreis für Mathematik gibt, stieß ich auch auf die Frage: »Wie gehen Mathematiker mit Frauen um, die unberechenbar sind?« Hier, im Blog, kann ich die Lösung verraten: Mathematiker ziehen die Wurzel aus der Unbekannten.

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Sonntag, 18. Oktober:   Klientelismus ist auch nur eine Form der Bestechung. Klientelismus hat kein griechisches Alleinstellungsmerkmal. Bei uns sind beim Marsch durch und in die Institutionen fast ebenso viele Stellen, Pfründe und Beschaffungsmaßnahmen »kreiert« worden wie in Griechenland nach Wahlen.

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Ungetwittert (27. Oktober): Marathon, Triathlon, Rad, Leichtathletik und so fort. Sind denn alle Asse gedopt? Nein. Aber alle machen etwas, das alle, die nicht wissen, was das Wort »Doping« bedeutet, Doping nennen würden.

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Ich lese, dass »Völkerwanderung« aktuell ein Kampfbegriff sei, den die Bösen verwenden und die Guten bekämpfen. Also wieder das bewährte Schubladendenken. Doch wer könnte behaupten, dass wir NICHT in einem Zeitalter der Völkerwanderung leben? Und zwar einer Völkerwanderung, die bereits vor gut fünfzig Jahren begonnen hat, gemächlich, verkraftbar und mit potenziell positivem Effekt auf die endreife (= dekadente) Altbevölkerung. Jetzt aber hat sie rasende Fahrt aufgenommen. Wiederholung meines »Ungetwittert« im Blog vom 6. Juni: Wir leben in zwei Zeitaltern gleichzeitig, in dem der Völkerwanderung und dem der Dekadenz. Das eine wird das andere beenden. – Zusatz im Herbst: Nur wie? Ende offen.

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Sonntag, 8.November: Da ich aus Prinzip meinen Namen raushalten wollte, habe ich »gw« zu meinem »Namen« gemacht. 40 Jahre lang. Dann tauche ich nach all den Jahren plötzlich mit Kopf und Namen im Blatt auf, woran ich mich nur schwer gewöhnen kann – weil es sich als »gw« befreiter schreibt als unter dem Echtnamen, der dem Geschriebenen sofort authentische Bekenntnishaftigkeit unterstellt. Ich will aber keine seriösen Leitartikel schreiben, ich will doch nur spielen!

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Dienstag, 10. November: Zu den Kandidaten auf die Niersbach-Nachfolge zählen auch Bruchhagen und Sammer, auf meiner Gefühlsskala die best- und schlechtestmögliche Wahl. Wenn es Bruchhagen wird, kommt dann Sammer als Nachfolger zur Eintracht? O  Schreck, o Graus. Und bringt Loddar als Trainer mit? Wenn ich mit diesem Entsetzen weiter Scherz treibe, liefern mich die Eintracht-Fans ein.

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Sonntag, 22. November:  VW ist der Ben Johnson der Autoindustrie: ein Super-GAU, die anderen ducken sich ängstlich weg und fragen sich bang: Wann bin ich dran?

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Frühmorgens eine aktuelle Hintergrund-Information der Deutschen Presseagentur (dpa). Schlagzeile: Schnee – Fester Niederschlag aus Eiskristallen. Aha! Wusst’ ich’s doch, dass dieses komische weiße Zeug, das da draußen runterrieselt, kein Regen ist! Jetzt will ich es aber genau wissen und lasse mich von dpa gründlich informieren: Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt fallen meist lockere Flocken aus miteinander verbundenen Kristallen … von der winterlichen Romantik wird Schnee zur Gefahrenquelle, wenn er festgefahren auf dem Asphalt die Straße zur Rutschbahn macht … undsoweiter. Ist Schnee in unseren Breiten solch ein seltenes Phänomen geworden, dass eine Nachrichtenagentur uns darüber informieren muss? Oder gehört die dpa-Meldung zur Begrüßungskultur für all die Menschen, in deren Heimatbreiten Schnee tatsächlich ein schier unbegreifliches Phänomen ist?

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Das dreiseitige Beckenbauer-Interview in der Süddeutschen: Es ist zwar unwichtig, was ich glaube, aber ich glaube ihm. Weil ich es von mir kenne. Im Unterschreiben lästiger, lesensaufwendiger Formulare bin ich ganz »Kaiser«. (gw) * (www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle