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Ohne weitere Worte (vom 24. November)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Klopp jubelt noch vergleichsweise scheu. Wenn er in England vor Freude über ein Tor die geballten Fäuste wirbeln lässt, dreht er sich oft vom Publikum weg, als sei ihm der Ausbruch von so viel Emotionen unangenehm. Sein Jubel ist nichts, was er zeigen will, sondern etwas, das er verrichten muss wie eine Notdurft. (Jörg Kramer im Spiegel)
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City war taktisch völlig überfordert mit dem Überfallfußball von Jürgen Klopp, und die BBC erklärte ihren Lesern im Live-Ticker zum Spiel spontan das deutsche Wort »Gegenpressing«. (Martin Schneider auf SZ online nach Liverpools 4:1-Sieg bei Manchester)
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Von den Fans kam keine Reaktion, nichts. Stille. Diesmal hätte ich mir gewünscht, dass sich irgendwelche Chaoten freuen, einen Böller ins Stadion gebracht und gezündet zu haben. (…) In Paris kam nichts. Die Detonation in der 21. Minute war lauter als alles, was ich in einem Stadion zuvor gehört hatte. Ich hatte sofort ein mulmiges Gefühl, zugleich aber die Hoffnung, dass mich mein Gefühl trügt. Los, Fans, reagiert; Chaoten, freut euch. Mit jeder Sekunde Stille wuchs mein Unbehagen, dann war klar: Sie reagieren nicht, das war kein Böller. (Oliver Bierhoff in einem Beitrag für die Zeit)
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»Wenn man erlebt, dass man zwölf Stunden im Stadion eingesperrt ist, auch in der Kabine auf engstem Raum mit 60 Leuten, und draußen werden die Menschen nach und nach erschossen, dann ist das schon sehr seltsam.« (Ilkay Gündogan nach dem Dortmunder Spiel in Hamburg über die Nacht von Paris, notiert von Frank Heike in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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»Die Dänen wollten mich in Rente schicken, jetzt habe ich ihr ganzes Land verrentet.« Mit zwei Treffern in Kopenhagen war Ibrahimovic tatsächlich der Matchwinner, ganz entsprechend seiner Ankündigung der Vortage: »Ich kann mir eine EM ohne mich nicht vorstellen.« (Jens Hungermann in der Welt)
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Die Unannehmlichkeiten (…), das hat er mir alles abgenommen. Wenn ich mal Ärger mit einem Journalisten hatte. Oder wenn bei mir daheim das Licht nicht ging oder der Wasserhahn tropfte: Da hab ich nicht den Installateur angerufen, sondern den Robert Schwan. Erst recht, wenn es um meine Finanzen ging.« (Franz Beckenbauer im Interview der Süddeutschen Zeitung / Schwan war sein väterlicher Freund, Berater und Manager)
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Wenn der Return, geschlagen mit der Rückhand, longline auf die Linie knallt oder sogar den Netzpfosten in einer Kurve umrundet, ist das wie ein Ton von erhabener Schönheit. Ein Ton, den nur eine dieser Bogentechniken hervorbringen kann, die sich nur noch wenige Musiker zutrauen. (Geigerin und Federer-Fan Anne-Sophie Mutter in einem Beitrag im Zeit-Magazin über die Schönheit der einhändigen Rückhand)

»Männer glauben, ich sei nicht stark, aber ich bin stärker als viele Männer. Ich könnte viele Männer umhauen, weil ich sportlich bin und Kickboxen trainiere. (…) Ich bin sehr stolz auf meine gute Form. Der menschliche Körper ist dafür ausgelegt, ein Krieger zu sein. (die Sängerin Ellie Goulding im Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
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Und wie schön es aussieht, wenn der Tennisspieler zur Rückhand ansetzt, weit ausholt, sich auseinanderfaltet wie ein Schmetterling, von der Fußspitze auf der einen Seite bis zur Schlägerspitze auf der anderen. Das ist wie Ballett. (…) Auch beim Geigen spielt der ganze Körper. (…) Der Körper ist das Instrument, wie beim Sportler. (Mutter/SZ)
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Rennfahrer haben (…) ungewöhnliche Trainingsformen. Sit-ups und dabei Rechenaufgaben-Lösen etwa. Sie auch? – »(…) Ich mache zum Beispiel Liegestütz und spiele dabei Memory.« (Nico Rosberg im SZ-Interview)
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»Damals haben wir es einfach nur gut gemeint. Warum glaubt der Mensch immer nur das Schlechte? Warum ist das so?« (Beckenbauer/SZ) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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