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Ohne weitere Worte (vom 17. November)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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In dem Moment, in dem uns die Nachricht erreicht, dass 18 Menschen ums Leben gekommen sind, fällt hier das 2:0. Ein, wie Walter Kempowski einst schrieb, »Schock von der Gleichzeitigkeit des Unvereinbaren«. (aus dem danach abgebrochenen Liveticker des Fußball-Magazins 11Freunde)
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Der Springer-Journalist und Beckenbauerfreund Alfred Draxler (…) stellte eine spektakuläre Intensiv-Recherche an. (…) Als seine Version nicht mehr zu halten war, setzte er sich an die Spitze der Enthüller, verwegener als der schwarze Ritter bei Monty Python, dem im Kampf sämtliche Arme und Beine abgesäbelt werden, worauf er ruft: Okay, sagen wir unentschieden! (Holger Gertz in der Süddeutschen)
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Und dann distanziert sich auch noch die Bild-Zeitung von Franz Beckenbauer. Wenn das möglich ist, dann kann alles passieren. (Bettina Gaus in der taz)
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Netzer (…) agiert im Geschäftsleben genauso elegant wie früher auf dem Spielfeld: überall dabei, aber wenn es auf die Knochen geht, hält er lieber Abstand. Netzer hat der ARD für viel Geld Fußballspiele verkauft, die er dort dann für viel Geld selbst kommentierte; er war Botschafter für die WM 2006 und später Aufsichtsrat im OK. Und um ein paar lukrative Freundschaftsspiele des FC Bayern München in Ländern wichtiger Fifa-Funktionäre, die bei der WM mit abstimmten, hat er sich als Sportrechtehändler auch gekümmert. (Klaus Ott bei SZ online)
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Man kann (…) vieles gegen Sepp Blatter vorbringen, aber der Weltfußballpatriarch hat nach allem, was man weiß, nie seine Söhne losgeschickt, um von positiv getesteten Fußballern Geld abzupressen. Wie auch – wo es Doping im Fußball ja gar nicht gibt! Und wo Blatter ja auch gar keine Söhne hat! Da hatte es der Weltleichtathletikpatriarch Lamine Diack mit den russischen Spritzensportlern natürlich einfacher. (Claudio Catuogno in der SZ)
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Der Unterschied zwischen in ihrer Gier stümperhaft agierenden Fifa-Funktionären wie Jack Warner (…) und Franz Beckenbauer oder auch dem Uefa-Präsidenten Michel Platini besteht darin, dass Letztere ein viel genaueres Gespür dafür haben, wie sich Korruption legalisieren lässt. (Stefan Kühl in der taz)
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Solange er (Beckenbauer) schweigt, erinnert er an Kohl. Der eine nennt nicht die Spender, der andere nicht die Spenden. (Gertz/SZ)
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Dass wir nicht in einem Mafiafilm sind, erkennt man daran, dass Theo Zwanziger noch keine Betonschuhe trägt. Im Spiegel darf er nach Herzenslust singen. Aber zu den Guten gehört auch er nicht. (Evi Simeoni in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
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Am Mittwoch ließ Trainer Peter Stöger seine Leute üben, wie man Tore mit der Hand erzielt. Das müssen die Rheinländer auch dringend trainieren, weil das andere ja viel besser können. (…) War aber leider nur ein Karnevalsscherz. Es geschah nämlich am 11. 11. (…) Die Kicker trugen im Training lustige Pudelmützen und knallrote Pappnasen. (Volker Stumpe in der »Schluss für heute«-Kolumne der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Löw (…) bestätigte in Interviews nicht nur sein Fußballfachwissen, sondern auch die Echtheit seiner Haare. Eine spießige Skepsis gilt dieser Person, auch seiner Ehe. (…) Götz Alsmann hat ihn einmal (…) gefragt, ob er die Dinge lese, die anonym in Internetforen über ihn geschrieben würden. Löw antwortete: »Nie. Um es mit Karl Valentin zu sagen: Ich ignoriere es nicht einmal.« (Cathrin Gilbert in der Zeit)
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»Über mich können sie schreiben, dass ich Kommandant von Dachau war oder mit Stubenfliegen Geschlechtsverkehr ausübe, von mir werden Sie keine Entgegnung vernehmen.« (Gottfried Benn in einem Brief an Ernst Jünger)
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Weitgehend auf Hausarbeit verzichtet (…) Boris Becker. »Er hat einmal für mich gekocht«, hat Lilly in einem Interview geklagt, »und da gab es Cornflakes«. Immerhin. Offen bleibt, ob Boris die Flakes gedämpft, gedünstet oder nach der Sous-Vide-Methode zubereitet hat. (»Herzblatt-Geschichten« von Jörg Thomann in der FAS)
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Was kratzt ihn die Presse? »Bist a lästigs Wimmerl«, hat Beckenbauer früher zu Journalisten gesagt. Für Nichtbayern: Ein Wimmerl ist ein Pickel. (Gertz/SZ) (gw)
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(www.anstoss-gw.de  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle