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Sonntag, 15. November, 11.10 Uhr

Ja, ich glaube auch, dass der überarbeitete Blog-Text von heute früh das angemessene Montagsthema ist. Steht jetzt online. Manches Thema musste weichen. Der Griff ins Rauball-Archiv / eine Vermutung, warum Dreyfus auf Rückzahlung plus Zinsen bestand / ein Griff ins Coe-Archiv / Sinn und Unsinn des Anti-Doping-Gesetzes / die erstaunlichen Über-60 000 für Asamoah auf Schalke am Tag danach – hat alles Zeit oder bleibt sowieso liegen.

Stichwort ADG: Ist kein Anti-Blockier-System (ABS) des Dopings, sondern “Murks” (sagt sogar der Grünen-Sportsprecher im Bundestag). Ich habe das Thema zwar ähnlich ausgeleiert wie meine “VHS” (Video-Hilfe für den Schiedsrichter), will aber in einer der nächsten Kolumnen wenigstens einen Deduktions-Schluss (oder ist eine Induktion? Das verwechsle ich immer wie Stalagmiten und Stalagtiten) anhängen. Ungefähr so, mit Hegels Hilfe: These: Schon der Besitz kleiner Dopingmengen soll strafbar sein. Antithese: Wick Medinait für Kinder steht auf der Dopingliste. Synthese: Der Besitz von Wick Medinait für Kinder ist strafbar.

Induktions- und Deduktionsschluss werde ich nachgoogeln. Im gw-Archiv werde ich nicht fündig. Zu Stalagmiten und Stalagtiten (den spätpubertären Fingern verweigere ich konsequent  ein weiteres “t”) finde ich wenigstens diesen hübschen Schluss für meine heutmorgendlichen Blog-, Mailbox- und Anstoß-Aktivitäten. Aus der Vier-Jahres-Serie (2001/02/03/04) “Von Olympia nach Athen” stammt diese Passage:

 

In der Höhle von Pirgos Direu ist das Wasser kalt und klar und dunkel und tief. Hier unten hört man nur das monotone Tocktock des Fährmanns, der sich und uns Touristen im Boot mit einem Stechpaddel von Stalagmit zu Stalagtit stößt. Ich will ihn fragen, ob die Stalagtiten oben und die Stalagmiten unten sind, ich würde ihn gerne fragen, ob die steilen Geschlechtertürme in der Toskana nicht viel bizarrer wirken als die dicken Stummel in der Mani über mir, und am allerliebsten würde ich ihn nach der Seele des Sports fragen, doch unser Charon hat schon vor Beginn der Fahrt auf der scheinwerferbepflasterten Lethe, dem Fluss des Vergessens, barsch gewarnt: »Quiet please!«

 

Also: Quiet please!

 ***

Nicht ganz. Hinweis von Walther Roeber (Danke!): Ich weiß, dass es da nicht so
    wichtig ist, aber Stalagmiten und Stalaktiten sind für viele
    Rechtschreibfanatiker falsche ‘Säulen’.
 Eselsbrücke: vor dem weichen M der Stalagmiten ein weiches G, vor
    dem harten T der Stalaktiten ein hartes K.
 Oder “Stalaktiten hängen runter, Stalagmiten
    stehen munter!” Dann weiß man auch, was von oben kommt und
    was von unten wächst.
Für Bildungsbeflissene: Wenn die zusammenwachsen, nennt man die
    Dinger Stalagnat(e) – also diese Säulen in Tropfsteinhöhlen :-)

 

Baumhausbeichte - Novelle