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Dr. Sylvia Börgens: Trauer

Ja, es ist kleingeistig, angesichts des Pariser Grauens erleichtert zu sein, dass der Lapsus in der gedruckten Zeitung unterblieb – und doch ist es normal und verständlich, denn angesichts so verstörender Nachrichten schalten wir oft auf Autopilot und versuchen so weiterzumachen, wie es unseren Standards entspricht.

Es ist ja eine selektive Betroffenheit über die Pariser Ereignisse; wenn fast gleichzeitig Ähnliches in Beirut passiert, wo IS-Attentäter über 40 Schiiten ermordeteten, erschüttert es uns kaum. Siehe Faust, Osterspaziergang:

Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.
Andererseits: Die Fülle der Unglücksbotschaften, die uns heute frei Haus geliefert werden, überfordert unsere Empathie. Entwicklungsgeschichtlich gesehen, hatten die Menschen nur Mitgefühl mit den anderen Mitgliedern ihrer “Horde”. Wenn also zu unserer Horde heute die Franzosen gehören, ist das doch eine Aufwärtsentwicklung.

Ob es die Menschheit schafft auf die Dauer?? Mir fällt manchmal in bitteren Momenten dieser Cartoon ein: Erde und Mond unterhalten sich im Weltall, Erde beklagt sich über ihren unangenehmen, eklig aussehenden Ausschlag: “Guck mal, wie schlimm ich Homo sapiens habe” – Mond: “Keine Angst, das geht auch vorbei.” (Dr. Sylvia Börgens/Wölfersheim)

Baumhausbeichte - Novelle