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Montagsthemen (vom 9. November)

Heute hier, morgen dort,  bin kaum da, muss ich fort,

             Hab es selbst so gewählt, nie die Jahre gezählt             

            (Hannes Wader, Songtext von 1972)

Gute Freunde kann niemand trennen  Gute Freunde sind nie allein

          weil sie eines im Leben können    für einander da zu sein  

          (Franz Beckenbauer, Songtext  1966)

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Nur eine Randnotiz: Zwei gedopte Leichtathleten sollen sich vor Olympia 2012 bei ihrem Dachverband IAAF mittels Bestechung von einer Sperre freigekauft und anschließend in London Gold und Silber gewonnen haben. Warum überrascht uns das nicht? Warum fragen wir skeptisch: nur zwei? Und welche “Flasche” hat dennoch lediglich Silber geholt, dieses Schrottmetall des ersten Verlierers?

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Leser weisen auf einen Sketch von Olli Dittrich in der ARD hin, 20 Minuten am vergangenen Donnerstag, es sei großes Fernsehen gewesen. Dittrich, der als Doppelgänger Schorsch Aigner den bei der WM-Bewerbung um die Welt rotierenden Franz Beckenbauer (Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort) manchmal vertreten musste, habe sich als Kaiser-Double versehentlich bei Scheich Bin Hammam verraten und dem bösen Weltgeist des Fußballs 6,7 Millionen Euro Schweigegeld zahlen müssen. Später Fernseh-Tipp, auch für mich: In der ARD-Mediathek noch zu sehen.

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Da wird manches klar. Beckenbauers Eigentore hat sein Doppelgänger geschossen, und Eintracht-Aigners Form schwankt,  weil er mal von Schorsch, mal von Franz gedoubelt wird. Aber das ist nur Quatsch am Rande. Jedenfalls kommt Schorsch Aigner der Wahrheit um die 6,7 Millionen sicher näher als die Mär von der DFB-Kulturgala als geplante Geldwäsche.

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Es wäre ja zu viel Aufwand nötig gewesen, und mancher Großprominente hätte mitspielen müssen. Zur Erinnerung: In angeregter Altmänner-Runde hatten Gerhard Schröder und Otto Schily in Andre Hellers Villa am Gardasee den weiteren Gästen Schorsch (Olli?) Blatter und Franz Beckenbauer die abgehobene Gala-Idee des Wiener Tausendsassas Heller schmackhaft gemacht, der von Flatulenz-Musikern angefangen schon alles auf die Bühne gebracht hatte, was Wind macht. Schröder und Schily, obwohl selbst keine unbedeutenden Windmacher, hatten besonders viel (Rücken-)Wind nötig, so kurz vor der Bundestagswahl. Aber die gab’s dann fatalerweise schon ein Jahr früher, Schröder und Schily hatten plötzlich andere Sorgen, Blatter und Beckenbauer sowieso.

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Auch Zwanzigers Version überzeugt nur den, der sich die Hose »üwwerzwerch« anzieht (Stichwort: Kneifzange). Man stelle sich die Szene vor: Netzer und Zwanziger an einem Tisch, Frau Netzer geht mal Pipi machen, Günni  beugt sich vor und flüstert Zwanni ins Ohr: “Du, wir haben auch die Schlitzaugen geschmiert, haha!” – Die ungeklärten 6,7 Millionen bleiben also unter viel warmer Luft, die in die Welt geblasen wird, der einzige Knackpunkt (ich rechne mir hoch an, das erste »n« nicht flatulierend unterschlagen zu haben).

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Apropos Blasen: Ein gewisser Sarkozy wollte einmal nach Vorstadt-Krawallen die Banlieues mit Hochdruckreinigern säubern. Er benutzte dafür den in Frankreich gängigen Begriff des »nettoyer au karcher«. »Kärchern«. Ein deutsches Eponym (aus Eigenname gebildetes Verb). Siehe »hartzen«. Deutschland wird im anstehenden Länderspiel aber sicher nicht weggeblasen, jedenfalls nicht von Karim Benzema, der wegen seiner Erpressungs-Verwicklung aussetzen muss. Auch Benzema stammt aus den Banlieues (von Lyon), und das spielt wohl ebenfalls eine Rolle, denn oben wie unten kann niemand gute Freunde trennen, sie hängen auf Gedeih und Verderb zusammen.

Momentan gedeiht nur der Verderb.

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So vergeht Jahr um Jahr,  und es ist mir längst klar, 

dass nichts bleibt, dass nichts bleibt,

wie es war. (Wader)

 (gw) * (www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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