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Ohne weitere Worte (vom 3. November)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Es ist wunderbar zu sehen, wie sich hier eine Familie in ihre Einzelteile zerlegt, wie die Omertà zerbricht. Die Fifa war immer die Art von Familie, von der jeder in der Nachbarschaft wusste, dass die Alten beide fremdgingen und dass deren Kinder unausstehlich waren. Dafür war der Hund reinrassig, der Rasen gepflegt, Mutti im Elternbeirat der Schule, Vati in der Lokalpolitik. (…) Jahrelang hatte man ob all dieser Verlogenheit die Faust in der Tasche geballt, statt sie dem Nachbarn in die Fresse zu ballern (…) Und nun besorgen die Familienmitglieder untereinander das selbst. (Jürn Kruse in der taz)
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Nicht erst seit den Märchenstunden der Herren des Deutschen Fußball-Bundes dämmert es uns, dass Weltmeisterschaftsvergaben nach anderen Überzeugungsschemata funktionieren als Klassensprecherwahlen. (Christoph Becker in faz.net)
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Dass die Art seiner Sperre – neunzig Tage Korruptionsverbot – gegen die Menschenrechte verstoße, darauf war noch niemand gekommen, noch nicht einmal Amnesty International, das in diesen Fragen als äußerst hellhörig gilt. (Michael Eder in der »Schluss für heute«-Kolumne der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über Blatters Lamento)
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Das Wolfgang-Niersbach-Antworten-Bingo: Das entzieht sich meiner Kenntnis / Ich kann mich nicht erinnern / Davon weiß ich nichts / Darauf kann ich Ihnen keine Antwort geben / Da bin ich überfragt. (aus dem Fußball-Magazin 11Freunde)
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Der Weltfußballverband hat das destruktive Spiel noch nicht auf den Index gesetzt, und so trieb Bayerns Spieler vermutlich auch ein bisschen die Sorge um, dass der Fall Frankfurt stilbildend sein könnte: die Frankfurter Schule, eine Theorie für aufrechte Revoluzzer, die dem FC Bayern gehörig auf die Nerven gehen möchten. (SZ online zum Frankfurter 0:0)
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Kann man Aubameyang (…) überhaupt stoppen? – »Ihn zu bremsen, ist eigentlich gar nicht schwierig … Das zeige ich Ihnen, wenn Gabun mal gegen Griechenland spielt.« (Sokratis Papastathopoulos im Kicker-Interview über seinen Dortmunder Mitspieler)
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Zehn ganz bittere Sekunden für den Hünen. An der Seitenlinie stürmte Bremens Zlatko Junuzovic auf ihn zu und sah die meterweite Lücke zwischen seinen zwei Beinen. Tunnel. Sokratis drehte sich zum Ball, der ihm gerade noch zwischen die Füße gespielt wurde. Tunnel. Sokratis (…) drängte Junuzovic ans Seitenaus, der mit einem weiteren Übersteiger frech unterstrich, was ihm da gerade gelungen war. Eine technische Raffinesse, schwieriger als den Namen Papastathopoulos einwandfrei blind zu tippen. (…) Tunnel. Zum dritten Mal in zehn Sekunden. Aua aua aua. (11Freunde über den Dreifach-Tunnel gegen Sokratis)
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»Mir war (…) immer klar: Selbst ich werde irgendwann cool. (…) Trotzdem, ich bin ja nicht blöd: Ich gehe immer noch sehr vielen Leuten auf die Nerven. (…) Die hören diese vier Songs, die für meine Solokarriere stehen – One More Night, Against All Odds, In the Air Tonight, You Can’t Hurry Love – und sie kotzen.« (Phil Collins im Zeit-Interview)
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»Colmar ist eine schlimme Stadt. Die Menschen dort sind fanatische Patrioten. (…) Wenn die Colmarer etwas essen gehen, dann schlucken die immer zuerst mal eine Trikolore, damit sie nur ja französisch verdauen.« (der Zeichner und Kinderbuchautor Tomi Ungerer im Interview der Süddeutschen Zeitung)
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Zu Dritt verboten (Schild an einem Wanderweg in Tirol, gefunden im »Hohlspiegel« des Spiegel) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle