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Sonntag, 1. November, 6.45 Uhr

Leicht verspätet, da im Archiv gewühlt. Da war doch mal was mit »und« und »oder« oder mit »oder« und »und«? In Zusammenhang mit Infront und Netzer?  Ich habe ja kürzlich in der Kolumne daran erinnert:

Infront kaufte die Senderechte der insolventen Kirch-Gruppe. Infronts Gründungs-Investor: jener Robert Louis-Dreyfus, Stichwort schwarze Kasse, von dem Uli Hoeneß ein paar Milliönchen zum Verzocken bekommen haben soll. Infront-Galionsfigur: Günter Netzer.

Aber was war mit und und oder und oder und und? Ich hab’s gefunden: Vor zwölf Jahren geschrieben:

In den Sand gesetzte Millionen« in Zusammenhang mit Infront und Netzer sind bei uns schon mal angesprochen werden, sehr vorsichtig, denn man muss ja jedes Wort auf die Goldwaage legen. Über den Unterschied von und und oder oder von oder und und oder so beschäftigen sich jetzt sogar die Gerichte. Die Kirch-Insolvenzmanager hatten (laut SZ) beim Verkauf der diversen Senderechte an Infront versichert, keine der Firmen sei »überschuldet und zahlungsunfähig«. Infront klagt nun, das und sei als oder zu verstehen, eine der gekauften Firmen sei zwar nicht zahlungsunfähig, aber überschuldet gewesen. Wenn das und als oder und nicht als und durchgeht, bekommt Infront 15 Millionen Strafgeld.

Na ja. War wohl nur eine Sprachspielerei. Hilft mir in der Sache Zwanziger/Netzer jetzt nicht weiter. Also kein Montagsthema.

Auch an den “Ochi”-Tag wollte ich erinnern. War am Mittwoch (“tetarti”). Mein Sprachkalender schrieb am 28. Oktober:

Heute ist ein weiterer Nationalfeiertag in Griechenland. Es wird der Tag gefeiert, an dem der griechische Diktator Ioannis Metaxas im Jahr 1940 das Ultimatum Mussolinis, das es italienischen Truppen erlauben sollte, durch Griechenland zu marschieren, mit einem einfachen “Ochi” abgelehnt haben soll.

Aber auch das hat keinen besonders originellen bzw. originalen  Montagsthemen-Wert, da beim Ochi-Referendum kürzlich auch in unseren Medien lang und breit referiert. Dazu fällt mir jetzt ein: Mit dem Geld, das bisher in griechischen Kanälen versickert ist, hätte man alle Flüchtlinge, die schon hier angekommen oder noch auf dem Weg sind, auf den vielen unbewohnten oder fast entvölkerten griechischen Inseln ansiedeln können, inklusive Versorgung, Bebauung, Kultivierung, Handel, Verkehrswege, überhaupt mit Finanzierung und Schaffung kompletter Infrastruktur, was für Griechenland eine Konjunkturmaschine wäre, das Land wirtschaftlich auf die Beine brächte und den Flüchtlingen eine neue Heimat geben könnte, die so attraktiv wäre (kostenlos dazu: das Wetter!), dass ich sofort dorthin auswandern würde.

Aber auch das ist nur so eine hilflose Schnapsidee, ein Problem lösen zu wollen, das von Tag zu Tag größer und unlösbarer wird. Wobei “unlösbarer” nicht stimmt, denn Wortfreaks beharren darauf, dass “unlösbar” nicht steigerbar ist. Aber der Steiger kommt! Ich, demnächst mit den Montagsthemen. Deren unlöserbarkeitstes Problem momentan sind die Themen. Die Jammerei der Bayern über hessische Maurer? Wie hieß es früher beim Skat, wenn einer mauerte: “Speis eruff!” Oder Graefe und der Video-Beweis/Hilfe? Oder die modische Manie der Selbstoptimierung? Oder ein bisschen “Swish!”, mit Gießens Basketballern, Holger Geschwinder und Varoufakis? Abwarten und Kaffee trinken.

Baumhausbeichte - Novelle