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Sport-Stammtisch (vom 31. Oktober)

Die abstoßende Schlammschlacht eines rachsüchtigen, eitlen alten Mannes weckt wider Willen Sympathien für alle, die er durch den Schmutz zieht. Durch, nicht in den Schmutz. Denn drin stecken sie hüfthoch ja schon lange. Was wir ebenso lange schon wissen. Es fehlte nur der eindeutige Beweis. Übrigens: Er fehlt immer noch. Und Zwanziger fehlt ein Zeuge. Netzer hat einen. Frau Netzer. Wo war eigentlich Frau Zwanziger?
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»Ihrer Montagsthemen-Einschätzung von Theo Zwanziger stimme ich voll zu«, schreibt Dr. Sylvia Börgens aus Wölfersheim. Sie ordnet den »Skandal« aber auch ein: »Welche ›Dramen‹ werden da wohl fürs staunende Publikum gegeben, während hinter der Bühne ganz anderes passiert? Die sich selbst perpetuierende Aufgeregtheitsmaschine rotiert mal wieder. Dabei haben wir wirklich andere Sorgen.«
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Allerdings. Sogar im Sport – Beispiel: Andreasens Handtor – habe ich andere Sorgen. Gerhard Weißmüller: »Wahrscheinlich bin ich einer der wenigen Leser, der Ihre Meinung in Sachen Fairplay im Fußball teilt, aber ich stimme Ihnen in vollem Umfang zu.« »Auch das extrem brutale Foul von Geis passt zum Thema Unfairness«, meint unser Leser: »Eigentlich müsste der Täter solange gesperrt werden, wie der verletzte Gegenspieler aussetzen muss.” (beide Zuschriften, wie auch viele andere, sind in voller Länge in der »Mailbox«-Rubrik von »Sport, Gott & die Welt« im Internet nachzulesen)
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Der Foulende und der Gefoulte begannen ihre ersten Stellungnahmen jeweils mit dem gleichen Fußballer-Versatzstück. »Wer mich kennt, der weiß …« Geis: »… dass ich keiner bin, der absichtlich foult.« Hahn: »… dass ich einer bin, der sich davon nicht unterkriegen lässt.« Stimmt hoffentlich beides, nur: »Wer mich kennt, der weiß« sollte langsam aus dem Grundprogramm der Medienschulung für Fußballer gestrichen werden.
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Wer ihn kennt, der weiß, dass Effenberg keiner ist, der lange Kreide frisst. Haben Sie gesehen, wie kindisch er den Ball vor Hummels beim Einwurf versteckte? Das kennen wir noch vom Sandkasten. Da gab’s immer irgendein unangenehm aggressives Kerlchen, das uns die Förmchen klaute. Manchen erkannten wir später in der Zeitung wieder. In Erfolgsgeschichten. Oder in Polizeimeldungen. Oder in beiden.
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Ein neues Wort im Floskel-Wortschatz kommt aus einem olympischen Kernsport. Der ist allerdings gefährdet (Stichwort Doping) und deutlich seltener zu sehen als das ihn kennzeichnende Verb zu hören: »Stemmen«. Denn neben Hanteln müssen jetzt immer mehr Probleme, Herausforderungen und sonstige Aufgaben »gestemmt« werden.
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Arne Gabius hat seine selbst gestellte Herausforderung bravourös gestemmt, obwohl er gelaufen ist. Er hat über sich selbst und die Skeptiker triumphiert, und dennoch ist er fast untergegangen – in den Medien, die in ihrer von Zwanziger wohlgefällig betrachteten (und munitionierten) Hatz auf gefallene bzw. zu fällende Licht- und Schattengestalten des Fußballs nur noch Platz für Pflichtbeiträge zu Gabius’ großer Marathonleistung in Frankfurt frei hielten.
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Hoffentlich stemme ich heute die Herausforderung namens Halloween. Licht aus, Klingel abstellen? Zu verdanken haben wir diese buchstäbliche Heimsuchung … dem Irakkrieg! Damals fiel Fasching ins Wasser, die »Fachgruppe Karneval im Deutschen Verband der Spielwarenindustrie« (DVSI) suchte nach Möglichkeiten, den Umsatzeinbruch auszugleichen, stieß auf die US-Tradition des Halloween, und ein DVSI-Funktionär bombardierte Zeitungsredaktionen mit PR-Artikeln, in denen er pries, welch feine Sache dieses Halloween sei.
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Schon war er bei uns. Halloween ist also, ähnlich wie der unschuldige deutsche Krötlein fressende amerikanische Ochsenfrosch, ein Flüchtling, der bei uns Angst und Schrecken verbreitet. Tür auf? Tür zu? (gw)
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(www.anstoss-gw.de  gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle