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Ohne weitere Worte (vom 27.Oktober)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.

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Wolfgang Niersbach hat in einer Pressekonferenz über seine fortschreitende Demenz informiert, aber auch ein sehr bewegendes Gedicht vorgetragen. Es lautet: »Das Sommermärchen war ein Sommermärchen, und es bleibt ein Sommermärchen.« (»Zippert zappt« in der Welt)

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Beckenbauers Charme und Claudia Schiffers Anmut alleine dürften nicht ausgereicht haben, um ausreichend Überzeugungsarbeit zu leisten. Es gab wohl nur zwei Alternativen: schmieren oder verlieren. (Jan Christian Müller in der Frankfurter Rundschau)

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Warum wollten Sie denn die WM nach Deutschland holen? – »(…) Weil ich festgestellt hatte, dass viele Menschen in Deutschland glaubten, sportliche Großereignisse würden ohne Bestechung vergeben. (…) Die Fifa-Komitee-Mitglieder (…) wirkten alle derar feist und korrupt. Deshalb ja auch das Bestechungsangebot per Fax: Wurstkorb mit Schwarzwälder Schinken und Kuckucksuhr. (…) Ich habe mir die acht ausgesucht, die auf mich am korruptesten wirkten. Von denen sitzen mittlerweile einige hinter Gittern.” (Martin Sonneborn, der als früherer Titanic-Chef satirisch versucht hatte, Fifa-Mitglieder für die WM-Wahl 2006 zu bestechen, im Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)

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»In einem Interview, das Jahre nach der WM 2006 geführt wurde, war Niersbach gefragt worden, ob er nicht doch der Titanic dankbar sein müsse. (…) Da ist er rot geworden vor Wut und hat rumgebrüllt, das sei ein ›Scheißmagazin‹. Und ihm ist der Satz rausgerutscht, die Stimme von Charles Dempsey hätte man doch schon längst zugesichert bekommen gehabt.« (Sonneborn im taz-Interview)

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Niersbach verblüffte (…), indem er urplötzlich das literarische Genre wechselte (…), im Bereich der Fantasy unterwegs war und deklamierte: »Es hat keinen Stimmenkauf gegeben, es hat keine schwarzen Kassen gegeben.« Das Publikum reagierte erschüttert. (…) Eine WM, die nicht gekauft worden ist, das liegt außerhalb jeder menschlichen Vorstellung und widerspricht allen physikalischen Gesetzen. (Zippert/Welt)

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Bislang trug Franz Beckenbauer seinen Beinamen »Kaiser« sehr zu recht – nämlich stark an Wilhelm II. erinnernd: So ist er halt, unser Kaiser, sagt das Fußballvolk, nicht allzu helle, immer jedes Problem weglächelnd. (…) Für diese Kaiserschonung darf kein Platz mehr sein. (Dietrich Schulze-Marmeling in der taz)

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Paderborn hat Blut geleckt. (…) Claudia Effenberg soll zum Spiel da sein! Wird sie im Dirndl kommen? Wird sie ihre Dirndl-Kollektion bald in Paderborn verkaufen? Wird sie gar herziehen, zu ihrem Mann? (…) Dann eine dringende Bitte der Chefredaktion: Bitte nicht nur über das Spiel berichten, auch über Claudia. (Ulrich Stock in der Zeit)

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Claudia Effenberg kommt nicht im Dirndl, sondern mit Fan-Schal. (…) Dann die 81. Minute, Stoppelkamp, Proschwitz, das 2:0, und Claudia Effenberg stürmt zu Wilhelm Finke (Anm.: Paderborns Vereinspräsident), umarmt ihn. Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, von deren Ende, sollte es je kommen, wir bestimmt nicht zu spät erfahren werden. (Stock/Zeit)

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»Das ist (…) unser Problem nach Merkels Aufruf: die Erwartungen. Manche fühlen sich eingeladen, fragen, wo ihre Wohnung ist, wo ihre Arbeitsstelle, warum der Kühlschrank nicht voll ist, wo es Begrüßungsgeld gibt. (Franz Wasmeier, Leiter von drei Asylunterkünften, im Interview der Süddeutschen Zeitung)

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Gestern hält mir in der Stadt so ein junger Flüchtling die Tür auf. / Und ich sag, weil das ja nett war: »Thank you«. / Und wissen Sie, was dieser Rotzlöffel mir da antwortet? / »YOU’RE WELCOME«! (Sprechblasen im »Am Rande der Gesellschaft«-Comic von »Hauck & Bauer« in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)

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Diebe klauen behindertem Hund den Rollstuhl. (Schlagzeile in Bild online (gw) * (www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle