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Ohne weitere Worte (vom 13. Oktober)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Auch in englischer Sprache ist er eine begnadete Rampensau. (Daniel Theweleit in der taz über Jürgen Klopp)
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Die sportliche Situation sei nicht das »Desaster«, als dass es dargestellt werde, betonte Klopp. Sein neues Team (…) hat nur sechs Punkte Rückstand auf Tabellenführer Manchester City. Sechs Punkte Rückstand hätten derzeit 17 von 18 Klubs der Bundesliga gern. (Christian Eichler in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Erstaunt es Sie, dass ein Deutscher in England einen solchen Hype auslöst? – »Das hat nichts mit der Staatsangehörigkeit zu tun, sondern mit der Person Jürgen Klopp. (…) Er war mit seiner Art das Gesicht in Mainz, er war das Gesicht von Borussia Dortmund, und er wird im Nu auch das Gesicht des FC Liverpool werden. (…) Liverpool wird einen Vulkan bekommen, der wieder ausbrechen kann.« (Mainz-Manager Christian Heidel im FAZ-Interview)
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Während ihrer (Blatters und Platinis) erzwungenen Abwesenheit wird (…) Issa Hayatou die Betrugsgeschäfte weiterführen. (…) Es könnte allerdings sein, dass ihn die schweizerische Justiz (…) schon morgen aus dem Verkehr ziehen muss. Dann bleibt nur noch ein unbescholtener Mitarbeiter übrig, um den Laden zu führen: Gregor Sprüngli, der zurzeit als Hausmeister im Fifa-Gebäude in Zürich arbeitet und bereits erklärt hat, die nächste WM an seinen Schwager in Luzern zu vergeben. (»Zipperts Wort zum Sonntag« in der WamS)
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Zwei Millionen Franken. Platini hätte das Geld nicht nötig gehabt. (…) War er dennoch auf einen alten Mafia-Trick hereingefallen? Wer Geld vom Paten annimmt, ist ihm ausgeliefert. (Autorenkollektiv im Spiegel)
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Leider müssen wir uns damit abfinden, dass Du keinen irdischen Fußball spielst. Ein Spiel mit Dir ist, wie wenn ich mit Einstein über Physik reden wollte. Oder mein Chefredakteur Goethe wäre. (»Post von Wagner«, auch »Gossen-Goethe« genannt, in Bild an den FC Bayern)
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Wenn man ihn (Matthias Steiner) fragt, wie es ist, wenn der größte Moment seines Lebens bereits sieben Jahre hinter einem liegt (Gold 2008 in Peking), sagt er: »Man gewöhnt sich daran. Und im Grunde gibt es ja viel Wichtigeres im Leben als den größten Augenblick.« (Vera Schröder in der Süddeutschen Zeitung)
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Wenn Sie sich selbst gefallen wollen, haben Sie mehr Chancen, anderen zu gefallen. Denn wer etwas macht, nur um anderen zu gefallen, gefällt im allgemeinen den anderen nicht.« (Karl Lagerfeld im Interview des Frankfurter Allgemeine  Magazins)
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Einmal hatten sie Gerd Müller noch auf eine große Bühne gestellt, bei der WM 2010. (…) Auf dem Podium ein metergroßer Riesenball, für den Werbung gemacht werden sollte. Gerd Müller war auch da. (…) Man hätte ihn übersehen können. Ihm wäre es am liebsten gewesen, wenn man ihn übersehen hätte. Der Ball war sehr groß, Gerd Müller wollte sehr klein sein. (Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung)
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Ein Meister der Bescheidenheit, die nur endete, wenn er sich dem Strafraum des Gegners näherte. Bescheidenheit auch, nachdem er getroffen hatte. Er hob den Arm, hüpfte einmal unscheinbar, dann gehörte das Tor uns, den Zuschauern. (Thomas Hüetlin im Spiegel)
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Als sein Auftritt endlich vorbei war, da wischte sich Gerd Müller mit der Hand den Schweiß von der Stirn. Es war nur ein Moment, aber jeder Moment ist auch die Verdichtung von Leben. (…) Er hatte über all die Jahre keine Mechanismen entwickelt, sein Verlorensein in solchen Augenblicken zu verschleiern. (Gertz/SZ)
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Bilder (…) zeigen die knallhärtesten Spieler der Saison. (…) Keine Hälse. Arme vor der Brust verschränkt. Die Arme sehen aus wie der Verteidigungswall eines Nachtlagers von Siedlern in einer von Feinden gespickten Prärie. (…) Der Oberkörper von Vihamu Afatia (…) ist so aufgepumpt, dass die Arme in kleinen runden Sicheln links und rechts abstehen. (…) Alle wirken so, als habe der Fotograf gebrüllt: »NO SMILE!« (Susanne Mayer in ihrer »Männer!«-Kolumne in der Zeit über Spieler der Rugby-WM)
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Davon lassen sich die Verfasser der Kommentare (…) natürlich nicht gnädig stimmen: »Parfümierte Zuhältertruppe, alle!« hat noch den freundlichsten Sound. (Mayer/Zeit)  

(gw)
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(www.anstoss-gw.de gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle