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In der Zwischen-Zeit (“Anstoß” vom 8. Oktober)

Nach dem Spieltag, mit dem sich die Bayern in eine andere Liga – ihre eigene – verabschiedeten, und vor dem nächsten, in dem nur noch 17 Klubs die Plätze zwei bis 18 ausspielen, geht es um die nicht gerade elektrisierende Frage, ob Deutschland in der EM-Qualifikation den einen nötigen Punkt holt. Oder zwei, oder drei, oder vier oder sechs – fünf sind wohl nicht möglich, meint Rechenmeister Jahn (oder war’s Turnvater Riese?)
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In der Zwischen-Zeit blicken wir noch einmal zurück auf die eindrucksvollste Machtdemonstration, die der deutsche Fußball seit vielen, vielen Jahren erlebt hat. Dabei wurde der hochgelobte Tuchel-BVB auf das Niveau der Kloppschen Katastrophen-Hinrunde gestutzt und kassierte Tore, deren Stilmittel (lange Bälle, und dann ab mit Hurra) dem Klopp-Stil bester BVB-Jahre verblüffend ähnelte.
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Schon sind wir bei ihm. Und da muss ich den Pluralis modestiae des »Wir« verlassen, denn ich kann es mir nicht verkneifen, auf einen »Anstoß«-Satz vom April zurückzukommen, in dem ich vermutete hatte, dass Klopp nicht in Deutschland bleiben, nicht in Italien oder Spanien landen, sondern nach England gehen wird, »und dass dort Liverpool der Klub ist, der am besten zu ihm passt«. In der Heim-Stadt der Beatles muss Sergeant Klopp seinen neuen Hearts beibringen, wie »the band to play« hat, damit in Liverpool wieder »to raise a smile guaranteed« ist (sorry für my grausam Englisch). Allerdings hatte ich im April eine weitere Vermutung geäußert: Dass Jürgen Klopp, egal wo, nie mehr ähnlich rauschende Erfolge feiern wird wie in Dortmund. Ich täusche mich gerne und werde mich rechtzeitig verspotten.
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Nicht sehr wahrscheinlich, dass ich mich in Sachen VW Wolfsburg täusche. Als Klaus Allofs behauptete, dass sich die Affäre nicht auf den Klub auswirken werde, merkte ich in den »Montagsthemen« an, es sei klar, dass ER das tut, tun muss, aber ebenso klar sei, dass SIE es tun wird – sich massiv auswirken. Schon tags darauf kündigte der neue VW-Boss schmerzhafte Einschnitte an – und was, wenn nicht die Millionen für das Fußball-Spielzeug, bietet sich zu allererst an? Um das vorherzusagen, muss man kein eingeweihter Fachmann sein, sondern nur eins und eins zusammenzählen können.
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Zwei! Und damit zu dem »Anstoß«, der stets nach den »Montagsthemen« kommt und den ich am liebsten schreibe. Nicht nur, weil er »Ohne weitere Worte« von mir auskommt. Mein Ziel bei der Zitaten-Sammelaktion mit den meist notwendigen Verkürzungen und der, wenn’s ideal läuft, rückbezüglichen Zusammenstellung: Pro Kolumne sollte der Leser wenigstens einmal »Aha!« sagen und zweimal schmunzeln. Wie vielleicht zuletzt beim »Spiegel«-Nachruf auf Dettmar Cramer: »Präsident Wilhelm Neudecker nannte ihn ›den kloanen Furz‹. (Schmunzel) Cramer war berühmt für seine Fachkenntnis. Er beherrschte die lateinischen Bezeichnungen aller Oberschenkelmuskeln«. (Aha! Schmunzel?) – Höchst beeindruckend? Es gibt allerdings nur zwei, den Quadriceps (vierköpfiger Strecker/vorn) und den Biceps femoris (zweiköpfiger Beuger hinten). Das reicht schon für das Prädikat »Fachkenntnisse«?
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In der Zwischen-Zeit ist auch Gelegenheit, mich für sehr freundliche Leserworte zu bedanken. Zwar ist es Tradition, dass jede Kritik an dieser Stelle oder in der »Mailbox« veröffentlicht wird, Lob jedoch sehr selten, aber aus gegebenem Anlass (Anmerkungen zum Flüchtlings-Thema, hier und an anderer Stelle im Blatt), kommen heute drei Leser zu Wort. Dr. Hans-Ulrich Hauschild (Gießen) bedankt sich dafür, »die Welt im Blick zu behalten, sie würdig kommentierend zu besprechen«, Walter Müller (Villingen) sagt »Danke für Ihre tollen Beiträge« und Doris Heyer (Staufenberg) einfach nur »DANKE«. – Ich habe zu danken!
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Jetzt fällt mir  ein: »Einmal ›Aha!‹ sagen und zweimal schmunzeln«, das ist nicht nur mein Ziel für »Ohne weitere Worte«, sondern für alle Kolumnen. Heute geschmunzelt? Aha! (gw)
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(www.anstoss-gw.de gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle