Archiv für Oktober 2015

Gerhard Weißmüller: Fairplay und Anstand – was ist das?

Wahrscheinlich bin ich einer der wenigen Leser, der Ihre Meinung in Sachen Fairplay im Fußball teilt, aber ich stimme Ihnen in vollem Umfang zu. Leider bestätigt sich auch im Fußball der Spruch “Geld verdirbt den Charakter” immer mehr. Fairplay und Anstand – was ist das?  Es ist schon erschreckend, mit welchem Unverständnis Andreasen auf die Frage reagierte, warum er denn den Schiedsrichter nicht über sein Handspiel aufgeklärt habe. Der DFB hat immerhin noch eine Untersuchung eingeleitet, wenn auch ohne Konsequenzen für den Spieler. Bei Dante, der vor einiger Zeit im Spiel gegen den BVB den Ball etwa einen halben Meter hinter der Torlinie wegschlug, war das nicht der Fall. Aber pardon – es handelte sich ja auch um einen Spieler des FC Bayern … Auch das extrem brutale Foul von Johannes Geis paßt zum Thema Unfairness.  Eigentlich müßte der Täter solange gesperrt werden, wie der verletzte Gegenspieler aussetzen muß. Und eine Geldstrafe von 15.000,- € tut bestimmt auch nicht sehr weh. Über vereinsinterne Konsequenzen durch Schalke ist leider auch nichts bekannt…
In diesem Zusammenhang hätte mich auch mal interessiert, was eigentlich aus dem Kolumbianer geworden ist, der bei der WM Neymar beinahe ein Leben im Rollstuhl beschert hätte. Der völlig unfähige spanische Schiedsrichter aus diesem Spiel wurde von der UEFA übrigens belohnt und darf Champions League pfeifen!
Zurück zu Andreasen. Vielleicht hätte er wenigstens seine Tor- und Siegprämie für den Jugendfußball oder einen caritativen Zweck zur Verfügung stellen sollen. Aber wie schon gesagt: Fairplay und Anstand – was ist das? (Gerhard Weißmüller)

Veröffentlicht von gw am 30. Oktober 2015 .
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Sport-Stammtisch (vom 31. Oktober)

Die abstoßende Schlammschlacht eines rachsüchtigen, eitlen alten Mannes weckt wider Willen Sympathien für alle, die er durch den Schmutz zieht. Durch, nicht in den Schmutz. Denn drin stecken sie hüfthoch ja schon lange. Was wir ebenso lange schon wissen. Es fehlte nur der eindeutige Beweis. Übrigens: Er fehlt immer noch. Und Zwanziger fehlt ein Zeuge. Netzer hat einen. Frau Netzer. Wo war eigentlich Frau Zwanziger?
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»Ihrer Montagsthemen-Einschätzung von Theo Zwanziger stimme ich voll zu«, schreibt Dr. Sylvia Börgens aus Wölfersheim. Sie ordnet den »Skandal« aber auch ein: »Welche ›Dramen‹ werden da wohl fürs staunende Publikum gegeben, während hinter der Bühne ganz anderes passiert? Die sich selbst perpetuierende Aufgeregtheitsmaschine rotiert mal wieder. Dabei haben wir wirklich andere Sorgen.«
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Allerdings. Sogar im Sport – Beispiel: Andreasens Handtor – habe ich andere Sorgen. Gerhard Weißmüller: »Wahrscheinlich bin ich einer der wenigen Leser, der Ihre Meinung in Sachen Fairplay im Fußball teilt, aber ich stimme Ihnen in vollem Umfang zu.« »Auch das extrem brutale Foul von Geis passt zum Thema Unfairness«, meint unser Leser: »Eigentlich müsste der Täter solange gesperrt werden, wie der verletzte Gegenspieler aussetzen muss.” (beide Zuschriften, wie auch viele andere, sind in voller Länge in der »Mailbox«-Rubrik von »Sport, Gott & die Welt« im Internet nachzulesen)
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Der Foulende und der Gefoulte begannen ihre ersten Stellungnahmen jeweils mit dem gleichen Fußballer-Versatzstück. »Wer mich kennt, der weiß …« Geis: »… dass ich keiner bin, der absichtlich foult.« Hahn: »… dass ich einer bin, der sich davon nicht unterkriegen lässt.« Stimmt hoffentlich beides, nur: »Wer mich kennt, der weiß« sollte langsam aus dem Grundprogramm der Medienschulung für Fußballer gestrichen werden.
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Wer ihn kennt, der weiß, dass Effenberg keiner ist, der lange Kreide frisst. Haben Sie gesehen, wie kindisch er den Ball vor Hummels beim Einwurf versteckte? Das kennen wir noch vom Sandkasten. Da gab’s immer irgendein unangenehm aggressives Kerlchen, das uns die Förmchen klaute. Manchen erkannten wir später in der Zeitung wieder. In Erfolgsgeschichten. Oder in Polizeimeldungen. Oder in beiden.
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Ein neues Wort im Floskel-Wortschatz kommt aus einem olympischen Kernsport. Der ist allerdings gefährdet (Stichwort Doping) und deutlich seltener zu sehen als das ihn kennzeichnende Verb zu hören: »Stemmen«. Denn neben Hanteln müssen jetzt immer mehr Probleme, Herausforderungen und sonstige Aufgaben »gestemmt« werden.
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Arne Gabius hat seine selbst gestellte Herausforderung bravourös gestemmt, obwohl er gelaufen ist. Er hat über sich selbst und die Skeptiker triumphiert, und dennoch ist er fast untergegangen – in den Medien, die in ihrer von Zwanziger wohlgefällig betrachteten (und munitionierten) Hatz auf gefallene bzw. zu fällende Licht- und Schattengestalten des Fußballs nur noch Platz für Pflichtbeiträge zu Gabius’ großer Marathonleistung in Frankfurt frei hielten.
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Hoffentlich stemme ich heute die Herausforderung namens Halloween. Licht aus, Klingel abstellen? Zu verdanken haben wir diese buchstäbliche Heimsuchung … dem Irakkrieg! Damals fiel Fasching ins Wasser, die »Fachgruppe Karneval im Deutschen Verband der Spielwarenindustrie« (DVSI) suchte nach Möglichkeiten, den Umsatzeinbruch auszugleichen, stieß auf die US-Tradition des Halloween, und ein DVSI-Funktionär bombardierte Zeitungsredaktionen mit PR-Artikeln, in denen er pries, welch feine Sache dieses Halloween sei.
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Schon war er bei uns. Halloween ist also, ähnlich wie der unschuldige deutsche Krötlein fressende amerikanische Ochsenfrosch, ein Flüchtling, der bei uns Angst und Schrecken verbreitet. Tür auf? Tür zu? (gw)
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(www.anstoss-gw.de  gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 30. Oktober 2015 .
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Ein einsames Kind (Wer bin ich? / 29. Oktober)

Er gibt nur sehr selten Interviews. Wir führen dennoch ein Gespräch mit der gesuchten Persönlichkeit. Zwar nur fiktiv, in den Antworten aber authentisch. Den Original-Wortlaut haben wir verändert, um es den Suchmaschinen-Experten nicht zu leicht zu machen. In der Sache jedoch entsprechen die Antworten dokumentierten Aussagen und Angaben des Gesuchten. Auf geht’s:
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Wie sind Sie zum Sport gekommen? – »Alles begann mit einem Fußballspiel im Stadion der Hauptstadt meines Geburtslandes, zu dem mein Vater mich mitnahm. Ich war sofort fasziniert von diesem Sport.«
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Ihr Vater? Sie sagten einmal, das Schweigen ihres Vaters sei eine der prägenden Erinnerungen an ihre Kindheit. – »Ja, aber beim Fußball schwieg er nicht. Sein Schweigen hatte auch andere Gründe als das vieler Väter in Ihrem Geburtsland. Fundamental andere.«
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Ich dachte, Ihr Geburtsland sei Deutschland? – »Dann hätten Sie sich besser auf das Interview vorbereiten sollen. Ich bin so freundlich und bringe Sie auf den Stand: Mein Geburtsland verließ ich – beziehungsweise meine Familie mit mir – bereits als Siebenjähriger. Nicht freiwillig. Wir wurden nicht vertrieben, sondern zogen die Konsequenzen aus der sich verschärfenden Stimmungslage im Lande. Aber auch in dem neuen Land blieben wir nicht lange. Nach kaum mehr als einem Jahr gingen wir nach Deutschland. Jetzt lebe ich in einem vierten Staat, dessen Bürger ich bin und wo ich bis ans Ende meiner Tage bleiben will.«
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Klingt nicht nach einer ungetrübten Kindheit. – »Wer hat die schon? Durch die Sprachschwierigkeiten war ich ein einsames Kind. Das änderte sich erst, als ich mit anderen Kindern Fußball gespielt habe.«
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Sprachschwierigkeiten? Interessant. In welchem Verein spielten sie zuerst? – »Bei einem Traditionsklub im Südwesten von Deutschland. Es ist der Klub meiner Kindheit, meiner Jugend, meines Lebens. Denn im Fußball ist es, jedenfalls bei mir, nicht so wie in der Liebe …« – … denn Sie kommen zusammen mit Ihrer Frau auf insgesamt sieben Ehen … – »Danke für den freundlichen Hinweis.«
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Bitte. Manche halten Sie für intellektualistisch, eitel und arrogant. … – »Manche? Viele. Doch damit kann ich leben.« – Sie gelten auf Ihrer Position aber auch als der Beste im Land. Auch für mich übrigens. – »Auch damit kann ich leben. Aber fangen Sie bitte nicht an zu schleimen, sonst beende ich das Interview.«
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Mit Verlaub, nicht nur in der Zahl der Ehen, sondern auch physiognomisch und überhaupt beginnen Sie einem bekannten Expolitiker zu ähneln. Aber zurück zum Fußball. Sie blieben nicht bei Ihrem Herzensverein. Als Profi wechselten sie zu insgesamt drei Vereinen. Eigentlich zu noch mehr, doch bei einem wechselten nicht Sie den Klub, sondern dieser seinen Namen. Werden Sie ihm treu bleiben? – »Das werde ich Ihnen ganz gewiss nicht auf die Nase binden.«
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Auch nicht, wann Sie aufhören? Sie sagten einmal, nichts könne Sie nach einem gewissen Datum zum Weitermachen zwingen. Das ist jetzt fast zehn Jahre her, und Sie sind immer noch am Ball. – »Hatten Sie nicht auch schon vor Jahren Ihre Laufbahn beenden wollen und versuchen immer noch, am Ball zu bleiben? Sie sehen, im Gegensatz zu Ihnen habe ich mich auf das Interview vorbereitet.«
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Mhm. Letzte Frage: Was mögen Sie, was mögen Sie nicht? – »Ich esse und trinke gut, ich ziehe mich gerne gut an … und ich bin nicht gerne in schlechter Gesellschaft. Guten Tag!«
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Ich hätte ihn gerne noch gefragt, was er damit meine, ihn habe ein Freund einmal vor einem Selbstmord coram publico gerettet. Aber weg ist er. Wer ist er? (Einsendeschluss: Dienstag, 3. November) (gw)
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(www.anstoss-gw.de gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 28. Oktober 2015 .
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Ungetwittert

Marathon, Triathlon, Rad, Leichtathletik und so fort. Sind denn alle Asse gedopt? Nein. Aber alle machen etwas, das alle, die nicht wissen, was das Wort “Doping” bedeutet, Doping nennen würden.

Veröffentlicht von gw am 27. Oktober 2015 .
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Dr. Sylvia Börgens: Die Aufgeregtheitsmaschine

Ihrer Montagsthemen-Einschätzung von Theo Zwanziger stimme ich voll zu. Am Abend des 19.11.11 schaute ich das Aktuelle Sport-Studio und sah mit wachsender Empörung, wie Herr Zwanziger, voller Betroffenheits-Rhetorik und die Stirn in sorgenvolle Falten gelegt, ungehemmt Fakten über Herrn Rafatis Suizidversuch an die Öffentlichkeit brachte. Von Diskretion, Wahrung der Persönlichkeitsrechte eines Untergebenen oder zumindest Schutzbefohlenen, Taktgefühl keine Spur. Ich habe mich sofort gefragt, warum das BL-Spiel in Köln nicht mit einem Ersatzschiedsrichter regulär über die Bühne gehen konnte. Es wird ja nicht das erste Mal gewesen sein, dass ein Schiedsrichter plötzlich erkrankte.

Die Zwanziger-Aktionen im Zusammenhang mit dem WM-2006-”Skandal” sind auch mehr als merkwürdig. Er war doch selbst damals involviert und stellt sich jetzt als Saubermann dar, der reinen Tisch machen will. Bei diesem “Skandal” fällt mir mal wieder ein, was ich vor längerem schrieb: Welche “Dramen” werden da wohl fürs staunende Publikum gegeben, während hinter der Bühne ganz anderes passiert? Die sich selbst perpetuierende Aufgeregtheitsmaschine rotiert mal wieder. Dabei haben wir wirklich andere Sorgen. (Dr. Sylvia Börgens/Wölfersheim)

Veröffentlicht von gw am 26. Oktober 2015 .
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Baumhausbeichte - Novelle