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Sonntag, 20. September, 6.30 Uhr

Top-Meldung der Nacht bei Bild online: Hoppla! Klopp schläft im Bayern-Hotel! Im Text dann: Reiner Zufall, die Bayern nächtigten dort wegen Darmstadt, Klopp wegen eines IAA-Termins. Typisch Bild also. Typisch Bild auch die plakative Flüchtlings-Werbeaktion. Typisch aber auch die Gegenreaktionen. Zwar verständlich, dass Klubs wie Freiburg oder St. Pauli nicht mitmachen. Ich hätte auch nicht mitgemacht, da mir derartige Aktionen (wie auch die Anti-Rassismus-Clips vor Champions-League-Spielen) suspekt sind und an der Sache vorbei gehen – Wie “Rock gegen Rechts” und andere Gesinnungs-Aktionen helfen sie nicht denen, denen sie gelten, sondern dem guten Gewissen jener, die an ihnen teilnehmen. Aber ein Reflex gegen Bild ist sicher ungerecht: Das sei die  Aktion einer Zeitung, die dumpfe Rechte bisher immer mit ihrer Berichterstattung unterstützt und mit groß gemacht habe. Der Vorwurf ist eindeutig falsch und beweist nur, dass “Bild” ein Popanz seiner Kritiker ist, die ihr Vorurteil genießen und pflegen, ohne das Blatt zu lesen. Da Bild zu meiner Pflichtlektüre zählt (wie taz, Spiegel, Zeit, Sport-Bild, Kicker, chrismon, SZ, FAZ, Welt, FR … mehr fällt mir gerade nicht ein) weiß ich, dass Bild, so impertinent das Blatt oft skandalisiert und manipuliert, durchweg antineonazistisch eingestellt ist, jeden echten oder auch nur scheinbaren Antisemitismus geißelt und treuester Freund des Staates Israel ist. Davon kann sich jeder überzeugen, der Bild liest - aber Bild liest “man” nicht, man hat das Blatt nur zu verachten. Warum Bild so stramm antinazistisch und proisraelisch ist, kann ich nur vermuten: Die oberste Chefin lässt den täglichen Boulevard-Kram laufen, ist aber in Sachen Israel unerbittliche Nachlassverwalterin ihres verstorbenen Mannes.

Ins Unreine geholpert. Da gehe ich nachher noch mal ran, denn ich glaube, das wird ein Montagsthema. Im Gegensatz zum Flüchtlingsthema. Das umtreibt mich, wie jeden, und ich denke immer noch daran, meinen “Nach-Lese”-Text nächsten Samstag im Feuilleton darüber zu schreiben. Ausgehend vom kürzlichen Blog-Eintrag. Sehr kitzlig, sehr heikel.

Eher montagsthemengeeignet: Japans Sensationssieg im Rugby. Dazu meine Erinnerungen an alte Heidelberger Zeiten, als die Rugby-Bundesliga aus fünf Heidelberger und fünf Teams aus der Gegend um Hannover bestand. Unvergesslich die Triumphzüge durch die Stadt, wenn ein Heidelberger Klub Meister wurde, zum Beispiel aus dem Stadtteil, in dem ich wohnte: “Hendese” (Handschuhsheim). Oder Wirt Kuno vom Weißen Stein in der Altstadt, ein alter Rugby-Kämpe, mit seinen legendären Erzählungen (“wie ich im Hämde Park die Quetsch genomme hab …).

Szene aus dem Frankfurt-Spiel: Pass von außen in die Mitte, ins Gewimmel, Meier hält den Fuß hin, perfekte Direkt-Annahme, perfekter trockener Schuss mit der Innenseite, aber Droby hält ebenso perfekt. Typische Meier-Szene. Wäre der Ball drin gewesen und hätte die Eintracht dadurch gewonnen, der Hype um Alex Fußballgott würde ins Irrsinnige steigen. Vermutung: Meier ist ganz froh, dass es nicht so gekommen ist. Aber wie nahe beim Fußball  Verklärung und “Na ja” liegen! Weil Drobny großartig hält, ist Meier an diesem Tag nicht Held, sondern Durchschnitt – und Drobny gilt plötzlich wieder als ernsthafter Rivale von Adler. Aber extrem wechselnde Stimmung ist ja nicht unbedingt ein Alleinstellungsmerkmal des Fußballs.

Kaffee, Knicks, Kuchen.

Baumhausbeichte - Novelle