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Sonntag, 20. September, 10.15 Uhr

Ging wieder fix mit den Montagsthemen. Kurz nach zehn und schon fertig. Liegt auch daran, dass ich den Frühmorgensblog, der ein das Blog ist, als ergiebigen Stein(es)bruch benutzt habe. Zeit genug also, um Material für die heikle “Nach-Lese”  in den Frühmittagsblog zu bringen, den ich dann wiederum später als Stein(es)bruch für die Flüchtlings-Nach-Lese ausbeuten kann. Ich notiere jetzt also nur Stichworte und Zitate, unsortiert und unpoliert. Manches wird im Bruch bleiben, manches benutzt und geordnet in der Kolumne auftauchen. Was und wie, das weiß ich noch nicht, nur ein kleines rotes Fädchen glüht schon.

 

Beginn (nach Moen) eventuell: Was sagen Leute dazu, die berufsmäßig eher für Jux, Dollerei und Quatsch zuständig sind?

 

Sie könnten nach Heidenau fahren und sich als Künstler gegen den rechten Mob stellen.  “Das könnte ich nicht. Da würde ich mich als Künstler selbst kastrieren. Das ist Sache der Politik. (…) Wenn man als Künstler denen die Arbeit abnimmt, finde ich das nicht richtig .” (Helge Schneider im SZ-Interview)

 

Till Schweiger findet das offenbar richtig (in der Rolle des Hoeneß vor dem Fall?)

 

“Aber mir vorsätzlich eine Gitarre umhängen und dahin zu fahren, wo so Knallköppe sind und denen was vorzuspielen, das finde ich ein bisschen blöd. Es ist, wie wenn man etwas für jemand anderen macht und sich dadurch selbst besser fühlt.” (Helge Schneider)

 

Thema Flüchtlinge: “Ich will überhaupt nichts dazu sagen, weil ich eigentlich nicht weiß, was man sagen soll.” (Helge Schneider)

 

Deutschland  zwischen Flüchtlingsromantik und Flüchtlingsfeindlichkeit. Dazwischen nur ein schmaler Grat für Vernunft, von dem man schnell runter und auf die falsche Seite gekippt wird. Allerdings wird der Grat langsam breiter, denn die Flüchtlingsromantiker beginnen zu ahnen, welche Konsequenzen auf sie zukämen und zukommen.

 

Beispiel “Zeit”, die wie viele andere von hemmungsloser deutscher Vonsichselbstberauschtheit langsam aufwacht und (17. September) mit den Schlagzeilen aufmacht: “Merkel und die Flüchtlinge. Weiß sie, was sie tut? Ein Ansturm, der kaum noch zu bewältigen ist. Manche Syrer, die gar keine Syrer sind. Und Bürger, deren Ängste wachsen. Doch die Kanzlerin bleibt unbeirrt. Warum?”

 

Unbeirrt? Na ja, Erst Grenze auf, alle rein, dann Grenze zu – die Welt wundert sich wieder einmal über deutsche Extrem-Exzesse.

 

Spiegel noch nicht umgeschwenkt: “Mutter Angela” als Titelbild und im Blatt u.a. eine “Liebeserklärung an alle Gutmenschen, die Flüchtlingen helfen und nebenbei ein neues Deutschland aufführen.” Eine Aufführung, die um uns herum alle höchst irritiert.

 

Wieder die Zeit: “Irrlicht Deutschland. Können unsere Nachbarn uns endlich verraten, wer wir sind?” Ein guter Ansatz, denn nosce te ipsum klappt selten, meist verrät der Spiegel mehr, der einem vorgehalten wird.

 

Weiter im Irrlicht-Text: “Es gibt Stimmen, namentlich in England, die den Deutschen von heute einen besinnungslosen Gutmenschen nennen, den man ebenso sehr um sein reines Herz beneiden dürfe, wie man ihn wegen seiner Naivität fürchten müsse. Und in dortigen Kommentarspalten geht die Angst um vor Deutschland, dem Mad Man of Europe, der Europa schon wieder zugrunde richten will, wenn auch mit umgekehrten Mitteln, nämlich mit entfesselter Barmherzigkeit.”

 

Schlusssatz und/oder Überschrift vielleicht (mit Helge-Zitat): Ratlos in Moen.

 

In der Debatte über Flüchtlinge und Fremdenhass scheint plötzlich jeder Prominente eine Haltung haben zu wollen. Ist das gut? – “Ich bin da sehr zwiegespalten. Es gibt immer wieder Leute, die das für ihr eigenes Ego instrumentalisieren.” (Olli Schulz, Sänger und im Duo mit Jan Böhmermann Talk-Moderator, im FAS-Interview)

 

Auch Sie singen häufig und gar nicht schlecht. Wären Sie gern Musiker, so wie Olli Schulz? – “Nein, absolut nicht. (…) Ich finde, man sollte seinen Platz kennen, und ich bin eigentlich im engsten Sinne ein Fernsehfuzzi. Wenn ich nur einen Hut aufsetzte und so Jan-Josef-Liefers- oder Reinhold-Beckmann-mäßig irgendwie die Emotionen aus meiner Akustikgitarre rausholte, würde ich mich vor mir selbst ekeln.” (Böhmermann im selben Interview / welch ein garstig-genialer  Seitenhieb!)

 

“Sie reden von unseren falschen Asylbewerbern? Ihr müsstet denen nur weniger Geld anbieten. Achtköpfige Familien erhalten in Deutschland an die 900 Euro Taschengeld, das entspricht fast dem Dreifachen des serbischen Durchschnittsgehalts. Dazu gibt es Essen umsonst und keinerlei Ausgaben. Diese Leute wollen weder hier bei uns noch in Deutschland arbeiten, dafür werden sie von euch mit viel Geld belohnt, irgendwann nach Serbien zurückgeschickt – und sechs Monate später probieren sie es wieder.” (Aleksandar Vucic, serbischer Ministerpräsident, im Spiegel-Interview)

 

Dass Merkel Frankreich überrumpelte wie einst Hitlers Armeen, ist das latente Leitmotiv der Wahrnehmung. Auch ungeschminkt wird es formuliert: “Wer stoppt diesen Wahnsinn?”, entsetzt sich Yvan Roufiol im ‘Figaro’ unter dem Titel “Das reuige Deutschland  wird zur Gefahr für Europa”. Es hat seine Juden vergast und holt sich Araber zurück, könnte man Devedjian paraphrasieren.” (FAZ / Patrick D. ist ein konservativer französischer Politiker, der getwittert hatte: “Die Deutschen haben uns unsere Juden genommen, jetzt geben sie uns Araber zurück”)

 

“Sie können in Deutschland nur noch in einer verordneten Sprache sprechen, wenn Sie sich nicht selbst vom Gespräch ausschließen wollen.” (der Historiker Jörg Baberowski in der FAS)

 

Martenstein-Kolumne. Zusammengefasst: Ein Freund wechselt seinen deutschen Friseur, der in seinem kleinen Salon wg. des Mindestlohns von 10 auf 15 Euro erhöht hat. Geht jetzt zu einem Syrer, der alleine arbeitet und 10 Euro nimmt. Martenstein lässt den Freund sagen: “Die Flüchtlinge sind nur eine Bedrohung für die kleinen Leute, die keine so tolle Ausbildung haben. Da findet ein Konkurrenzkampf zwischen zwei Gruppen statt, die beide, auf unterschiedliche Weise, die Arschkarte gezogen haben. Die Artikel und die Fernsehsendungen werden allerdings ausschließlich von Leuten gemacht, für die es vorerst keinerlei Bedrohung ihres Lebensstandards durch die Flüchtlinge gibt. (…) Kein Wunder, dass solche Leute einen Hass auf die Medien haben.”

Martenstein-Schlusssatz: “Es ist einfacher, ein guter Mensch zu sein, wenn man dabei nichts zu verlieren hat.”

 

So. Material genug. Viel zu viel natürlich. Dazu die Moen-Geschichte. Möglichkeit: Collage aus Moen und unkommentierten Zitaten? Wäre eine echte Nach-Lese im Sinne des Erfinders. Von mir also. Oder ein “gw”-Text aus einem Guss, mit eigener Conclusio und nur wenigen Zitaten? Wäre evtll. zu heikel und zu schwierig. Mal sehen.

 

 

 

Baumhausbeichte - Novelle