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Montagsthemen (vom 14. September)

Bayern und der Elfer. Nein, nicht zum x-ten Mal »meine« Video-Hilfe (statt -Beweis) fordern. Sinnlos. Der Schiedsrichter sagt »Sorry«, und die Sache ist erledigt. In ein paar Tagen spricht niemand mehr davon. Nur die Tabellen-Fälschung, die bleibt. Sport ist das nicht. Nur Fußball.
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Ähnlich närrisch, was der Elfer-Rat in Hannover fabriziert. Dortmund bekommt zwei Elfmeter halb geschenkt, einen im gegnerischen, einen im eigenen Strafraum. Klar, der BVB war hoch überlegen. Aber so anfällig, wie er hinten immer noch wirkt, hätte ein Pfiff das Spiel kippen können. Unterschied: In München gab es keine zwei, in Hannover mindestens zwei Meinungen. Auch eine Video-Hilfe hätte da nicht geholfen.
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Wie schön, dass wir Hessen sind. Keine falschen oder ausgebliebenen Pfiffe, nur Beifall für den unglaublichen Alex und die noch unglaublicheren »Lilien«. Mal kurz den Champions-Ligisten in den Wahnsinn getrieben. Ein Wahnsinn, der Methode hat. Darmstadt das neue Paderborn? Hoffentlich mit glücklicherem Ende.
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Letzte Worte zum Basketball-Scheitern: Der große Nowitzki stellt sein Ego in den Dienst der Mannschaft, Schröder stellt die Mannschaft in den Dienst seines großen Egos. Er sollte sich auf youtube Videos von Magic Johnson anschauen und verinnerlichen. Die NBA-Legende glänzte mit unglaublichen Solos, ließ aber auch die Mitspieler glänzen. Johnsons Pässe kamen  an, wohltemperiert je nach Situation und Können des Angespielten. Wenn Schröder passt, dann nur, wenn er solo nicht weiter weiß. Dann wirft er den Ball irgendwohin.
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Solos oder Soli? Der Duden erlaubt beides. Noch ein Unterschied, aber ein ganz anderer: Nico Rosberg ist Vater geworden. Er ließ es die ganze Twitter-&-Co.-Welt wissen. Ziemlich gleichzeitig ist auch Sebastian Vettel wieder Vater geworden. Kein öffentliches Wort von ihm dazu. Vettel hinterm Mond? Vettel vorn!
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Themawechsel. Floyd Mayweather bekam am Tag vor dem »Kampf des Jahrtausends« gegen Manny Pacquiao jede Menge Infusionen, zusammen 750 Milliliter. Damit kann man Doping verschleiern, daher sind nur maximal 50 Milliliter erlaubt, es sei denn, man meldet die Infusionen vorher an, damit sie überwacht werden können. Als die Sache jetzt herauskam, versicherte die US-Anti-Doping-Agentur USADA, sie habe die Infusionen genehmigt. Nicht ganz unwichtiges Detail: Die USADA stellte die Genehmigung erst drei Wochen nach dem Kampf aus.
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Der »Kampf des Jahrtausends« hätte nicht stattfinden dürfen, auch der gestrige »Weltrekord«-Fight nicht.  Parallele zu Carl Lewis: Er war beim Doping-Super-GAU um Ben Johnson 1988  der Nutznießer, hätte aber gar nicht erst antreten dürfen. Doch seine positiven Dopingtests zuvor in den USA wurden unter den Teppich gekehrt. Mein Fazit von Seoul verjährt nie: »Nicht der Doper ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt.«
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Apropos pervers: Vor einigen Jahren wäre ich beinahe ein Freund der Prügelstrafe geworden, als Mike Jeffries, der Chef des Modelabels Abercrombie & Fitch, sein supersympathisches Geschäftsmodell preisgab: »Viele Menschen haben in unseren Kleidern nichts zu suchen. In jeder Schule gibt es coole und gut aussehende Kinder. Und es gibt solche, die nicht so cool sind. Wir sind ganz offen hinter den Coolen her. Wir wollen das attraktive All-American-Kid.«
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Aber nun liebäugele ich nicht mehr mit der Ohrfeige. Sie wäre auch gegen die Strafe, die Nemesis (griech: Zuteilung des Gebührenden/Wikipedia), die Rachegöttin des gerechten Zorns, Abercrombie & Fitch & Jeffries zugeteilt hat, eher eine Liebkosung. Denn jetzt lese ich in den Wirtschaftsnachrichten vom »Niedergang« der Firma und ihres Ex-Chefs. Jeffries hatte bis zu seinem Rücktritt vor einigen Monaten angeordnet, dass sich weibliche Angestellte nicht schminken dürfen, männliche muskulös sein müssen und auch im Winter mit nacktem Oberkörper vor der Ladentür zu stehen haben. Auf jeden Wunsch, jede Anordnung Jeffries’ musste geantwortet werden: »No problem.« Inzwischen hat Jeffries jede Menge »problems«, vor allem mit sich selbst. Der Mann ist 70, von der Bildfläche verschwunden, soll im Jugendwahn gelebt haben, zig Mal operiert worden sein und könne das Älterwerden nicht ertragen.
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Nemesis, Du bist zu grausam! Der Mann ist  ein ganz armes Schwein und mit sich selbst gestraft genug, lass ihn doch in Frieden altern. – Falls Sie anderer Meinung sind, liebe Leser, hierzu oder zu den anderen »Montagsthemen«, schließe ich mich Dennis Schröder an, der nach seiner vorlauten Kritik am Trainer zurückrudernd ein Wort gesagt hat, das Flügel bekommen könnte: »Ich habe nicht gemeint, was ich sage.« Ich glaube ihm, so wie Sie mir. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle