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35 – 25 – 15 – 5 (“Anstoß” vom 3. September)

Vor 35, 25, 15 und vor fünf Jahren jeweils im September. Kleine Texte in »gw«-Kolumnen, die heute nachdenklich stimmen können oder schmunzeln lassen. Oder beides. 35 – 25 – 15 – 5 – Los geht’s.
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(Hätten Sie gedacht, dass der alte Genderitis-Veralberer »gw« ein Feminist der allerersten Stunde ist? Der Beweis:) »Die Beschreibung der siegreichen Leichtathletinnen macht keinen Spaß mehr.« Dieser Satz stammt von einem Fachjournalisten (Robert Hartmann), der keineswegs ein »Chauvi« ist, sondern eher ein »softer« Vertreter des männlichen Geschlechts. Um so bedenklicher ist die Modeerscheinung, hässliche Sportlerinnen an den Pranger zu stellen, ja, dass »mann« sogar einige Disziplinen verbieten will, da sie zu unweiblich seien. Abgesehen davon, dass es keine hässlichen Frauen gibt, sondern nur welche mit Schönheitsfehlern, haben auch diese das Recht auf Selbstverwirklichung, wie zum Beispiel die russische 2,10-m-Basketballerin Secheljowa, die mit ihren 125 kg Körpergewicht und den ungeschlachten Gesichtszügen (»aber der Seele eines Täubchens«, so eine Mitspielerin) die ihr mögliche Selbstverwirklichung eben nur im Sport findet. Übrigens: Ich habe nie davon gehört, dass man/frau während Schwarzenbecks aktiver Zeit dem »Katsche« das Fußballspielen verbieten wollte. (7. 9. 1980 / am selben Tag auf derselben Sportseite: Eintracht Frankfurts Stürmerstar Bum Kun Tscha fällt nach einem Foul des Leverkuseners Gelsdorf monatelang aus, Schach-Ass Robert Hübner gibt ein sonderbares Interview, in dem die Antwort »Dazu habe ich nichts zu sagen« in unterschiedlicher Form dominiert – sowie ein Artikel von Robert Hartmann über »Afrikas einzige Weltklasse-Langläuferin«. So ändern sich die Zeiten, nur »gw« bleibt – natürlich Feminist)
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(Im September 1990 erhielt Atlanta überraschend gegen das hoch favorisierte Athen den Zuschlag für die Jubiläums-Spiele 1996. Manchmal ist auch der Schreiber überrascht, wenn Geschriebenes, das er längst vergessen hatte, nach einem Vierteljahrhundert plötzlich wieder hochaktuell wirkt.) Es wäre naiv zu glauben, dass Geld nicht den Ausschlag gegeben hat. Vielleicht zu unserem und der Griechen Glück! Hätte Atlanta nicht mit millionenschweren Pfunden und dem IOC-Hauptsponsor Coca-Cola wuchern können, wäre kein Weg an Athen vorbeigegangen. Eine nationale Katastrophe hätte sich anbahnen können. Der Staat ist fast pleite, wird von politischen Krisen geschüttelt, verfügt über eine schwach entwickelte sportliche – und allgemeine – Infrastruktur und steht vor gewaltigen Umweltproblemen, die jeder Griechenland-Urlauber mit Händen, Füßen und Nase zu spüren bekommt. Wer Land und Leute liebt, gönnt ihnen alles – nur keine Olympischen Spiele. (19. 9. 1990 / die Spiele bekamen sie dann 2004; das Unglück nahm seinen Lauf)
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(Wie’s der Zufall will auf den Tag genau zehn Jahre später:) Früher gab es in den ersten olympischen Tagen stets Anlass zu diesem Kalauer: Wir holen unsere Medaillen in Disziplinen, mit denen man Kriege gewinnt: Fechten und Schießen. Aber erstens gewann man damit Kriege allenfalls bis 1870/71, und zweitens . . . wo bleiben in Sydney die Medaillen? (19. 9. 2000)
(Zugabe, eine Woche später in unserer Olympia-Serie »Down Under – Mini-Dialog mit Matthias Beltz«:) Zusammen mit »Bild« suchen wir immer noch das deutsche Sieger-Gen. Wo können wir es finden? – Beltz: »Da muss man wohl nach Siegen geh’n.« (26. 9. 2000)
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(Vor 35, 25 und auch noch vor 15 Jahren riss kein Syndesmoseband. Dann aber häuften sich diese Verletzungen. Warum bloß? Vor fünf Jahren folgte auf die Antwort ein Ausflug in die moderne Welt der Verletzungsmöglichkeiten:) Diese Verletzung »gibt« es erst, seit die Kernspintomographie es möglich macht, sie zu erkennen. Aber auch im außersportlichen Bereich finden sich ganz neue Verletzungen. So nimmt die Champagnerkorkenblessur am Auge stark zu, auch das Beefburgersyndrom ist in der medizinischen Literatur schon bestens dokumentiert: die steigende Zahl von Verletzungen durch unvorsichtiges Hantieren mit dem Küchenmesser beim Trennen von gefrorenen Hamburger-Scheiben. Aus dem wilden Reich der Verletzungsmöglichkeiten ragt natürlich die legendäre Doktorarbeit über »Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern« heraus, doch belasse ich es heute mit meiner Nr. 1 aus der Verletzungswelt des Sports: Ein Fußballprofi aus Cottbus prallte mit dem Knie eines Trierers zusammen und verlor drei Zähne. Auch der Trierer musste ausgewechselt werden: Er fiel in Ohnmacht, als er sah, dass zwei der drei Zähne in seinem Knie steckten. (16. 9. 2010)
(gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle