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Ohne weitere Worte (vom 25. August)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Inter-essantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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»Für mich lag (…) kein Reiz darin, nur den polternden, lauten Hoeneß darzustellen. Diese Rolle spielt Hoeneß selbst am besten, es ist die Rolle seines Lebens. Mich hat mehr interessiert: Wo ist der kleine Uli? Der sensible Metzgerssohn mit den feinen Gesichtszügen, der gleichzeitig nur so vor Ideen und Kraft strotzt.« (Thomas Thieme im Spiegel-Interview über seine Rolle als Hoeneß im ZDF-Dokudrama/Sendetermin: Donnerstag, 20.15 Uhr)
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Guardiola hatte (…) Götze zu »einem meiner liebsten Spieler« erklärt. Zu einem der liebsten Spieler allerdings, für die in Guardiolas an liebsten Spielern reichem Kader kaum Verwendung bleibt. (Benedikt Warmbrunn in der Süddeutschen Zeitung)
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Wenn Walter Benjamin noch lebte, könnte er sich seine (…) tiefschürfenden Überlegungen zum ›Ursprung des deutschen Trauerspiels‹ (…) wahrhaftig sparen. Der Ursprung des deutschen Trauerspiels liegt im HSV. (»Das Letzte« in der Zeit)
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In dieser Situation gibt (…) Labbadia  die Losung aus: »Wir müssen Rückschläge hinnehmen, ohne darauf zu warten.« Das ist ein trefflicher lebensphilosophischer Satz. Natürlich könnte man auch auf Rückschläge warten, ohne sie hinzunehmen. Die Haltung allerdings, auf Rückschläge zu warten, damit man sie hinnehmen kann, begründet just jene Tragik, der sich dann das rätselhafte Verschwinden eines Rucksacks mit vertraulichen Papieren anfügt wie das passende Satyrspiel. (»Das Letzte«/Zeit)
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»Das ist so, wie wenn mein Sitznachbar und Kumpel in der Schule meine Klassenarbeit kontrolliert. Dann übersieht der halt ein paar Fehler, weil wir uns mögen.« (Sprinter Julian Reus im SZ-Interview über die Rolle der nationalen Anti-Doping-Agenturen im Sport)
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Sie wollten sich nicht in den Mittelpunkt spielen? – »Dafür bin ich nicht der Typ. Wenn ich ausgehe, würde ich lieber durch den Hintereingang kommen. Es wird nie meine Lieblingsbeschäftigung sein, vor anderen Leuten zu sprechen.« (Dirk Nowitzki im Interview der Frankfurter Allg. Sonntagszeitung, Titel: »Wahre Größe«)
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»Donald Trump for President« ist etwa so, als würde in Deutschland Dieter Bohlen fürs Kanzleramt kandidieren. (Lisa Nienhaus in der FAS)
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Auch Sportstars können pleite gehen, verzweifelt sein und nach jedem gereichten Geld greifen. (…) Zudem sagt man vielen Sportlern (…) nach, das Niveau des Trashs nicht allzu sehr nach oben zu treiben und die Quote zu gefährden. (taz über Sportler im »Promi Big Brother«-Container)
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»In der elften Klasse hatte ich fünf Fünfen im Zeugnis. Holger Geschwindner (Nowitzkis Individualtrainer und Mentor) war richtig hinterher, dass ich die Schule fertig mache. Er hat mich zum Abitur geschoben.« (Nowitzki/FAS)
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Sie mussten (…) vermitteln (…) zwischen Helmut Schmidt und Jimmy Carter, die sich nicht ausstehen konnten. – »Manche meinten, wohl auch, weil Schmidt der Meinung gewesen sei, die Welt wäre gerechter, wenn er der Präsident der Vereinigten Staaten wäre und Carter deutscher Bundeskanzler.« (Hans-Dietrich Genscher im Interview des SZ-Magazins)
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Es nervt ihn, dass die anderen blöd sind, und es freut ihn, dass er selber schlau ist. (Volker Zastrow in der FAS über Wolfgang Schäuble)
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»Für einen Spieler aus der slowenischen Liga verschwenden wir keine Zeit. (…) Ich mache meine Ansprachen definitiv nicht auf Englisch in der Kabine. (Darmstadts Trainer Dirk Schuster im Interview der Frankfurter Rundschau)
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»Es ist nur ein Trend, so wie die Sache mit dem ersten Mercedes Tiranas. Eines Tages kaufte sich ein Albaner einen Mercedes und erzählte seinen Freunden, dass es ein tolles Auto ist. Die Freunde erzählten es weiter. Bis jeder Albaner einen Mercedes fahren wollte. Genauso läuft es mit Deutschland. (…) Jeder hat mittlerweile gehört, wie toll Deutschland ist. Unsere Straßen sind voller Mercedes-Benz und eure voller Albaner.« (Aussage eines Albaners im FAS-Reisebericht von Anna Prizkau. Titel: »Albanien ist ein schönes Land, es gibt keinen Krieg, keinen Hunger. Warum wollen alle weg?«)
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»Ich weiß, dass ich ein großes Glück habe: Ich werde nie einen Job annehmen müssen, auf den ich keine Lust habe.« (Nowitzki/FAS) (gw)
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(www.anstoss-gw.de  gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle