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Ohne weitere Worte (vom 18. August)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Inter-essantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Böllenfalltorstadion – welch ein herrlicher Name aus tiefer Vergangenheit. (…) Das Stadion, errichtet 1921, ist ein Gesamtkunstwerk aus Rost und Moos. Immer mal wieder werden die Fans zum Jäten gebeten. Dann kommen sie zu Dutzenden und rupfen das Gras von den Stehplätzen. (Ulrich Stock in der Zeit)
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Mehr als 20 Zentimeter lang ist er, gnadenlos verfilzt und bis zum Duschen ein Sammelbecken für Schweiß, Wasser und Grasfetzen. (Simon Pausch in der Welt über Marco Sailer und den »furchterregendsten Vollbart, den der deutsche Fußball je gesehen hat«)
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Sailer ist der Angriffs-Hipster schlechthin. Was den deutschen WM-Recken 1974 vom Kopf hing, sprießt ihm aus den Backen. (Stock/Zeit)
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Frisches Blut vom Rande der Gesellschaft, eine Jugend am sozialen Abgrund als Quell des Willens, mit dem Fußball alles zu erreichen – gerade ein Klub wie die Bayern (…) braucht so etwas immer wieder mal. (Christian Eichler in der FAS über Arturo Vidal)
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Sie sollen sich anfangs geschämt haben, in der Klub-Kantine bei Colo-Colo zu essen, weil Ihre Familie zu Hause weniger als sie bekam. – »(…) Ob ›geschämt‹ die richtige Bezeichnung dafür ist, weiß ich nicht. (…) Es war einfach so, dass es bei mir im Klub von allem reichlich zu essen gab, zu Hause jedoch schon mal gehungert wurde. Ich habe im Klub einfach gesagt, ich packe es ein und esse es später. Zu Hause habe ich es dann mit meiner Familie geteilt.« (Arturo Vidal im Sport-Bild-Interview)
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Ausgerechnet bei Ihrer Vorstellung wurde publik, dass Ihr Vater wegen Drogenbesitzes in Chile verhaftet wurde. Belastet Sie das? – »Nein, überhaupt nicht. Mein Vater ist wirklich alt genug, um zu wissen, was er tut.« (Vidal/Sport-Bild)
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Der schlechteste Spieler im Training (Anm.: in Darmstadt) muss beim nächsten Mal ein rosa Leibchen tragen. Die Schwulenverbände haben sich bisher nicht dazu geäußert. (Stock/Zeit)
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Die Imagewerte der Nordköppe vom HSV liegen derzeit irgendwo zwischen denen des mittleren Berti Vogts und denen von Rudolf Scharping in der Swimmingpool-Phase. (Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung)
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Pferde (…) sind unbestechlich. Sie lassen sich nicht beeindrucken von großen Namen und dicken Konten, sie sind nicht von Geltungsdrang getrieben, und die Medaillen, die ihren Reitern umgehängt werden, sind ihnen herzlich egal. Totilas hat bei der Europameisterschaft in Aachen allen, die ihn seit Jahren für ihre Zwecke missbrauchten, die Maske vom Gesicht gerissen. (Gabriele Pochhammer bei SZ-Online)
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Einen Dressur-Olympiasieger kann man nicht erwerben und für immer zu Hause an die Wand hängen wie einen van Gogh, den man selbst fertig malen muss. (…) Man kann die Originalfarbe und Originalpinsel nehmen, man kann den besten Lehrer der Welt verpflichten, aber einen echten van Gogh kann man nicht so einfach machen. Und wer sich aufgrund seines Reichtums für ein Genie hält, wird für vermessen gehalten – da braucht es als Antrieb keinen Sozialneid. (Evi Simeoni in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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»Ich flog immer gewagter, als gäbe es keine Grenzen. Ich bin ein typischer Fall, diese fast krankhafte Gier ist zur beherrschenden Norm geworden. (…) Ich verhielt mich ebenso verrückt wie diese Springer, die sich an elastischen Seilen von hohen Brücken fallen lassen, um ihre Grenzen zu überwinden.« (Philippe Pozzo di Borgo, der beim Paragliding verunglückte und dessen Leben in »Ziemlich beste Freunde« verfilmt wurde, im Spiegel-Interview)
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»Die wiederkehrenden Debatten um eine Vereinfachung der Sterbehilfe ängstigen mich. Ich fürchte manchmal, unsere Gesellschaft könnte in ihrem Optimierungswahn einen Automatismus dieser Methode akzeptieren.« (Pozzi di Borgo/Spiegel)
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Journalisten, deren intellektuelle Fähigkeiten und Fachkenntnisse gerade eben zum Zubinden der Schuhe und Auftragen von Mascara ausreichen, erklären (…) die Welt. (…) Jede Kritik daran gilt als Angriff auf die Wahrheit. Jeder Bild-Reporter ist ein Freiheitskämpfer, und jeder Schnösel aus dem »Vermiscnten« ein legitimer Nachfolger von Karl Kraus. (aus der Kolumne »Fischer im Recht« von Bundesrichter Thomas Fischer auf Zeit-Online. ) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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