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Montagsthemen (vom 17. August)

Spieglein, Spieglein an der Wand. Es ist nicht immer leicht, Bayern München zu sein. Da spielt man gleich zum Auftakt majestätisch eindrucksvoll, vernichtet in Halbzeit zwei einen Dauerunglückswurm namens HSV auf furchteinflößende Weise und glaubt, endlich alle Bewunderung für sich alleine zu haben. Doch dann befragt man zur Sicherheit noch das Spieglein an der Wand, wer denn die heißeste Braut weit und breit sei, und dann kommt schon 22 Stunden später wieder die Antwort, die man eine Saison lang vergessen wollte und konnte: Liebe Bayern, Ihr seid die Größten hier, aber der BVB hinter den sieben Bergen bei den sieben Ruhrpott-Zwergen, der ist tausendmal heißer als Ihr.
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Na ja, Märchen übertreiben tausendfach. Aber der BVB hat dem FCB tatsächlich etwas vom Glanz des Liga-Auftakts genommen, auf eine Weise, bei der sich auch Skeptiker (hier schreibt einer) verwundert die Augen rieben. Hinzu kommt, dass Gladbach nicht der HSV ist, aber noch höher hätte verlieren können als dieser.
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Aber auch der HSV kann Genießern in hellen Momenten Freude bereiten wie FCB und BVB. Allerdings nicht auf dem Rasen, sondern vielleicht demnächst auf dem Mannschaftsbus. Welcher flotte Slogan soll denn dort zu lesen sein, wurden die HSV-Fans gefragt. Die schönste Antwort hat etwas von der Grandezza eines beinverwringenden Robben-Dribblings von rechts mit Links-Strahl ins Dreieck oder eines Three-Touch-Konters des auferstandenen BVB. Doch die selbstironische Größe eines Fan-Vorschlags wird der HSV wohl nicht aufbringen und den Bus mit dem großartigen Schriftzug »van der Talvaart« beflocken.
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Nach dem Pokal-Los, das diesmal in der Tat den ansonsten überoft geschwungenen »Hammer« als Vornamen trägt, bekommt das vage Klopp-Geraune einen exakten Ablaufplan: Pokal / Wolfsburg / Triple platzt früh / Guardiola kündigt Abschied an / Winterpause / Hoeneß kommt aus dem Knast / Bringt Bayern zurück in die Spur und Klopp als Morgengabe mit. – Mhmm. Wahrscheinlichkeitsgrad? Siehe »van der Talvaart«
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Falls doch, käme es schon in dieser Saison zu einem Trainerduell Klopp gegen Tuchel. Doch vielleicht stritten sich dann zwei, und der Dritte freut sich. Gaaanz vorsichtig sei wiederholt (»Anstoß«/15. Juni), was zur Wiedervorlage am Saisonende bereit liegt: »Nun hat Schalke einen kleinen Klopp. Breitenreiter – wahrscheinlich die beste Antwort, die der bisher rat- und glücklose Heldt auf die ihn überfordernden Fragen gefunden hat. Schalke ein neuer BVB?«
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Was man (und ich) alles in solch einen traditionell überschätzten ersten Spieltag reingeheimnissen kann! Fliegender Galoppwechsel zu Totilas. Dessen Gelenke scheinen in Hessen so verletzungsbereit wie die von Robben einst bei Real. In Holland war Totilas noch so fit wie Robben jetzt (meist) in München. Diese Holländer! Clever, clever! Verkaufen einen Oldtimer, dessen Lenker ihn schon durch zu viele Rennen geprügelt hat, zu einem Liebhaber-Mondpreis, der sogar einen gewissen Kunst- und Oldtimer-Vermittler A. vor Scham erröten ließe. Die Käufer begnügen sich aber nicht mit gemütlichen Oldtimer-Rallyes, sondern wollen die Formel-1-WM gewinnen. Da lacht der Verkäufer. Nicht undercover, sondern auf »Undercover«, seinem neuen Sieger-Untersatz, dessen Name wie ein spöttischer Gruß nach Hessen klingt. Totilas darf jetzt wohl wieder decken. Aber nur gaaanz vorsichtig, denn selbst dabei hat er sich schon verletzt.
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Novak Djokovic hat kein Ödem am Bein, sondern Hasch in der Nase. Nach seinem Halbfinalsieg in Montreal beklagte er sich: »Irgendjemand raucht Gras. Ich kann es riechen. Mir wird schwindlig.« Da denken wir unwillkürlich an Willi »de Ox« Fischer (was macht der eigentlich?). Als der frühere Kult-Boxer aus Sachsenhausen des Dopings überführt wurde, hatte er nach seinen Worten nicht aktiv gehascht, sondern passiv und rein dienstlich in seinem »Nebenjob im Sicherheitsdienst«. Fischer hatte also Haschisch nicht in den Taschen, aber in der Blutbahn, worauf sich jetzt nur Truthahn reimt.
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Aber diese Kolumne soll nicht derart spätpubertär enden wie die vom Samstag (Stichwort: Großer Bär), denn Djokovic vermutet auch, »irgendjemand genießt hier sein Leben am Rande des Tennis-Platzes«. Da drängt sich rein dienstlich die Frage auf: Wo war sein Trainer? (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle